Hannover

»Hitler war viel zu human«

Laura Berman Foto: IMAGO/localpic

Die Intendantin der Staatsoper Hannover ist Opfer einer antisemitischen Beleidigung geworden. Laura Berman (64) wurde in einer Mail wüst beschimpft, weil der Absenderin offenbar die Qualität des Programms des Opernhauses ein Dorn im Auge war.

Hitler sei viel »zu human zu Leuten dieser Sorte« gewesen, schrieb die Frau unter anderem. Außerdem äußerte sie, Juden seien »ekelhaftes und krankes und menschenverachtendes Gesindel«, man müsse sie wie »menschlichen Sondermüll« entsorgen.

Berman hatte daraufhin Anzeige erstattet. Am Donnerstag soll der Fall nun vor Gericht verhandelt werden; die Anklage lautet auf »verhetzende Beleidigung«. Dieser Straftatbestand wurde erst 2021 ins Strafgesetzbuch aufgenommen und soll insbesondere Hetze gegen Einzelpersonen, die nicht in der Öffentlichkeit geäußert wird, ahnden.

Im Paragrafen 192a des Strafgesetzbuches heißt es wörtlich: »Wer einen Inhalt, der geeignet ist, die Menschenwürde anderer dadurch anzugreifen, dass er eine durch ihre nationale, rassische, religiöse oder ethnische Herkunft, ihre Weltanschauung, ihre Behinderung oder ihre sexuelle Orientierung bestimmte Gruppe oder einen Einzelnen wegen dessen Zugehörigkeit zu einer dieser Gruppen beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet, an eine andere Person, die zu einer der vorbezeichneten Gruppen gehört, gelangen lässt, ohne von dieser Person hierzu aufgefordert zu sein, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.«

WÜRDE Die Staatsanwaltschaft wirft der mutmaßlichen Absenderin M. vor, über das Kontaktformular des niedersächsischen Staatstheaters Hannover Berman aufgrund ihrer Jüdischkeit in ihrer Ehre herabgewürdigt und in ihrer Menschenwürde angegriffen zu haben. Gegen den zunächst gegen sie erlassenen Strafbefehl habe die Angeklagte Einspruch eingelegt, teilte das Amtsgericht auf seiner Website mit.

In Hannover erfuhr Berman nach Bekanntwerden des Vorfalls große Solidarität. Die 1959 in amerikanischen Boston geborene Dramaturgin arbeitet bereits seit mehreren Jahrzehnten in Deutschland. Sie war unter anderem an Konzerthäusern in Freiburg, Münster, Köln, Darmstadt, Bregenz und Basel tätig.

Seit 2019 leitet sie die Staatsoper Hannover. Im Juni wurde bekannt gegeben, dass Berman in zwei Jahren bereits vorzeitig ihr Amt abgeben werde. mth

Glosse

Der Rest der Welt

New Yorker Geschichten: Zu viele Bücher kann es gar nicht geben

von Katrin Richter  11.08.2026

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Themen der Jüdischen Allgemeinen

 11.08.2026

Reportage

Unter die Haut

Für viele Jüdinnen und Juden ist ein Tattoo nicht nur Körperschmuck – sondern auch ein Bekenntnis zur eigenen Identität. Vier tätowierte Menschen erzählen

von Nicole Dreyfus  11.08.2026

Filmkritik

»Noga« - Porträt der Sängerin Noga Erez zeigt persönliches Ringen

Ein dokumentarisches Porträt der israelischen Musikerin Noga Erez, deren internationaler Erfolg seit dem Hamas-Massaker und den antiisraelischen Kulturattacken ausgebremst wird

von Kathrin Häger  11.08.2026

Literatur

Tomer Gardi und Dana Vowinckel für Deutschen Buchpreis nominiert

Die Jury hat die Auswahl der 20 Kandidaten bekanntgegeben. Unter ihnen sind auch bekannte Autoren mit jüdischem Hintergrund

 11.08.2026

Social Media

Shirin David, Bill Kaulitz und die Wassermelonen-Jünger

Bei der Rapperin reicht ein »Free Palestine« für die Verbündeten, bei dem Sänger ein »Tel Aviv! Love!« für die Gegner. Ein Kommentar

von Pola Sarah Nathusius  11.08.2026

Nordrhein-Westfalen

Medienminister übt scharfe Kritik an Georg Restle und dem WDR

Nathaniel Liminiski (CDU): »Israel und das Judentum sind kein Freiwild für jeden Vorwurf, auch nicht für Journalisten«

 11.08.2026 Aktualisiert

Archäologie

Die Fingerabdrücke von Qumran

Wie Wissenschaftler mithilfe von Künstlicher Intelligenz den Schriftrollen vom Toten Meer ihre letzten Geheimnisse entlocken wollen

von Sabine Brandes  11.08.2026

Campus

Schweigen als Überlebensstrategie

Ein neuer Sammelband beleuchtet die erschütternde Situation jüdischer Studierender und Lehrender an deutschen Hochschulen

von Therese Klein  10.08.2026