Musik

»Ich liebe diese Sprache«

Kleine Frau mit großer Stimme: Yael Naim Foto: Stephan Pramme

Yael Naim, Sie sind in diesem Jahr mit dem französischen Preis »Victoire de la Musique« als beste weibliche Sängern ausgezeichnet worden. So wie vor Ihnen berühmte Künstlerinnen wie Françoise Hardy oder Vanessa Paradis. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
Der Preis fühlt sich gut an. Mir war gar nicht bewusst, mit wem zusammen wir nominiert waren und auch nicht, wer ihn schon vorher erhalten hatte. Aber die Band und ich – wir alle waren natürlich sehr froh darüber, haben aber trotzdem bis zum letzen Moment nicht mit der Auszeichnung gerechnet. Dass unsere Arbeit öffentlich wahrgenommen wird, ehrt uns außerordentlich.

Anders als bei Ihrer vorherigen CD »Yael Naim«, auf der es viele hebräische Songs gibt, singen Sie auf ihrer neuen Produktion »She was A Boy« ausschließlich Englisch. Warum?
Ich kehre so zu meinen Wurzeln zurück. Denn schon auf meinem ersten Album gab es englische Songs. Als »Yael Naim« aufgenommen wurde, hatte ich kurz zuvor Israel verlassen und mich von meinem Freund getrennt. Die Lieder sind auf Hebräisch, weil ich Heimweh hatte und das Gefühl, dass ich mit meinem alten Zuhause in Verbindung bleiben müsse. Auch jetzt versuche ich, hebräische Texte zu schreiben, aus Liebe zur Sprache.

Fühlen Sie sich mehr als Israelin oder Französin?
Als Mensch bin ich beides. Und als Künstlerin muss man sowieso ganz offen für alles sein. Aber die Art, wie wir zum Beispiel Musik produzieren, ist definitiv französisch. Ich lebe in Frankreich. Und das prägt mich.

Sie sind in Paris geboren und dann im Alter von vier Jahren mit Ihren Eltern nach Israel ausgewandert. Wie fühlt es sich heute an, dort zu spielen?
Unsere Musik wurde in Israel zunächst verhaltener aufgenommen als in Europa. Fast nach dem Motto: »Mal sehen, was die Kleine, über die jeder spricht, da so singt.« Aber unsere Konzerte in Tel Aviv waren dann sehr schön, und ich glaube, wir haben den Kontakt zum Publikum gefunden.

Im vergangenen Jahr haben Künstler wie Elvis Costello oder die amerikanische Band Pixies ihre Konzerte in Israel abgesagt, aus Protest gegen die Palästinenser-Politik. Was halten Sie von derartigen Boykotten?
Ich halte nicht viel davon. Ich bin Israelin und liebe mein Land, aber wir sind in einer komplizierten Situation, und zuallererst gilt es, die freie Meinungsäußerung zu bewahren. Künstler haben das Recht, ihre Auftritte abzusagen. Einige – auch ich – fürchten, sie könnten die Gunst der Öffentlichkeit verlieren, weil diese die Handlungen irgendeiner Regierung, sei es die israelische, französische oder amerikanische, für verdammenswert hält. Und um möglichem Ärger aus dem Weg zu gehen, macht man um die betreffenden Länder einen Bogen.

Mit der Sängerin sprach Katrin Richter.

Justiz

Fall Gil Ofarim: Landgericht äußert sich erstmals zur Kritik von Anwälten des Musikers

Die Verteidiger des Musikers hatten schwere Vorwürfe gegen das Gericht erhoben

von Katharina Rögner  25.09.2022

Meinung

Ende gut, nichts gut

Die documenta fifteen geht am Sonntag zu Ende – eine kleine Nachlese zu »Pressearbeit als Kunstform«

von Ralf Balke  24.09.2022

Gwyneth Paltrow

Alles ist gut

Die Schauspielerin und Unternehmerin wird am zweiten Tag von Rosch Haschana 50 – Grund zum Feiern hat sie allemal

von Katrin Richter  24.09.2022

Deutschland

Gil Ofarims Anwälte erheben schwere Vorwürfe gegen Leipziger Justiz

Es solle ein öffentlichkeitswirksamer »Schauprozess« durchgeführt werden, so die Anwälte des Musikers

 22.09.2022

Glosse

Der Rest der Welt

Warum Kassel nicht überall ist oder Neue Brieffreundinnen für 5783 gesucht

von Ayala Goldmann  22.09.2022

Leonard Cohen

Suzanne in der Wüste

Matti Friedman erzählt in »Who By Fire«, wie der Sänger 1973 im Jom-Kippur-Krieg für die israelische Armee auftrat

von Alexander Kluy  22.09.2022

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter  22.09.2022

Berlin

Neues Leben für das Liederbuch

110 Jahre nach dem Erscheinen des »Deutsch-Jüdischen Liederbuches« von Abraham Zwi Idelsohn ist das einst in Vergessenheit geratene Werk nun neu aufgelegt worden

 22.09.2022 Aktualisiert

Leipzig

Staatsanwaltschaft erhebt weitere Anklage gegen Gil Ofarim

Darin geht es laut Landgericht um falsche eidesstattliche Versicherung sowie Betrug und versuchten Betrug

von Birgit Zimmermann  21.09.2022