Literaturgeschichte

Gregor Samsa, die Kurzversion

»Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.« Foto: wiki

Kürzlich wurde in Berlin ein Brief von Franz Kafka an Robert Musil vom 27. Februar 1914 versteigert, für die bemerkenswerte Summe von 47.000 Euro. In dem Schreiben bittet Kafka Musil um den Abdruck der Verwandlung in der »Neuen Rundschau«, der seinerzeit wichtigsten Literaturzeitschrift im deutschsprachigen Raum. »Machen Sie verehrter Herr Doktor, mit der Geschichte, was Sie wollen und was Ihnen nicht Mühe bereitet – es wird das Richtige sein.«

gemeinsamkeiten Musil und Kafka hatten vieles gemein. Beide hatten ursprünglich die Beamtenlaufbahn eingeschlagen, der eine in einer Prager Versicherungsanstalt, der andere in einer Wiener Hochschulbibliothek. Beide langweilten sich in ihren Metiers, verzweifelten an der Monotonie ihrer Arbeit, litten an psychosomatischen Beschwerden – und kamen zum gleichen Resultat. Das konnte nur heißen: Hinaus aus Kakanien. Musil ging nach Berlin, Kafka plante, wie er dem Kollegen schrieb, ebenfalls dorthin zu ziehen.

Doch eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen diesen beiden für die Moderne so wichtigen Autoren kam letztendlich nicht zustande. Der Kafka-Biograf Reiner Stach spricht von einer »tragikomischen Episode der jüngeren Literaturgeschichte«. Kaum hatte Kafka die erste Post aus Berlin in der Hand, mäkelte er gegenüber seinem Freund Max Brod: »Du hättest Musil meine Adresse gar nicht geben sollen. Was will er? Was kann er, und überhaupt jemand, von mir wollen? Und was kann er von mir haben?«

konkurrenz Musil hatte der Text der Verwandlung gefallen, er nahm ihn zum Abdruck an, gab aber Kafka zu verstehen, dass mit einer Veröffentlichung in kurzer Zeit nicht zu rechnen sei. Die Sache zog sich elendig lange hin. Musil bat Kafka im Juli, die Gregor-Samsa-Geschichte um ein Drittel zu kürzen. Was Kafka ablehnte. Im folgenden Jahr erschien der Text stattdessen in den »Weißen Blättern«, also bei der unmittelbaren Konkurrenz der »Neuen Rundschau«. Nach allem, was man heute weiß, war Musil daran nicht schuld. Offenbar war man in seinem Verlag S. Fischer blind gewesen für die essenzielle Qualität von Kafkas Erzählung.

Der Kriegsausbruch vom August 1914 beendete den Kontakt dann endgültig. Der k. u. k.-Reserveoffizier Musil wurde als Kommandant einer Landsturm-Marschkompanie in Südtirol stationiert. Kafka blieb in Prag und notierte am 2. August 1914 in sein Tagebuch: »Deutschland hat Russland den Krieg erklärt. Nachmittag Schwimmschule.«

UEFA Nations League

»Dummheit und Heuchelei«: Israelische Fußballer weisen Völkermord-Vorwürfe aus Irland zurück

Israels Fußballverband wehrt sich gegen Aussagen des irischen Nationaltrainers Heimir Hallgrimsson, der vor dem anstehenden Länderspiel gesagt hatte, Irland werde »gegen den Genozid« antreten

 22.09.2026

Berlin

Igor Levit kritisiert Merz: Weiter-so in hübscher Verpackung

Merz’ Art der Kommunikation des CDU-Politikers wirke »losgelöst«, so der Pianist

 22.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  22.09.2026

Philadelphia

Erstes Konzert nach Macklemore-Aus: Sheeran äußert sich

Wegen israelfeindlichen Äußerungen und einer antisemitischen Vorgeschichte wurde US-Rapper Macklemore aus dem Vorprogramm von Popstar Ed Sheeran gestrichen. Jetzt ist Sheeran erstmals wieder aufgetreten

 20.09.2026

Musik

Biermann mit neuen Liedern: »Mensch, misch’ dich ein«

Der Liedermacher Wolf Biermann präsentiert auf einem neuen Album Unveröffentlichtes - manches neu, manches auch noch aus DDR-Zeiten. Die Themen hätten sich kaum verändert, sagt der Künstler

 20.09.2026

Fernsehen

»Zu Asche, zu Staub«

»Babylon Berlin« endet düster: Die fünfte Staffel spielt in der Zeit um Hitlers Machtergreifung 1933

von Julia Kilian  19.09.2026

Zahl der Woche

5 Dinge

Fun Facts und Wissenswertes

 18.09.2026

Social Media

Nach weltweitem viralen Song: Hasswelle gegen israelische Band Temper City

Der Song der israelischen Band wird zum Welthit – bis die Herkunft der Musiker bekannt wird. Dann beginnt im Netz der Boykott

von Sabine Brandes  18.09.2026

Noah Bendix-Balgley

»Musikalisches Risiko ist wichtiger als absolute Perfektion«

Der Erste Konzertmeister der Berliner Philharmoniker über seine Philosophie beim Spiel, Kritik an Boykotten gegen Künstler und sein erstes Klezmer-Album

von Christine Schmitt  18.09.2026