Berlin

Geht doch

Es bedurfte einigen Drucks – aber jetzt korrigiert der Berliner »Boulevard der Stars« endlich ein peinliches Versäumnis.

Am 5. September werden auf dem Potsdamer Platz nicht, wie ursprünglich vorgesehen, 20, sondern 21 neue Sterne Größen des deutschen Films ehren. Der zusätzliche Stern trägt den Namen von Luise Rainer. Die in London lebende 101-Jährige ist die einzige deutsche Oscar-Preisträgerin.

1910 in Düsseldorf geboren, war sie vor den Nazis in die USA geflüchtet, wo MGM sie unter Vertrag nahm. Gleich mit ihrem zweiten Film The Great Ziegfeld gewann die jüdische Actrice 1936 einen Academy Award als beste Darstellerin. Im darauf folgenden Jahr bekam sie für ihre Hauptrolle in Die gute Erde die Auszeichnung erneut. Das war vor Luise Rainer noch keiner Filmschauspielerin gelungen; nach ihr schaffte es nur noch Katherine Hepburn.

Hollywood Doch als vorigen Herbst der »Boulevard der Stars« nach dem Vorbild des »Walk of Fame« in Hollywood eröffnet wurde, fehlte Luise Rainer unter denen, die »die Entwicklung der bewegten Bilder im deutschsprachigen Raum nachhaltig geprägt und beeinflusst haben«, so die Satzung des Trägervereins. Und das, obwohl »besonderes Augenmerk dem Wirken deutschsprachiger Filmschaffender im Ausland während der Zeit des Nationalsozialismus« gelten soll.

Von einer Facebook-Initiative »Ein Stern für Luise« darauf angesprochen, verwiesen die Initiatoren auf nächste Ehrensterne 2011. Die wurden im Mai dieses Jahres bekannt gegeben. Luise Rainer war wieder nicht darunter. Die Kritik an dieser eklatanten Fehlentscheidung durch viele Luise-Rainer-Fans, aber auch in dieser Zeitung und in einem Brief des Generalsekretärs des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, hat jetzt Wirkung gezeitigt.

Luise Rainer bekommt ihren Stern. »Wie schön, dass man mich in Deutschland nicht vergessen hat«, war ihre Reaktion, als sie in London durch die Geschäftsführerin des Boulevards, Georgia Tornow, von der überfälligen Ehrung erfuhr.

Meinung

Die Juden waren’s!

Claudia Roth und die jüdische Lobby: Eine kleine Chronik der Unschuld

von Andreas Büttner  06.11.2026

Nachruf

Eine Welt voller Wärme

Die jüdische Kinderbuchautorin Myriam Halberstam nimmt Abschied von Janosch, dem Vater von Tiger, Bär und Tigerente

von Myriam Halberstam  06.11.2026

Fernsehen

Biedere Bürgerlichkeit und organisierter Massenmord

Das ZDF zeigt den Oscar-prämierten Spielfilm »The Zone of Interest« über den KZ-Kommandanten Rudolf Höß, der mit seiner Familie unmittelbar neben dem Vernichtungslager Auschwitz lebte

von Josef Lederle  06.11.2026

New York

Nach Paul Simon wird auch Art Garfunkel 85

Mit Songs wie »The Sound of Silence« wurden Simon & Garfunkel weltberühmt – aber auch die Streits der beiden Schulfreunde aus New York sind legendär. Jetzt steht der nächste große Geburtstag an

von Christina Horsten  06.11.2026

TV-Tipp

Viele Jahre bis zum großen »Hallelujah«: Arte zeigt Porträt von Leonard Cohen zum zehnten Todestag

Es ist wohl das bekannteste Lied des kanadischen Sängers Leonard Cohen. Und so steht »Hallelujah« auch im Zentrum eines so unterhaltsamen wie inspirierenden Porträts über den legendären Sänger

von Jan Lehr  06.11.2026

Hintergrund

Claudia Roth und der »unfassbare Druck vom Zentralrat«

Die Ex-Kulturstaatsministerin bezeichnet es als »totalen Fehler«, auf der Berlinale Regisseure wegen ihrer israelfeindlichen Aussagen kritisiert zu haben und sucht dafür die Schuld beim Zentralrat der Juden

von Michael Thaidigsmann  05.11.2026

Interview

»Ich bin von Natur aus kein glücklicher Mensch«

Die Schriftstellerin Nele Pollatschek verrät im Gespräch zu ihrem neuen Buch, wie sie gelernt hat, das Leben bewusster und positiver wahrzunehmen – ohne die Augen vor dem Leid der Welt zu verschließen

von Katrin Richter  05.11.2026

Kulturkolumnne

Bis 120 oder Wie wir doch noch zu Muskeljuden werden

In der heutigen Zeit ziehen körperliche Optimierungstrends nicht spurlos an uns vorbei. Sollen wir uns davon beherrschen lassen?

von Laura Cazés  05.11.2026

Kino

Im Angesicht der Schmerzen, der Angst und Scham

»Block 10« beleuchtet die medizinischen Experimente an Frauen in Auschwitz – und versteht sich auch als eine Antwort auf die Gegenwart

von Chris Schinke  05.11.2026