Berlin

Geburtsort: Auschwitz

Touristen stehen im Innenhof der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in der Berliner Stauffenbergstraße Foto: imago

In der Berliner Gedenkstätte Deutscher Widerstand ist von Donnerstag an eine Ausstellung über im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau geborene Kinder zu sehen. Gezeigt wird die Geschichte von Frauen und Männern, die als Säuglinge in dem Konzentrationslager unter widrigsten Umständen überlebten und am 27. Januar 1945 befreit wurden. Der Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, Christoph Heubner, sprach am Mittwoch bei der Vorstellung der Ausstellung von einem »fast unglaublichen und bislang wenig bekannten Kapitel« des Holocausts.

Befreiung Die Ausstellung beruht auf jahrzehntelangen Recherchen von Alwin Meyer, Autor des Buches »Vergiss deinen Namen nicht. Die Kinder von Auschwitz.« Demnach wurden am 27. Januar 1945 rund 60 Babys in Auschwitz befreit. Insgesamt waren es seinen Angaben zufolge 650 Kinder und Jugendliche im Alter bis zu 17 Jahren. Die meisten waren jünger als 13 Jahre.

Zur Eröffnung der Ausstellung am Donnerstag anlässlich der Gedenkveranstaltung des Auschwitz-Komitees in Berlin zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers wird eine der Porträtierten sprechen, die jüdisch-ungarische Auschwitz-Überlebende Angela Orosz-Richt. Sie wurde um den 21. Dezember 1944 in Auschwitz geboren und lebt seit 1973 in Kanada.

Während seit Mitte 1943 Neugeborene nichtjüdischer Abstammung mit Duldung der SS nicht mehr sofort getötet wurden, wurden jüdische Säuglinge weiterhin mit Giftspritzen getötet, ertränkt, vergast, totgeschlagen oder sie verhungerten. Erst ab November 1944 gelang es einzelnen jüdischen Müttern, ihre Neugeborenen zu retten.

Die Eltern von Orosz-Richt wurden im Mai 1944 aus Ungarn in das Vernichtungslager in Polen deportiert. Der Vater Tibor Bein wurde ermordet, die schwangere Mutter Vera wurde vom berüchtigten Lagerarzt Josef Mengele für Sterilisationsexperimente missbraucht.

Experimente Ihrer Mutter sei eine brennende Substanz in den Gebärmutterhals gespritzt worden, sagte Orosz-Richt. Sie überlebte die Tortur. Die Experimente Mengeles seien aber der Grund, dass sie keine Geschwister habe. Drei Stunden nach Angelas Geburt stand die Mutter wieder stundenlang beim Lagerappell.

Orosz-Richt überlebte - so erzählte sie in Berlin - auch dank der Tatsache, dass sie bei einem Geburtsgewicht von geschätzt einem Kilo nicht habe schreien können, weil sie so schwach war. Ihr Glück: Ihre Mutter konnte sie stillen.

Meyer beschreibt in seinem Buch die in der Regel ausweglose Situation von schwangeren Frauen im Konzentrationslager: »Bei heimlich erfolgten Geburten hörten die Mütter oft nur den ersten Schrei ihres gerade geborenen Kindes.«

Mehr als 1,3 Millionen Menschen wurden zwischen 1940 und 1945 nach Auschwitz deportiert. Darunter waren Meyer zufolge mindestens 232.000 Säuglinge sowie Kinder und Jugendliche im Alter von bis zu 17 Jahren. Allein 216.000 von ihnen waren Juden, 11.000 Sinti und Roma. Sie kamen aus allen Teilen Europas.

Frankreich

»Fick dich, Gisèle, fickt euch, ihr Zionisten«

Gisèle Journo ist Jüdin und betreibt in Paris eine Agentur für Influencer. Jetzt ist sie Zielscheibe antisemitischer Anfeindungen geworden. Auslöser war der Boykottaufruf einer Europaabgeordneten

von Michael Thaidigsmann  21.08.2026

Orlando (Florida)

Harrison Ford wird erneut zu Indiana Jones

Diesmal wird der jüdische Darsteller kein Abenteuer auf der Leinwand erleben. Aber worum geht es dann?

 21.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Yotam Ottolenghi (l.) und Anthony Bourdain

Kulinarisches

Als Yotam Ottolenghi mit Anthony Bourdain einmal in der Wüste landete

Der israelisch-britische Koch erinnert sich zum Filmstart von »Tony« an seine Begegnung mit seinem berühmten amerikanischen Kollegen

von Katrin Richter  21.08.2026

London

Boy George nimmt Pro-Israel-Song mit großer Band neu auf

Mit diesem Schritt erhofft sich der britische Popsänger eine größere Verbreitung von »We Will Dance Again«. Auf den Hass von Israelfeinden reagiert er ebenfalls mit einem neuen Lied

von Imanuel Marcus  21.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026

Vorschau

Widderhorn im Dom und ein Hauch von »Yiddish Summer« - Festival »Shalom-Musik.Koeln«

Begegnungen, Neugier und Zuhören fördern - das wollen die Macher des Festivals »Shalom-Musik.Koeln«. Und reichlich Musik und Gesang auf die Bühne bringen. Der Verein hinter dem Festival bekommt dafür jetzt einen Preis

von Leticia Witte  20.08.2026

Kunst

Von Guggenheim bis Geffen

Wie jüdische Mäzene im 20. Jahrhundert der Moderne zum Durchbruch verhalfen

von Jana Talke  20.08.2026

Kulturkolumne

Some like it cold

Warum Disneys Eiskönigin nicht nur gegen Hitze hilft

von Sophie Albers Ben Chamo  20.08.2026