Yael Naim

»Ich liebe diese Sprache«

Yael Naim Foto: Stephan Pramme

Yael Naim

»Ich liebe diese Sprache«

Die Musikerin über ihre hebräischen Songs, Heimweh und Israel-Boykotte

von Katrin Richter  14.06.2011 17:33 Uhr

Yael Naim, Sie sind in diesem Jahr mit dem französischen Preis »Victoire de la Musique« als beste weibliche Sängern ausgezeichnet worden. So wie vor Ihnen berühmte Künstlerinnen wie Françoise Hardy oder Vanessa Paradis. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
Der Preis fühlt sich gut an. Mir war gar nicht bewusst, mit wem zusammen wir nominiert waren und auch nicht, wer ihn schon vorher erhalten hatte. Aber die Band und ich – wir alle waren natürlich sehr froh darüber, haben aber trotzdem bis zum letzen Moment nicht mit der Auszeichnung gerechnet. Dass unsere Arbeit öffentlich wahrgenommen wird, ehrt uns außerordentlich.

Anders als bei Ihrer vorherigen CD »Yael Naim«, auf der es viele hebräische Songs gibt, singen Sie auf ihrer neuen Produktion »She was A Boy« ausschließlich Englisch. Warum?
Ich kehre so zu meinen Wurzeln zurück. Denn schon auf meinem ersten Album gab es englische Songs. Als »Yael Naim« aufgenommen wurde, hatte ich kurz zuvor Israel verlassen und mich von meinem Freund getrennt. Die Lieder sind auf Hebräisch, weil ich Heimweh hatte und das Gefühl, dass ich mit meinem alten Zuhause in Verbindung bleiben müsse. Auch jetzt versuche ich, hebräische Texte zu schreiben, aus Liebe zur Sprache.

Fühlen Sie sich mehr als Israelin oder Französin?
Als Mensch bin ich beides. Und als Künstlerin muss man sowieso ganz offen für alles sein. Aber die Art, wie wir zum Beispiel Musik produzieren, ist definitiv französisch. Ich lebe in Frankreich. Und das prägt mich.

Sie sind in Paris geboren und dann im Alter von vier Jahren mit Ihren Eltern nach Israel ausgewandert. Wie fühlt es sich heute an, dort zu spielen?
Unsere Musik wurde in Israel zunächst verhaltener aufgenommen als in Europa. Fast nach dem Motto: »Mal sehen, was die Kleine, über die jeder spricht, da so singt.« Aber unsere Konzerte in Tel Aviv waren dann sehr schön, und ich glaube, wir haben den Kontakt zum Publikum gefunden.

Im vergangenen Jahr haben Künstler wie Elvis Costello oder die amerikanische Band Pixies ihre Konzerte in Israel abgesagt, aus Protest gegen die Palästinenser-Politik. Was halten Sie von derartigen Boykotten?
Ich halte nicht viel davon. Ich bin Israelin und liebe mein Land, aber wir sind in einer komplizierten Situation, und zuallererst gilt es, die freie Meinungsäußerung zu bewahren. Künstler haben das Recht, ihre Auftritte abzusagen. Einige – auch ich – fürchten, sie könnten die Gunst der Öffentlichkeit verlieren, weil diese die Handlungen irgendeiner Regierung, sei es die israelische, französische oder amerikanische, für verdammenswert hält. Und um möglichem Ärger aus dem Weg zu gehen, macht man um die betreffenden Länder einen Bogen.

Mit der Sängerin sprach Katrin Richter.

Philadelphia

Erstes Konzert nach Macklemore-Aus: Sheeran äußert sich

Wegen israelfeindlichen Äußerungen und einer antisemitischen Vorgeschichte wurde US-Rapper Macklemore aus dem Vorprogramm von Popstar Ed Sheeran gestrichen. Jetzt ist Sheeran erstmals wieder aufgetreten

 20.09.2026

Musik

Biermann mit neuen Liedern: »Mensch, misch’ dich ein«

Der Liedermacher Wolf Biermann präsentiert auf einem neuen Album Unveröffentlichtes - manches neu, manches auch noch aus DDR-Zeiten. Die Themen hätten sich kaum verändert, sagt der Künstler

 20.09.2026

Fernsehen

»Zu Asche, zu Staub«

»Babylon Berlin« endet düster: Die fünfte Staffel spielt in der Zeit um Hitlers Machtergreifung 1933

von Julia Kilian  19.09.2026

Kommentar

Die Schatten der Vergangenheit sind lang

Wie der Hessische Rundfunk über jüdische Grundstücke stolpert

von Daniel Neumann  18.09.2026

Zahl der Woche

5 Dinge

Fun Facts und Wissenswertes

 18.09.2026

Social Media

Nach weltweiten viralen Song: Hasswelle gegen israelische Band Temper City

Der Song der israelischen Band wird zum Welthit – bis die Herkunft der Musiker bekannt wird. Dann beginnt im Netz der Boykott

von Sabine Brandes  18.09.2026

Noah Bendix-Balgley

»Musikalisches Risiko ist wichtiger als absolute Perfektion«

Der Erste Konzertmeister der Berliner Philharmoniker über seine Philosophie beim Spiel, Kritik an Boykotten gegen Künstler und sein erstes Klezmer-Album

von Christine Schmitt  18.09.2026

Bewusstsein

Pause!

Warum wir unser Leben und unseren Alltag immer wieder gezielt entschleunigen sollten. Eine Hymne auf die Langsamkeit

von Sophie Albers Ben Chamo  18.09.2026

New York

Künstlerin macht New Yorker Guggenheim Museum zur Murmelbahn

Taryn Simon ist für ihre Foto-Reportagen berühmt. Für eine große Ausstellung im Guggenheim Museum hat sie sich dazu noch etwas ganz anderes einfallen lassen

 18.09.2026