Israel

»Greifbare Beweise«

Wenn Millionen von Kerzen für acht Tage Licht in die Dunkelheit der Abendstunden bringen, ist es wieder so weit: Juden auf der ganzen Welt feiern Chanukka. Das Lichterfest, das dieses Jahr am 28. November beginnt, erinnert an den Aufstand der Makkabäer aus Judäa gegen die hellenistischen Seleukiden-Herrscher im Jahr 3597 (164 v.d.Z.) und die antijüdischen Dekrete ihres Königs Antiochus Epiphanes IV.

Am Ende der bewaffneten Rebellion stand die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem nach jüdisch-religiösem Ritus und der Beginn der Priesterdynastie der Hasmonäer. Das Wunder von Chanukka und die Tradition des Kerzenzündens an der Chanukkia ist Teil der schriftlichen Überlieferung: Obwohl nur noch eine Flasche geweihten Öls für die Menora übrig war, reichte es noch für eine ganze Woche und gab den Hasmonäern damit genügend Zeit für die Herstellung neuen Öls.

Der erfolgreiche Makkabäer-Aufstand wird im Ersten Buch der Makkabäer in der Septuaginta, im Talmud sowie in den Schriften des Altertums-Chronisten Flavius Josephus erwähnt – doch historisch-wissenschaftliche Belege für die Erhebung der jüdischen Rebellen und ihren Kampf für nationale Unabhängigkeit und religiöse Freiheit gegen die Truppen von Antiochus Epiphanes IV. waren bisher äußerst rar.

ENTDECKUNG Ein neuer archäologischer Fund in Israel könnte dies nun grundlegend ändern. Mitte November haben Forscher der Israelischen Altertumsbehörde (IAA) in den Wäldern von Lachisch südwestlich von Jerusalem eine sensationelle Entdeckung gemacht, die Hinweise darauf gibt, dass der Makkabäer-Aufstand tatsächlich wie überliefert stattgefunden haben könnte: Die Archäologen sind auf eine Festungsanlage aus der Zeit der Seleukiden gestoßen.

Wie die IAA in einer im Internet veröffentlichten Erklärung angibt, hat das Forscherteam in und um die rund 2100 Jahre alte Mauerstruktur Waffenteile, Reste von verkohltem Holz sowie mehrere Münzen aus dem späten zweiten Jahrhundert v.d.Z. freilegen können. Bei den Grabungen wurden Tausende von großen Steinen, die vom oberen Teil des Gebäudes herabgestürzt waren, entfernt. Unter den darunterliegenden Gesteinsschichten wurden weitere historische Gegenstände wie Keramikvasen, Steinschleudern und Eisenwaffen gefunden.

Eli Eskosido sieht in dem Ausgrabungsfund einen Durchbruch für die Wissenschaft.

Die derzeitigen archäologischen Ausgrabungen finden in Lachisch im Rahmen des Projekts »Kings of Judah Road« statt, einer Kooperation des Jüdischen Nationalfonds, des israelischen Bildungsministeriums und einer Reihe von archäologischen Universitätsprogrammen. Sichtlich erfreut über den Fund zeigten sich laut IAA die drei Forscher Saar Ganor, Vladik Lifshits und Ahinoam Montagu: »Die Ausgrabungsstätte liefert greifbare Beweise für die Chanukka-Geschichte.«

wehranlage Der auf einer Anhöhe freigelegte Turm ist den Angaben der Archäologen zufolge Bestandteil einer komplexen Wehranlage, die die hellenistischen Truppenverbände zur Verteidigung von Marescha – der zu dieser Zeit größten Siedlung und der Hauptstadt von Idumäa – gegen Attacken der Rebellen errichtet hatten.

»Die Funde vor Ort zeigen jedoch, dass die seleukidische Verteidigung erfolglos war; das ausgegrabene Gebäude wurde von den Hasmonäern stark verbrannt und verwüstet«, so die Archäologen.

Tatsächlich berichten sowohl das Erste Buch der Makkabäer als auch Flavius Josephus von Kämpfen und Siegen der Makkabäer unter Führung des Hohepriesters Jochanan Hyrkanos in der hellenistisch besetzten Region von Edom im Süden Judäas und des Toten Meeres im Jahr 112 v.d.Z.

FUSSSTAPFEN Die freigelegte Festungsanlage soll fast fünf Meter hoch gewesen sein, die Mauern bis zu drei Meter dick. Im Inneren befanden sich offenbar sieben Räume und eine Treppe in ein oberes Stockwerk, das nicht erhalten geblieben ist. Der Vorsitzende der Altertumsbehörde, Eli Eskosido, sieht in dem Ausgrabungsfund einen Durchbruch für die Wissenschaft.

Während der Chanukka-Feiertage wird in Israel landesweit die Woche des Kulturerbes begangen.

»Die Geschichten der Makkabäer werden vor unseren Augen lebendig, und das ist der faszinierendste Teil der Arbeit der israelischen Altertumsbehörde, wenn engagierte, fleißige Archäologen den historischen Schriften der Menschen, die dieses Land durchquerten, Leben einhauchen«, sagt er. Insbesondere so kurz vor dem Chanukkafest sei der Fund eine Besonderheit. »Die Hasmonäer konnten nicht ahnen, dass mehr als 2000 Jahre später Studenten, die im Staat Israel leben, in ihre Fußstapfen treten würden. Das ist extrem aufregend.«

Auch Zeev Elkin, Minister für Bauen, Wohnen, Jerusalem-Angelegenheiten und Kulturerbe, zeigt sich ob des Ausgrabungserfolgs der Archäologen begeistert. »Die beeindruckenden Entdeckungen bei den Ausgrabungen in der Region Lachisch zeigen die Geschichte unseres großen und wunderbaren Landes und die Geschichte von Chanukka«, so der Politiker der Partei »Neue Hoffnung« in einer Erklärung.

kulturerbe Während der Chanukka-Feiertage wird in Israel landesweit die Woche des Kulturerbes begangen, in der historische Stätten in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt werden sollen.

Bis Besucher die seleukidische Festungsanlage von Lachisch besuchen können, wird es aber noch eine Zeit lang dauern, wie es von der Altertumsbehörde heißt. Nach Beendigung der Ausgrabungen müssen die Gebäudereste zunächst noch aufwendig gegen Wettereinflüsse konserviert werden, bevor sie als Teil des »Kings of Judah Road«-Grabungsprojektes zu besichtigen sein werden.

Be'eri

Nach dem 7. Oktober

Daniel Neumann hat den Kibbuz Be’eri besucht und fragt sich, wie es nach all dem Hass und Horror weitergehen kann. Er weiß, wenn überhaupt, dann nur in Israel

von Daniel Neumann  01.01.2026

Daniel Kahn

»Das Akkordeon war ein Schlüssel«

Der Musiker über seine Liebe zum Instrument des Jahres 2026

von Christine Schmitt  01.01.2026

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 01.01.2026 Aktualisiert

Sehen!

Fast alles über Johann Strauss

Eine Ausstellung im Jüdischen Museum Wien

von Tobias Kühn  31.12.2025

Shkoyach! Die Kulturkolumne

Der »Seinfeld«-Effekt oder: Curb your Antisemitism!

2026 kann ja heiter werden

von Sophie Albers Ben Chamo  31.12.2025

Sprachgeschichte

Rutsch, Rosch und Rausch

Hat der deutsche Neujahrsglückwunsch wirklich hebräische Wurzeln?

von Christoph Gutknecht  31.12.2025 Aktualisiert

Programm

Götter, Märchen und Le Chaim: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 31. Dezember bis zum 13. Januar

 31.12.2025

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Themen der Jüdischen Allgemeinen

 28.12.2025

Film

Spannend, sinnlich, anspruchsvoll: »Der Medicus 2«

Nach zwölf Jahren kommt nun die Fortsetzung des Weltbestsellers ins Kino

von Peter Claus  25.12.2025