Nachruf

Genie am Pult

Lorin Maazel (1930-2014) Foto: dpa

»Wenn man in der gesamten Musikgeschichte nach einer Parallele zu Lorin Maazel sucht, findet man nur einen annähernden Vergleich: den jungen Mozart.« Die überbordende Begeisterung dieses Satzes mag lokal- und stammespatriotische Gründe gehabt haben. Er ist zitiert aus einem Artikel des »Jewish Criterion«, einer jüdischen Wochenzeitung in Pittsburgh, Pennsylvania 1939. Dort lebte zu der Zeit der 1930 in Neuilly-sur-Seine bei Paris geborene Lorin Maazel mit seinen Eltern.

Der Junge galt aber nicht nur seinen Nachbarn und Mitjuden als musikalisches Genie. Bereits mit acht Jahren hatte er sein Debüt als Dirigent. Vier Jahre später ging er auf US-Tournee; der Zwölfjährige leitete dabei eine Reihe Konzerte namhafter amerikanischer Orchester.

berlin Damit begann eine Dirigentenkarriere, zu deren Stationen sämtliche großen Orchesterbühnen der Welt zählten, darunter das Orchestre National de Paris, die Wiener Staatsoper, die New York Philharmonic und das Bayreuther Festspielhaus. Die Wagner-Kultstätte, an der Maazel als erster Amerikaner das Orchester leitete, war nur eine von vielen deutschen Wirkungsstätten. Von 1965 bis 1971 war er Chefdirigent der Deutschen Oper Berlin. Von 1964 bis 1975 leitete er das Radio-Symphonie-Orchester der Stadt. Berlin war auch Schauplatz einer seiner großen Enttäuschungen.

1989 hatte Maazel gehofft, Nachfolger Herbert von Karajans an der Spitze der Berliner Philharmoniker zu werden. Statt seiner wurde Claudio Abbado berufen. Maazel brach daraufhin sämtliche Kontakte mit dem Orchester ab. München wurde jetzt sein deutscher Stützpunkt. Von 1993 bis 2002 war er Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayrischen Rundfunks, 2010 übernahm er die Leitung der Münchner Philharmoniker, ein Posten, den er im Juni dieses Jahres infolge einer schweren Erkrankung niederlegen musste.

Am Sonntag, den 13. Juli 2014, ist Lorin Maazel auf seinem Landgut in Castleton im US-Bundesstaat Virginia 84-jährig gestorben.

Musik

Der große Romantiker: Bruno Mars ist der König des Soul

Das Warten hat sich gelohnt. Mit »The Romantic« zeigt der 40-jährige Künstler mit jüdischem Familienhintergrund, dass er weiter in einer eigenen Liga spielt

von Philip Dethlefs  27.02.2026

Berlin

Wegner: Berlinale darf nicht für Propaganda genutzt werden

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) nimmt zum jüngsten Skandal bei den Filmfestspielen Stellung

 27.02.2026

Online-Hass

Hugh Laurie und die Anti-Zionisten

Der britische Filmstar Hugh Laurie wurde zum Ziel von Anti-Zionisten, nachdem er öffentlich um die verstorbene israelische Produzentin Dana Eden getrauert hatte

 27.02.2026

Essay

Ich habe Xavier Naidoos öffentlicher Abbitte geglaubt ...

Da steht er also wieder vor dem Kanzleramt. Nicht als Sänger, nicht als geläuterter Rückkehrer, nicht als jemand, der seine eigenen Irrwege wirklich aufgearbeitet hätte, sondern als Lautsprecher für den nächsten verschwörungsideologischen Ausnahmezustand

von Serdar Somuncu  27.02.2026

Debatte

»Sie war mehr als froh, als alles zu Ende war«: Berlinale-Kreise: Tuttle überfordert und resigniert

Wie geht es nach Debatten um die Berlinale weiter? Eine Krisensitzung bringt nach Angaben des Kulturstaatsministers keine Entscheidung - zumindest vorerst

 26.02.2026

Interview

»Lachen statt verzweifeln«

Ein Gespräch mit der Meme-Künstlerin ruth__lol über jüdischen Humor, die komische Seite des Antisemitismus und eine Leerstelle in den sozialen Medien

von Joshua Schultheis  26.02.2026

Reaktionen

»Plattform für antisemitische Hetze«: Das sagen Künstler und Politiker zur geplanten Tuttle-Absetzung

Wolfram Weimer will die Berlinale-Chefin nach dem jüngsten Antisemitismus-Skandal absetzen. Das sorgt – so wie die Rede von Abdallah Alkhatib – für kontroverse Diskussionen. Ein Überblick

 26.02.2026

Berlinale

Tom Shoval unterstützt Tricia Tuttle

Der israelische Regisseur schreibt in einem Instagram Post Tuttle sei »eine Person von beispielloser Integrität.«

von Katrin Richter  26.02.2026

Programm

Berliner Rebellin, Kafkas Schwester und ein junger Detektiv: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 26. Februar bis zum 4. März

 26.02.2026