TV-Tipp

Idol einer Generation

Tony Curtis war eine der letzten großen Hollywood-Ikonen. Der Schauspieler mit dem unwiderstehlichen Charme, der legendären Haartolle und dem rebellischen Look galt einer ganzen Generation als Idol und Sexsymbol. Mit Talent und Ausdauer arbeitete er sich zum facettenreichen Charakterdarsteller hoch und bezirzte fünf Jahrzehnte lang das Publikum.

Obwohl er sich auf kein Genre festlegen ließ und in Abenteuerfilmen ebenso glänzte wie in Sittenkomödien, Psychodramen oder Musicals, sind es wohl seine Auftritte in Klassikern wie »Manche mögen»s heiß« (1959) oder »Spartacus« (1960), die am nachhaltigsten in Erinnerung bleiben sind.

Seine Eltern kamen als deutschstämmige jüdische Einwanderer aus der ungarischen Kleinstadt Mátészalka und betrieben eine kleine Schneiderei.

Arte erinnert an diesem Themenabend mit einem anderen Klassiker an Tony Curtis: der turbulenten Komödie »Unternehmen Petticoat« (20.15 bis 22.10 Uhr) von Blake Edwards, in dem Curtis einen Leutnant spielt, der sich als Schürzenjäger entpuppt - es gibt einen weiblichen Offizier an Bord, aber keinerlei Erfahrungen zur See hat.

HUMOR Mit seinen unorthodoxen Ideen treibt er den Kommandanten (Cary Grant) fast in den Wahnsinn. Eine der Kritiken damals lautete: »Eine turbulente Komödie mit psychologisch treffsicherem Humor und originellen Einfällen, die jedoch nur dadurch so gut unterhält, dass sie reale Kriegsbilder stilvoll auszuklammern versteht.«

Im Anschluss zeigt Arte die Dokumentation »Tony Curtis – Der Kerl aus der Bronx« (22.10 bis 23.10 Uhr) von Ian Ayres, der hinter die Fassade des charismatischen Akteurs blickt, der zeitlebens unter seiner Vergangenheit litt und nicht damit klarkam, dass er in Hollywood nicht wirklich anerkannt wurde.

Mit Hilfe des Psychologen Glenn Wilson und des Biografen Allan Hunter wird dabei auch das US-amerikanische Starsystem hinterfragt, an dem so viele große Schauspieler zugrunde gehen.

BIOGRAFIE 1925 in New York als Bernard Schwartz geboren, wuchs Curtis in der Bronx auf. Seine Eltern kamen als deutschstämmige jüdische Einwanderer aus der ungarischen Kleinstadt Mátészalka und betrieben eine kleine Schneiderei, in der die Familie auch lebte. Nach seinem Militärdienst bei der US-Marine nahm der junge Mann Schauspielunterreicht bei Erwin Piscator.

Bei allen Erfolgen gab es auch immer wieder Skandale. Drogenexesse und diverse Heiraten mit teilweise erheblich jüngeren Frauen.

Seinen ersten großen Leinwandauftritt hatte Curtis 1949 als Rumba-Tänzer in Criss Cross. Die erste Hauptrolle spielte er 1951 in Die Diebe von Marshan, 1959 folgte eine Oscar-Nominierung für Flucht in Ketten. International bekannt wurde Curtis jedoch durch den Billy Wilder Film Manche mögen’s heiß an der Seite von Marilyn Monroe und Jack Lemmon.

Der Schauspieler, der mit seiner Frisur, dem »Curtis Cut«, eine ganze Generation beeinflusste, war auch im Fernsehen erfolgreich. Die Serie »Die Zwei« mit Filmpartner Roger Moore wurde in mehr als 80 Länder verkauft. Bei allen Erfolgen gab es auch immer wieder Skandale. Drogenexesse und diverse Heiraten mit teilweise erheblich jüngeren Frauen.

»Tony Curtis«-Themenabend, Montag, 27. April, 20.15 bis 23.10 Uhr, Arte.

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter  30.06.2022

Debatte

Präzedenzloses Verbrechen

Ein Sammelband analysiert die jüngsten Versuche, die Schoa unter postkolonialen Vorzeichen zu relativieren

von Marko Martin  30.06.2022

documenta

»Unglaublich, dass so etwas passieren konnte«

Wie israelische Künstler und Galeristen auf den Antisemitismus-Skandal bei der Kasseler Weltkunstausstellung reagieren

von Tal Leder  30.06.2022

Finissage

Auf die nächsten 1700 Jahre

Das Festjahr ist ausgeklungen – eine Fortsetzung auf europäischer Ebene wird bereits diskutiert

von Ayala Goldmann  30.06.2022

»Nicht ganz koscher«

Zwei in der Wüste

Premiere beim Fritz-Gerlich-Preis: Zum ersten Mal gewinnt eine Komödie. Die Regisseure haben ein schwieriges Thema leicht verpackt. Das wurde von der Jury honoriert

 29.06.2022

Debatte

Claudia Roth und die Flucht nach vorn

Die Kulturstaatsministerin war massiv in die Kritik geraten. Jetzt regt sie Reformen bei der documenta an

 29.06.2022

Antisemitismus-Eklat

documenta: Justiz ermittelt

Bei der Kasseler Staatsanwaltschaft gehen mehrere Strafanzeigen gegen die Weltkunstausstellung ein

 29.06.2022

Glosse

Der Rest der Welt

Oj Gewalt: Was hat mein Hund mit dem Gilgul zu tun?

von Beni Frenkel  29.06.2022

Interview

»Irgendwann fällt die Schamgrenze«

Jasmin Hartmann über Provenienzforschung und Fahndung nach Raubkunst

von Hans-Ulrich Dillmann  29.06.2022