HÖREN!

Heimat im Ohr

Unverwechselbarer Sound: A-WA Foto: Eyal Pe’er

Jemen und Israel trennen Luftlinie rund 2200 Kilometer. Eine Strecke, die für Rachel, die Großmutter von Tair, Liron und Tagel Haim – kurz A-WA –, 1949 eine Reise in ein neues Leben bedeutete. Bereit, sich als jemenitische Jüdin im lang ersehnten Israel ein neues Zuhause zu schaffen, nahm sie unfassbare Strapazen auf sich.

Von dieser Einwanderung nach Israel, von den Gefühlen und Gedanken einer 13-Jährigen, die im Jemen zwangsverheiratet wurde und als junge Frau den Mut fasste, zu sagen: »Ich muss hier weg, wenn ich leben will«, erzählt das neue A-WA-Album Bayti Fi Rasi. Übersetzt »Die Heimat ist in meinem Kopf«, geht der Titel auf eine Redewendung zurück, die die Großmutter oft benutzte.

Beats Den drei Schwestern ist es gelungen, in 14 Titeln mit Elektro- und Hip-Hop-Beats und ihrem unverwechselbaren Gesang eine Heimat zum Mitnehmen zu schaffen, die die Freude über die Ankunft im neuen Alltag, aber auch die Ernüchterung, die jüdische Einwanderer aus arabischen Ländern erlebten, erzählt.

Wie in der Single »Hana Mash Hu Al Yaman« (Hier ist nicht der Jemen). »Unsere Großmutter fühlte sich damals etwas verloren«, beschreibt Tair, »sie sah anders aus, sprach kein Hebräisch und musste putzen gehen.« Trotzdem hatte sie diesen starken Willen, in dem noch jungen Israel zu bleiben. A-WA verleihen aber nicht nur der Großmutter eine Stimme, sondern ziehen auch Parallelen zu aktuellen Flüchtlingsbiografien. »Schließlich ist jeder auf der Suche nach Heimat. Es ist ein Grundbedürfnis«, sagt Liron.

Balkan Beat Box Im Video zu »Hana Mash Hu Al Yaman« zeigen die drei Frauen, die das Album mit Tamir Muskat von der israelischen Band Balkan Beat Box produziert haben, dass Heimat auch Mode ist. Und so kann es durchaus schon einmal passieren, dass Liron und Tagel, die maßgeblich für den Entwurf des Covers verantwortlich war, die Kostüme selbst nähen. Bunte Stoffe, jemenitischer Schmuck, kombiniert mit weißen Sneakers und Sonnenbrille: Passt!

Sie tun, was sie lieben, sagen die Schwestern im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen, und das ist herauszuhören. Sie haben sich musikalisch gefunden und wissen, wer sie sind: »Wir sind Jüdinnen jemenitischer Herkunft, und wir stehen zu uns.«

Gerade erst traten sie bei der Zeremonie zum 71. Unabhängigkeitstag in Jerusalem auf. Für die Sängerinnen, die das jemenitische Arabisch eigens für ihre Musik gelernt haben, eine große Ehre: »Dass Misrachim bei dieser Gelegenheit auftreten, kommt nicht häufig vor«, sagt Tair. Gesungen haben sie das Lied, mit dem 2015 alles begann: »Habib Galbi« – Liebe meines Herzens.

A-WA: »Bayti Fi Rasi«, S-Curve Records/BMG Rights Management, 2019. Die Band ist am 8. Juni beim Theatron Pfingstfestival in München zu Gast.

Entscheidung

Noam Bettan startet beim ESC für Israel

Mehrere Länder boykottieren wegen Israels Teilnahme den Eurovision Song Contest 2026. Jetzt wurde entschieden, wer für das Land in diesem Jahr bei dem Musikwettbewerb an den Start geht

von Cindy Riechau  21.01.2026

Fernsehen

Dieser Israeli begleitet Gil Ofarim ins »Dschungelcamp« nach Australien

Ofarims Ehefrau Patricia fliegt nicht mit, da sie sich lieber im Hintergrund hält. Wer ist es dann?

 21.01.2026

Zahl der Woche

15.000.000 Dollar

Fun Facts und Wissenswertes

 20.01.2026

Köln/Murwillumbah

Der neue Dschungel-Cast: Genialer Coup oder totaler Flop?

Gil Ofarim und Co.: Das neue Dschungelcamp-Ensemble sorgt für geteilte Meinungen. Während die einen den Cast lieben, gibt es auch auffällig viele Debatten darüber. Lohnt sich das Einschalten diesmal?

von Jonas-Erik Schmidt  20.01.2026 Aktualisiert

Essen

»Holo-Voices«: Zeitzeugen des Holocausts sollen für immer sprechen

Auf der ehemaligen Zeche Zollverein in Essen startet ein Medienprojekt, das Zeugen des Holocausts mit Besuchern in einen Dialog bringt. »Holo-Voices« soll Zeitzeugen »eine Stimme für die Ewigkeit« geben

 20.01.2026

Vorwürfe

Kritik an Gil Ofarim: Jetzt äußert sich sein Bruder

Erstmals meldet sich nun Tal Ofarim zu Wort

 20.01.2026 Aktualisiert

Warnung

Holocaust-Überlebende besorgt um Zukunft der Demokratie

Sieben Holocaust-Überlebende berichten in dem Buch »Nach der Nacht«, welche politischen Entwicklungen ihnen Sorge bereiten

 19.01.2026

Smartphones

Leben statt Bildschirm

Nach seinem Burnout will der Autor Jacob Weizman über die Gefahren übermäßiger Handy-Nutzung aufklären

von Leon Stork  19.01.2026

Europäische Mini-Tour

Paul Simon gibt zwei Konzerte in Berlin

Der 84-jährige Künstler tritt auch in Prag, Paris und anderen Städten auf. Tickets werden bereits angeboten – zu dreistelligen Preisen

 19.01.2026