Hören!

»Etwaige Belastungen«

Der Deutschlandfunk beleuchtet die braune Vergangenheit des Vertriebenenverbandes

 20.07.2010 11:34 Uhr

Vertriebene gedenken gern ihrer alten Heimat –weniger gern ihrer alten Nazis. Foto: imago

Der Deutschlandfunk beleuchtet die braune Vergangenheit des Vertriebenenverbandes

 20.07.2010 11:34 Uhr

»Durch Wahrheit zum Miteinander«, lautet das Leitwort für 2010 des Bundes der Vertriebenen (BdV), der in diesem Jahr sein sechzigjähriges Bestehen begeht. Passend zu diesem Motto berichtet Otto Köhler in einem Deutschlandfunkfeature am Montag, den 27. Juli, um 19.15 Uhr, von den verkrampften Versuchen des Verbands, mit der Nazivergangenheit seiner Gründergeneration umzugehen. Die hatte der »Spiegel« 2006 in einem Artikel thematisiert: Rund ein Drittel von circa zweihundert Vertriebenenverbandsfunktionären der ersten Stunde hatten der NSDAP angehört, deutlich mehr als im damaligen Bevölkerungsdurchschnitt. Durch den Bericht unter Druck geraten, gab BdV-Präsidentin Erika Steinbach 2007 beim Münchener Institut für Zeitgeschichte eine »Machbarkeitsstudie« über »etwaige nationalsozialistische Belastungen früherer BdV-Repräsentanten« in Auftrag, finanziert vor allem mit Geldern des Bundesinnenministeriums.

persilschein An der Tatsache, dass von den ersten 13 Mitgliedern des BdV-Präsidiums 1950 neun aktive Nazis gewesen, andere untersuchte BdV-Funktionäre sogar als SS-Leute direkt in die Schoa involviert waren, konnte die Studie nicht rütteln. Ihr Autor versuchte aber, die braunen Vertriebenenverteter in Persilscheinmanier reinzuwaschen. Der Versuch einer Relativierung war so offenkundig, dass BdV-Chefin Steinbach nach kritischen Presseberichten die Machbarkeitsstudie als »nicht veröffentlichungsfähig« einstufte. Das Projekt wurde dennoch weitergeführt. Eine endgültige »Gruppenbiografische Studie über die ersten Präsidialmitglieder des Bundes der Vertriebenen« soll noch in diesem Jahr vorgelegt werden, zum 60. Jahrestag der Verkündung der »Charta der deutschen Heimatvertriebenen«. Das Feature untersucht, ob diese Studie nach sechs Jahrzehnten nie hinterfragter Verbandsgeschichte näher an der historischen Wahrheit sein wird und kann. ja

»Etwaige Belastungen – Der Bund der Vertriebenen sucht seine Vergangenheit«. Feature von Otto Köhler. Deutschlandfunk, Montag, 27. Juli, 19.15 Uhr

Kulturausschuss des Bundestags

Zentralrat der Juden fordert Konsequenzen für documenta

Zentralratsgeschäftsführer Daniel Botmann kritisiert bei der Sitzung den offenen Antisemitismus während der Weltkunstschau

 08.02.2023

Raubkunst

Bilanz einer faktischen Enteignung

Die Sammlung des Maximilian von Goldschmidt-Rothschild wird endlich angemessen gewürdigt

von Dorothee Baer-Bogenschütz  08.02.2023

Biografie

Arzt, Dichter, Exilant

Ein Buch beschreibt das Leben von Martin Gumpert, der 1929 in Berlin-Wedding eine »Sprechstunde für soziale Kosmetik« durchsetzte

von Gerhard Haase-Hindenberg  08.02.2023

Glosse

Der Rest der Welt

Immer lustig, manchmal seltsam: Mischpoche kann man sich nicht aussuchen

von Margalit Edelstein  08.02.2023

Migration

Ausgerechnet Deutschland

Die Anthropologin Dani Kranz und Kollegen präsentieren eine empirische Gesamtschau zu Israelis im Land der Täter

von Olaf Glöckner  08.02.2023

Medizin

Beten fürs Herz

Warum das Tragen von Tefillin vor Infarkten schützen kann – eine Studie aus Cincinnati

von Lilly Wolter  08.02.2023

Autobiografien

Barbra Streisand kündigt ihre Memoiren an

Im November wird das Buch der Sängerin veröffentlicht

 08.02.2023

Frankfurt

Schau über jüdische Filmgeschichte beginnt im Sommer

Stars wie Lilli Palmer und Peter Lorre sind im Blickpunkt

 06.02.2023

Musik

Aviel Cahn übernimmt Intendanz der Deutschen Oper Berlin

Der 48-jährige Schweizer soll ab 1. August 2026 die Nachfolge von Dietmar Schwarz antreten

 06.02.2023