Pigi Likoudi

Himmel und Erde

Zeigt die ganze Bandbreite der griechischen Volksmusik im Wechsel mit den jüdischen Musiktraditionen Südosteuropas: Pigi Likoudi Foto: Marianthi Milona

Pigi Likoudi

Himmel und Erde

Die griechische Komponistin vollbringt mit ihrer CD »All the Pain of the World« eine wahre Meisterleistung

von Marianthi Milona  22.10.2018 16:14 Uhr

Griechische Komponisten vertonen gerne Gedichte aus der griechischen Literatur, das hat eine lange Tradition in dem Land. Mit ihrer neuen CD ist der jungen Komponistin Pigi Likoudi aber noch mehr gelungen als die bloße Vertonung eines literarischen Stoffes.

In All the Pain of the World begegnen sich gleich zwei Dichter des Balkans: der aus dem West-Epiros stammende Joseph Eliya und der rumänischstämmige Paul Celan. Mit ausgeprägten Schlaginstrumenten hebt Pigi Likoudi die Beschäftigung Eliyas mit dem Tod hervor und holt das Ganze »auf den Boden zurück«, wie sie selbst erklärt. Die Seele, die dabei literarisch aufsteigt, holt sie zum musikalischen Ausgleich auf die Erde zurück und macht sie damit erfahrbar.

Wechsel Doch die wahre Meisterleistung ist Likoudi mit der Vertonung von Celans Todesfuge gelungen. Hier treffen Mandoline, Percussion, Bouzouki und Drums auf Violine, Cello, E-Gitarre, Piano und Klarinette. Die ganze Bandbreite der griechischen Volks- und zeitgenössischen Musik im Wechsel mit den jüdischen Musiktraditionen Südosteuropas verschmelzen ineinander.

Dabei vermitteln die typisch klassischen Siebenachtel- und Neunachteltakte würdevolle Trauer und freudige Hoffnung. Gesungen werden die Tongedichte von Nena Venetsanou, einer der besten zeitgenössischen Stimmen des Landes, während der Dichter Grigoris Valtinos den griechischen Part der Todesfuge spricht.

Bemerkenswerterweise ist die CD vor allem durch einen Zufall zustande gekommen. Pigi Likoudi sollte ursprünglich nur das musikalische Rahmenprogramm für eine griechische Kulturveranstaltung in Brüssel vorbereiten. Dabei suchte sie nach Material und stieß auf den jüdischen Dichter Joseph Eliya. Zum ersten Mal beschäftigte sie sich mit der Geschichte der Juden Europas und verknüpfte die vor dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Werke mit Paul Celans Nachkriegswerk Todesfuge.

dreisprachig Das Vorhaben gelang, ohne dass es den Plan einer CD gab – wäre da nicht ein begeisterter Zuhörer der Veranstaltung gewesen, der keinesfalls wollte, dass das Ganze in irgendeiner Schublade verschwindet.

Im Verlagshaus Metronómos ermöglichte der Athener Noe Youssouroum nun die Finanzierung der CD gleich in einer dreisprachigen Ausgabe. Vermutlich ist damit eines der gelungensten musikalischen Meisterwerke aus Griechenland gegen das Vergessen entstanden.

Pigi Likoudi: »All The Pain Of The World«. Metronómos 2018

Meister der Melancholie

Leonard Cohen: »Jikan der Stille« lebte seine Religion - und auch eine andere

Seine Lieder sind geheimnisvoll, oft düster - und doch von beklemmender Schönheit. Leonard Cohen war nie zu greifen, mit niemandem zu vergleichen. Vor zehn Jahren ist er gestorben

von Alexander Brüggemann  05.11.2026

TV-Tipp

Viele Jahre bis zum großen »Hallelujah«: Arte zeigt Porträt von Leonard Cohen zum zehnten Todestag

Es ist wohl das bekannteste Lied des kanadischen Sängers Leonard Cohen. Und so steht »Hallelujah« auch im Zentrum eines so unterhaltsamen wie inspirierenden Porträts über den legendären Sänger

von Jan Lehr  05.11.2026

Sehen!

»Doitscha – Alles geht vorüber«

Die Tragikomödie »Doitscha – Alles geht vorüber« in der ARD beruht auf einem Buch von Adriana Altaras

von Pascal Beck  04.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  04.11.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 4. November bis zum 12. November

 04.11.2026

Sachbuch

Der Kampf jüdischer Gemeinden für den Synagogen-Aufbau nach dem Krieg

Durch die Nationalsozialisten zerstört, wollten jüdische Gemeinden viele Synagogen in Deutschland nach dem Krieg wieder aufbauen. Doch sie hatten mit Widerständen zu kämpfen - und mit Parkplätzen und Einkaufszentren

von Thomas Klatt  04.11.2026

New York

Nach Paul Simon wird auch Art Garfunkel 85

Mit Songs wie »The Sound of Silence« wurden Simon & Garfunkel weltberühmt – aber auch die Streits der beiden Schulfreunde aus New York sind legendär. Jetzt steht der nächste große Geburtstag an

von Christina Horsten  04.11.2026

Frankfurt am Main

Rote und blaue Fäden

Mit der Installation »A Sky Full of Hope« will die Künstlerin Janet Echelman globale Vernetzung sichtbar machen – und eckt in der Stadt damit an

von Eugen El  03.11.2026

Frankfurt

Jüdische Akademie soll »Haus der Zukunft« sein

In der ersten Diskussionsrunde der neuen Jüdischen Akademie in Frankfurt stieß ein Wunsch angesichts von Antisemitismus und innerjüdischer Differenzen auf große Zustimmung: Die Akademie soll ein »Haus der Zukunft« sein

 03.11.2026