Nachruf

Im Anfang war die »Brown Box«

Museumsstück: Ralph Baer mit seinem ersten Videospiel Foto: dpa

Wenn Videospiele Geschichtsbewusstsein besäßen, würden Super Mario, Sonic und der Master Chief jetzt Schwarz tragen. Denn Ralph H. Baer, der Vater der Videospiele, ist tot.

Als Rudolf Heinrich Baer kam er 1922 in Rodalben in der Pfalz zur Welt. Vater Leo war Schuhmacher. Die Familie floh im August 1938 nach New York. Aus Rudolf Heinrich wurde Ralph Henry. Der 16-Jährige arbeitete bald nach der Ankunft zehn Stunden am Tag in einer Fabrik.

Von seinen zwölf Dollar Wochenlohn zwackte er pro Woche 1,25 Dollar für ein Fernstudium zum Radio- und Fernsehtechniker ab. 1943 wurde er zur Army eingezogen und arbeitete vor allem im militärischen Abwehrdienst in London. Sein Spezialgebiet waren Waffen der Achsenmächte, in deren Gebrauch er die GIs unterwies. Nach dem Krieg machte er einen der ersten Bachelor-Abschlüsse in dem neuen Studienfach Fernsehtechnik.

Rüstungsfirma 1952 heiratete Baer Dena Whinston, das Paar bekam drei Kinder. 1956 ging er zu Sanders Associates in New Hampshire, einer Rüstungsfirma, die Radare und Abwehrsysteme für Flugzeuge herstellte. Doch in einem kleinen Raum im fünften Stock des Firmensitzes tüftelte Baer an ganz anderen Ideen. »Wir konnten auf einem Fernsehbildschirm einen einzelnen Punkt anzeigen lassen, den wir mit einem Knüppel – wie bei einem Flugzeug – steuern konnten«, erinnerte er sich später über den ersten Schritt zu seiner großen Erfindung.

»Dann haben wir einen zweiten Punkt angezeigt, einen zweiten Knüppel. Diese zwei Punkte, mit zwei Spielern, konnten sich verfolgen. Wenn die zwei Punkte sich berührten, verschwanden beide. Das hat Spaß gemacht.« Es war das laut offizieller Geschichtsschreibung erste Videospiel, heute noch im Keller des Museum of the Moving Image in Astoria im US-Bundesstaat New York beschau- und sogar spielbar.

senso Dass er bei einer Rüstungsfirma Spiele entwickelte, erklärte Baer später mit »jüdischer Chuzpe«. Die Firma tolerierte seine »Albernheiten«, solange die Patente Geld einbrachten.

Im Laufe seiner Karriere als Erfinder meldete Baer 150 Patente an. Er ist nicht nur der Erfinder von Videospielen, sondern auch von Zubehör wie der Lightgun, dem in den 80er-Jahren populären Spielzeug »Senso« und – kein Spiel, sondern militärischer Ernst – Sonarsystemen für U-Boote.

Auf einem dieser Patente – Spiele auf einem Fernsehschirm – fußt Baers Ruf als Vater der Videospiele. Die von ihm entwickelte »Brown Box« lizensierte er 1971 an die Firma Magnavox, die sie als »Magnavox Odyssey« vertrieb. Baer tüftelte auch nach seiner Pensionierung und dem Tod seiner Frau Dena 2005 weiter. Gegen Patentverstöße und falsche Geschichtsschreibung ging er noch bis ins hohe Alter vor, mit seinen genauen Aufzeichnungen bewaffnet. 2006 zeichnete Präsident George W. Bush ihn mit der »National Medal of Technology« aus. Vergangenes Wochenende ist Ralph Baer 92-jährig in New Hampshire gestorben.

Bildung

»Dagesh« geht auf Tour

Mit einem neuen Programm sollen bei Schülern Vorurteile über Juden abgebaut werden

 11.08.2020

Sachsen

Ostritz feiert Friedensfest gegen Rechts

Vor zwei Jahren erkoren Neonazis Ostritz zur Bühne für Rechtsrock-Festivals - und von Beginn an regte sich Widerstand

von Johannes Süßmann  11.08.2020

Interview

»Hochstapler, Lügner und Betrüger«

Der israelische Journalist Eldad Beck über die Schattenseiten von Rainer Höß, dessen Nazi-Großvater und den unkritischen Umgang der deutschen Medien mit dem Enkel

von Michael Thaidigsmann  11.08.2020

Konzert in Düsseldorf

Lieberberg will mit Laschet reden

Entscheidung der Landesregierung NRW über ein eventuelles Verbot der Veranstaltung steht noch aus

 11.08.2020

TV-Tipp

Die Fähigkeit zum Träumen

»Der Trafikant« ist eine detailgenaue Verfilmung des Bestsellers von Robert Seethaler

von Marius Nobach  11.08.2020

Film

Väterliche Fortsetzung

Zac Efron wird in einem Remake des 80er-Jahre-Hits »Noch drei Männer, noch ein Baby« mitspielen

 11.08.2020

Juwelier

Corona-Maske für 1,3 Millionen Euro

Der Mund-Nase-Schutz soll aus 18-Karat-Gold bestehen und mit rund 3600 Diamanten besetzt sein

 10.08.2020

Klima

Grünes Licht

Israel nimmt an der Green-Deal-Initiative der EU teil – das ist auch ein politisches Signal

von Ralf Balke  10.08.2020

Pforzheimer Friedenspreis

Auszeichnung für Ben Salomo

Der Musiker wird für seinen Beitrag zu »einer offenen, freien und friedlichen Gesellschaft« geehrt

 07.08.2020