Sehen!

Esther und Halima

Freundinnen: Halima (Zohra Mouffok, l.) und Esther (Ariane Jacquot, r.) Foto: arte

Die jüdische Witwe Esther ist querschnittsgelähmt und auf ständige Hilfe angewiesen. Die Haushaltshilfen, die ihr Sohn Elie für sie aussucht, vergrault sie jedoch regelmäßig mit ihren Launen. Als Elie nicht mehr weiter weiß, bietet ihm die Krankenschwester Sélima die Hilfe ihrer Mutter Halima an. Für die alte Muslima kommt die Arbeit gerade recht, will sie doch mit ihrem Mann Ali bald eine Pilgerfahrt nach Mekka machen, wofür sie Geld benötigt. Die Arbeit bei Esther stellt Halima jedoch vor ungeahnte Herausforderungen: Wie kocht man koscher? Essen Juden auch halal?

libanon-krieg Philippe Faucons Film Wie das Leben spielt, den arte am Mittwoch, den 22. Februar in deutscher Erstausstrahlung zeigt, erzählt von zwei sehr unterschiedlichen alten Frauen, die entdecken, dass sie mehr gemeinsam haben, als sie vermutet hätten. Zwischen den beiden entwickelt sich allmählich sogar eine Freundschaft. Das trägt Halima und ihrem Mann allerdings Anfeindungen ihrer muslimischen Glaubensgenossen ein. Der Film spielt 2006 vor dem Hintergrund des damaligen Libanonkriegs. Eine Freundschaft mit einer Jüdin passt nicht in die politische Landschaft. Doch das ficht Halima nicht an. Auf den Vorwurf, die Juden bombardierten Muslime, regiert sie resolut: »Aber Esther doch nicht!«

Wie das Leben spielt beruht auf eigenen Erfahrungen der Produzentin Yasmina Nini-Faucon, die selbst Krankenschwester war und, ähnlich wie die Filmfigur Sélima, mit jüdischen und muslimischen Patienten arbeitete. Dabei konnte sie beobachten, dass diese, unabhängig von ihrer Religion, viele Gemeinsamkeiten hatten: Sie kamen vor allem aus Algerien, Marokko oder Tunesien und leben heute meist in Südwestfrankreich. Das Drehbuch zum Film entstand 2003, als der Nahostkonflikt anfing, das Verhältnis zwischen französischen Juden und Muslimen deutlich zu belasten. ja

»Wie das Leben spielt«, arte, Mittwoch, 22. Februar, 23.15 Uhr

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Texten der Jüdischen Allgemeinen

 10.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

 10.10.2026

Kino

Ich habe »Naza« gesehen, und es ist ein übles Stück Propaganda

Es ist erschreckend zu sehen, wie große Teile der Filmwelt sich gerade selbst zu nützlichen Idioten der Hamas degradieren, indem sie ihr von Lügen und Blut getränktes Narrativ übernehmen

von Philipp Peyman Engel  10.10.2026

Berlin

733 Tage, 2 Stunden und 35 Minuten

Eine Ausstellung im Paul-Löbe-Haus erzählt von Verlust, Hoffnung und bleibenden Folgen in der Zeit zwischen dem 7. Oktober und dem Abkommen zur Freilassung der Geiseln

von Pascal Beck  09.10.2026

Essay

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Die Grenzen universitärer Selbstgewissheit

Antisemitismus ist an Universitäten längst kein Ausnahmeproblem mehr. Drei Jahre nach dem 7. Oktober stellt sich deshalb eine unangenehmere Frage: Was haben Universitäten über sich selbst gelernt?

von Frederek Musall  09.10.2026

München

Simon Rattle bleibt bis 2033 Chef des BR-Symphonieorchesters

»Symphonischer Hoagascht« oder »Singen mit Sir Simon« hießen Projekte, die Sir Simon Rattle eingeführt hat. Die Arbeit mit dem Symphonieorchester des BR und seinem Chor sagt dem Chefdirigenten zu. Er hat nun verlängert

von Barbara Just  08.10.2026

Adania Shibli

Plattitüden in Romanform

Auch das zweite auf Deutsch erschienene Buch der palästinensischen Autorin weist einen holzschnittartigen Charakter auf

von Enno Stahl  08.10.2026

Prag

Spätes Debüt

Der Schriftsteller Eli Beneš gilt als bekannteste literarische Stimme der Juden in Tschechien. Sein Roman über einen Schoa-Überlebenden machte ihn zum preisgekrönten Autor. Eine Begegnung

von Kilian Kirchgeßner  08.10.2026

Literatur

»Es gibt zwei Seiten«

Zur Frankfurter Buchmesse ruft die israelische Autorin Orna Landau gegen den Boykott von Büchern auf: »Entscheidet euch für Wissen«

von Ayala Goldmann  08.10.2026