Sehen!

Frankfurter Fotografinnen

Carl Zuckmayer im Frankfurter Zoo Foto: Nini & Carry Hess

Sehen!

Frankfurter Fotografinnen

Das Museum Giersch der Goethe-Universität widmet den Schwestern Nini und Carry Hess eine große Ausstellung

von Eugen El  07.04.2022 09:22 Uhr

Wie in Trance versunken: Äußerst ausdrucksstark wirkt die 1927 aufgenommene Fotografie, die den Schauspieler Schabtai Prudkin zeigt. Mit dem seinerzeit in Moskau ansässigen Theaterkollektiv »Habima« war er damals auf Europa-Tournee. Die späteren israelischen Bühnenpioniere machten auch mehrmals in Frankfurt am Main Station, wo sie unter anderem die Stücke Der Dibbuk, Jakobs Traum und Der ewige Jude aufführten. Expressiv anmutende Szenenfotos lassen die künstlerische Qualität der hebräischsprachigen Theatergruppe erahnen.

Aufgenommen wurden sie, ebenso wie das Porträt Schabtai Prudkins, von den Frankfurter Fotografinnen Nini und Carry Hess. Den beiden aus einem großbürgerlichen jüdischen Elternhaus stammenden Schwestern widmet das Museum Giersch der Goethe-Universität nun eine umfangreiche Ausstellung. Mit etwa 120 Originalaufnahmen in Schwarz-Weiß entreißt die auf jahrelanger Recherche basierende Schau die einst sehr erfolgreichen Fotografinnen der Vergessenheit.

STUDIO In ihrem 1913 gegründeten, mitten in Frankfurt gelegenen Fotostudio lichteten Nini und Carry Hess insbesondere zu Zeiten der Weimarer Republik viele prominente Künstler ab – den Maler Max Beckmann porträtierten sie ebenso wie die Schriftsteller Thomas Mann und Carl Zuckmayer, den Komponisten Paul Hindemith und den Architekten Hans Poelzig.

Neben der Porträt- und Theaterfotografie widmeten sie sich auch Mode und Architektur, Sport und Tanz.

Neben der Porträt- und Theaterfotografie widmeten sie sich auch Mode und Architektur, Sport und Tanz. Ihre Bilder erschienen in auflagenstarken Zeitschriften wie etwa der »Berliner Illustrierten Zeitung«. Bemerkenswert sind ihre neusachlich-kühlen und doch einfühlsamen Frauenporträts, die unter anderem die Tänzerin Irene Weill und die Fechterin Helene Mayer zeigen.

1927 lichteten die Schwestern die »Habima«-Schauspielerin Hanna Rowina ab, die nur wenig später samt ihrer Truppe ins damalige britische Mandatsgebiet Palästina emigrierte. Rowina sollte zu einer Ikone des israelischen Theaters werden, Nini und Carry Hess blieben vorerst in Frankfurt. 1933 floh Carry nach Paris, sie überlebte den Krieg. Nini führte das Fotostudio bis zur Zerstörung durch die Nazis 1938 weiter, ihr weiteres Schicksal ist unbekannt.

Die Wiederentdeckung des fotografischen Werks von Nini und Carry Hess ist ein großer Glücksfall.

Die Ausstellung ist bis 22. Mai zu sehen.

TV-Tipp

Der Elvis der Violine

Ivri Gitlis ist ein Phantom. Er bespielte mit seiner Geige die großen Bühnen und musizierte mit den Stars der Musikbranche. Seinen Namen kennen heute aber nur die wenigsten. Eine Arte-Doku begibt sich auf Spurensuche

von Manfred Riepe  17.04.2026

Medien

Ex-»Welt«-Chefredakteur Burgard bei Springer künftig für Nahost zuständig

Burgard folgt auf Constantin Schreiber, der sich ab dem 1. Mai als Global Reporter weiter auf seine Podcast-Formate konzentriert

 17.04.2026

Rebecca Zlotowski

»Womöglich bin ich Masochistin«

Ein Gespräch über ihren Film »Paris Murder Mystery« und Drehs mit Jodie Foster und Natalie Portman

von Patrick Heidmann  17.04.2026

Streaming

Schichtende bei »The Pitt«

Die letzte Episode der zweiten Staffel der erfolgreichen Krankenhaus-Serie ist nun bei HBO zu sehen – Fans warten auf die dritte Staffel

von Katrin Richter  17.04.2026

»Paul-Spiegel-Filmfestival«

Sieben gute Filme

In Düsseldorf beginnen das Festival unter dem Motto »Jüdische Welten« mit einem besonderen Gast vor jedem Film

 16.04.2026

Paris

Einen Picasso für 100 Euro gewonnen

Das Auktionshaus Christie’s hat ein Gemälde des berühmten Malers für einen wohltätigen Zweck verlost. Gewonnen hat ein 59-Jähriger aus Paris

von Nicole Dreyfus  16.04.2026

»Scrubs«

Die Rückkehr der Anfänger

Nach 16 Jahren Pause geht es weiter mit der amerikanischen Krankenhaus-Serie. Aber funktioniert das Konzept noch?

von Ralf Balke  16.04.2026

Kulturkolumne

Wenn der Moderator nur sich selbst hört

Armin Laschet und die Absicht, ein Interview zu geben: Über Ambiguitätstoleranz im Deutschlandfunk

von Maria Ossowski  16.04.2026

Thriller

Israelische Serie »Unconditional« startet auf Apple TV

Orna reist mit ihrer 23-jährigen Tochter Gali nach Moskau. Kurz vor einem Flug wird Gali festgenommen. Damit beginnt Ornas Kampf für Gerechtigkeit

 16.04.2026