Chirurgie

Gut gehalten

Abbildung aus dem Patentantrag Foto: Abbildung aus dem Patentantrag

Die Zeiten, in denen nur Filmstars makellose Brüste vorweisen konnten, sind schon lange vorbei. Brustvergrößerungen und
-verkleinerungen gehören mittlerweile zu den häufigsten Schönheitsoperationen, daran konnten auch Schlagzeilen über Billig-Silikon und lebensbedrohliche Folgen schlampig verarbeiteter Implantate nichts ändern.

Ob es sich aber um eine Brustvergrößerung oder den Wiederaufbau einer Brust nach Brustkrebs handelt, die Technik ist dieselbe: Implantate bestimmen Größe und Form der neuen Brust, und der Chirurg muss die Brüste so modulieren, dass sie symmetrisch aussehen und möglichst natürlich wirken. Das ist nicht so einfach, denn die Implantate haben ein gewisses Eigengewicht, und weil sie nur von etwas Haut und einigen Muskeln an ihrem Platz gehalten werden, muss schon bei der Operation darauf geachtet werden, dass sie nicht nachsacken.

Zwei israelische Erfindungen könnten nun Millionen Frauen zu schöneren und vor allem wesentlich länger haltbaren Brüsten verhelfen. Die erste stammt von Eyal Gur, Chef der Plastischen Chirurgie des Sourasky Medical Center in Tel Aviv und Vorsitzender der Israelischen Gesellschaft für Plastische und Ästhetische Chirurgie, der auf die Idee kam, dass eine Art innerer BH, der in die Brust implantiert wird und damit der Gravitation besser widersteht, eine ideale Lösung sein könnte.

Hohlkugeln Die zweite Erfindung machte der Israeli Jack Govrin, der leichtere Implantate konstruierte. Brustimplantate bestehen aus einer beständigen Silikonhülle, die entweder mit Silikongel oder mit Salzwasser gefüllt ist, und wiegen bis zu einem halben Kilo – insbesondere solche, die in der Rekonstruktionschirurgie benutzt werden, da sie dort das gesamte Brustgewebe ersetzen müssen.

Hersteller hatten in der Vergangenheit immer wieder daran gearbeitet, diese Implantate leichter zu machen. Da das verwendete Material immer noch flexibel und so sicher wie möglich sein sollte, stießen die Ingenieure dabei jedoch regelmäßig auf große Probleme. Auch Jack Govrin wollte bereits vor rund zehn Jahren das Gewicht der Füllungen reduzieren und präsentierte diese Herausforderung damals seinem Bruder Dael Govrin-Segal.

»Ich sagte, kein Problem, aber ich hatte zunächst nicht begriffen, dass dies keineswegs trivial sein würde«, erinnert sich Govrin-Segal. Es sollte acht Jahre dauern, bis er eine Lösung fand, die umgehend zum Patent angemeldet wurde: 30 Prozent Gewichtsreduzierung, die durch der Gelfüllung hinzugefügte Mikrohohlkugeln erreicht wird. Die Firma der Brüder, G&G Biotechnology in Haifa, lässt diese Implantate heute übrigens in Deutschland fertigen.

harmonisch Doch auch wenn die Lösung von Govrin und Govrin-Segal eine Verbesserung ist, verschiebt sie das Problem letztlich nur. Ein Implantat in der Größe eines herkömmlichen, 500 Gramm schweren Silikonkissens wiegt nämlich auch mit den gewichtsreduzierenden Kügelchen immer noch so viel wie eine Dose Cola.

Und das Gewicht ist nicht nur ein Problem, weil die Brüste über die Jahre schlaffer werden. Auch direkt nach der OP kann es für Komplikationen sorgen: Es zieht an den Nähten und führt zu deutlicher sichtbaren Narben – und die Chirurgen müssen bereits während der Modulierung genau abschätzen, wo genau nach dem initialen Nachsacken die Brustwarzen sein werden, um für einen späteren harmonischen Gesamteindruck zu sorgen.

Orbix – so hat Gur das System genannt, das seinen BH zum Implantieren enthält – setzt an einem anderen Punkt an. Nicht die Reduktion von Gewicht steht im Vordergrund, stattdessen hält der Ansatz die Implantate an der Stelle, an die sie gehören. Das ganze System besteht aus Knochenankern aus Titan, die an den Rippen verschraubt werden und an denen mittels chirurgischer Fäden eine Tragschlinge aus Silikon befestigt wird.

Knochenanker Titan wird in der Medizin schon lange als Material für Implantate genutzt, zum Beispiel für künstliche Knie- oder Hüftgelenke. Es hat den Vorteil, dass es im Gegensatz zu anderen Metallen keine Allergien auslöst. Gurs System stellt durch die Knochenanker nichts anderes als eine künstliche Erweiterung des Skeletts dar, plus etwas Silikon. Und es hat den Vorteil, dass die Brüste nicht sacken können, nicht direkt nach der Operation und auch nicht später. Die leichten Implantate von Jack Govrin können in diesem System natürlich verwendet werden.

Bei Orbix – die Firma ist nach dem Produkt benannt – ist man stolz auf den »inneren Büstenhalter« und darauf, wie einfach er sich implantieren lässt – und hat deswegen eine grobe Operationsanleitung im Internet veröffentlicht, um Medizinern die Prozedur vorzustellen. Schritt eins besteht aus einer ganz normalen Brustvergrößerung. In Schritt zwei wird die Silikontragschlinge in die Brust eingebracht.

Mit einem dem Systemkit beiliegenden Gerät werden dann die Titananker an den Rippen befestigt, wobei die exakten Positionen von der Anatomie der Patientin abhängen. In Schritt drei müssen dann nur noch die Tragschlinge und die Anker miteinander verbunden werden – und natürlich muss die Brust so zurechtgerückt werden, dass alles an die richtige Stelle kommt. Der vierte Schritt besteht im Vernähen der Schnitte – und schon ist die neue Brust fertig.

Billig ist das Ganze jedoch nicht: Im Vergleich zu einer normalen Brustoperation soll ein Eingriff, bei dem das Orbix-System benutzt wird, etwa 20 Prozent mehr kosten, dafür aber bessere Ergebnisse liefern und wesentlich länger vorhalten. Letzteres könnte vor allem für Frauen, die bereits eine Brustkrebsoperation hinter sich haben und sich nur ungern noch häufiger unters Messer begeben wollen, ein ausschlaggebendes Argument für Orbix – und für die leichteren Hohlkugel-Implantate – werden.

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