Sehen!

Eva Besnyö

Wer die Geschichte der Fotografie des 20. Jahrhunderts studiert, stößt immer wieder auf die Namen ungarischer Juden: Robert Capa, André Kertész, László Moholy-Nagy, Martin Munkácsi. In diese Reihe gehört auch Eva Besnyö. In der Berlinischen Galerie sind jetzt 120 ihrer Aufnahmen erstmals in Deutschland zu sehen, darunter ihr vielleicht bekanntestes Bild: Es ist der »Junge mit dem Cello«, eine später weltweit für Werbezwecke benutzte Ikone, in den 50er- und 60er-Jahren ein gerne benutztes Bildsymbol für die vagabundierende Existenz, den modernen Tramp.

sozialreportagen 1910 in Budapest geboren, ging Eva Besnyö nach ihrer Fotografenausbildung 1930 nach Berlin, zog wegen des erstarkenden Antisemitismus von dort aber bereits zwei Jahre später nach Amsterdam, wo sie den Rest ihres Lebens verbrachte. In den Niederlanden wurde Besnyö mit ihrer ersten Ausstellung 1933 zu einer der bekanntesten Fotografinnen.

Sie profilierte sich mit Sozialreportagen und engagierte sich politisch. Ihr Geld verdiente sie mit Architekturaufnahmen. Die deutsche Besatzung ab 1940 überlebte sie mit gefälschten »arischen« Papieren. In den 50er-Jahren war Eva Besnyö an Edward Steichens legendärer Bildausstellung »The Family of Man« beteiligt. 1958 erhielt sie auf der ersten Biennale der Fotographie in Venedig die Goldmedaille. In den 60ern dokumentierte sie die Aktionen der niederländischen Frauenbewegung »Dolle Minnas« und wurde selbst zur enagierten Feministin.

Eva Besnyös fotografisches Oeuvre beeindruckt durch stilistische Modernität und thematische Vielfalt: Porträt- und Alltagsfotografien, Reportagen, Architektur- und Reisebilder. Die Künstlerin starb 2003. ja

»Eva Besnyö – Fotografin 1910 – 2003 Budapest-Berlin-Amsterdam«. Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin, bis 27. Februar 2012.

www.berlinischegalerie.de

Befreiung von der Schuld: Wenn Claudia Roth plötzlich wie Björn Höcke klingt

Eine Einordnung von Georg M. Hafner

 07.11.2026

Meister der Melancholie

Leonard Cohen: »Jikan der Stille« lebte seine Religion - und auch eine andere

Seine Lieder sind geheimnisvoll, oft düster - und doch von beklemmender Schönheit. Leonard Cohen war nie zu greifen, mit niemandem zu vergleichen. Vor zehn Jahren ist er gestorben

von Alexander Brüggemann  07.11.2026

Meinung

Die Juden waren’s!

Claudia Roth und die jüdische Lobby: Eine kleine Chronik der Unschuld

von Andreas Büttner  06.11.2026

Nachruf

Eine Welt voller Wärme

Die jüdische Kinderbuchautorin Myriam Halberstam nimmt Abschied von Janosch, dem Vater von Tiger, Bär und Tigerente

von Myriam Halberstam  06.11.2026

Fernsehen

Biedere Bürgerlichkeit und organisierter Massenmord

Das ZDF zeigt den Oscar-prämierten Spielfilm »The Zone of Interest« über den KZ-Kommandanten Rudolf Höß, der mit seiner Familie unmittelbar neben dem Vernichtungslager Auschwitz lebte

von Josef Lederle  06.11.2026

New York

Nach Paul Simon wird auch Art Garfunkel 85

Mit Songs wie »The Sound of Silence« wurden Simon & Garfunkel weltberühmt – aber auch die Streits der beiden Schulfreunde aus New York sind legendär. Jetzt steht der nächste große Geburtstag an

von Christina Horsten  06.11.2026

TV-Tipp

Viele Jahre bis zum großen »Hallelujah«: Arte zeigt Porträt von Leonard Cohen zum zehnten Todestag

Es ist wohl das bekannteste Lied des kanadischen Sängers Leonard Cohen. Und so steht »Hallelujah« auch im Zentrum eines so unterhaltsamen wie inspirierenden Porträts über den legendären Sänger

von Jan Lehr  06.11.2026

Hintergrund

Claudia Roth und der »unfassbare Druck vom Zentralrat«

Die Ex-Kulturstaatsministerin bezeichnet es als »totalen Fehler«, auf der Berlinale Regisseure wegen ihrer israelfeindlichen Aussagen kritisiert zu haben und sucht dafür die Schuld beim Zentralrat der Juden

von Michael Thaidigsmann  05.11.2026

Interview

»Ich bin von Natur aus kein glücklicher Mensch«

Die Schriftstellerin Nele Pollatschek verrät im Gespräch zu ihrem neuen Buch, wie sie gelernt hat, das Leben bewusster und positiver wahrzunehmen – ohne die Augen vor dem Leid der Welt zu verschließen

von Katrin Richter  05.11.2026