Sehen!

Erfolg trotz allem

Barbra Streisand wusste schon früh, dass sie sowohl Schauspielerin als auch Sängerin werden wollte. Foto: Steve Shapiro

Auch wenn es in diesen Tagen häufig regnet, scheint für Fernsehzuschauer gerade die Sonne. Nein, die Rede ist nicht von der Fußball-Weltmeisterschaft, sondern von dem großen »arte«-Themenschwerpunkt, der die Geschichten von Künstlern wie Marilyn Monroe oder James Dean erzählt. Die nächste Folge Geburt einer Diva zeichnet die Karriere von Barbra Streisand nach – von der lange Zeit unterschätzten Sängerin zu einer der erfolgreichsten Künstlerinnen der Welt.

Der Durchbruch gelang Streisand mit dem Oscar für Funny Girl und für den Filmsong »Evergreen« in A Star Is Born. In unserer Zeit der geklonten Hochglanzgesichter ist eine solche Karriere kaum mehr vorstellbar: Eine Künstlerin, die sich allem Drängen zum Trotz weigert, ihre prononcierte Nase und ihren leichten Silberblick kosmetisch korrigieren zu lassen, käme damit heute nicht einmal mehr bei Heidi Klums Modelshow in die nächste Runde.

Fingernägel Sich selbst hat sie einmal als einen »lebenden Ikonoklasmus« bezeichnet, als eine »feministische, jüdische, meinungsstarke, freie Frau«. Die Männer hat Streisand scharenweise verhext mit ihrem sphinxhaften Blick und ihrem Witz. Und das Publikum liegt ihr bis heute zu Füßen bei ihren inzwischen raren Auftritten.

Geboren als Barbara Joan Streisand am 24. April 1942, wuchs sie in einer ärmlichen jüdischen Familie in Brooklyn auf. Früh wusste sie, dass sie Schauspielerin werden wollte. Von der Mutter hörte sie, dass sie dafür zu hässlich sei und lieber Sekretärin werden solle. Streisand aber ließ sich daraufhin die Fingernägel so lang wachsen, dass sie mit Sicherheit niemals eine Schreibmaschine hätte bedienen können.

Ihre außergewöhnliche Stimme verhalf ihr nach den ersten Auftritten in New Yorker Nacht- und Schwulenklubs zu einem kometenhaften Aufstieg. Nuancenreich und charakteristisch ist diese Stimme und kann sich mühelos von einer schier infiltrierenden Süße zu dramatischer Intensität oder zu einem aufsässig rauen Timbre wandeln.

Selbstironie Streisands spezifische Mischung aus Unsicherheit und produktiver Selbstüberschätzung, ihr Eigensinn, ihr Charme, ihre Exzentrik und ihre entwaffnende Fähigkeit zur Selbstironie haben sie zu einer der letzten echten Diven werden lassen.

Konsequent weigert sie sich, sich auf den üblichen Hochglanz-Mainstream zurechtstutzen zu lassen. Und gerade dies trägt zu jenem Charisma bei, das sie bis heute so unwiderstehlich macht, wie die Dokumentation Barbra Streisand – Geburt einer Diva eindrucksvoll zeigt. ja

»Barbra Streisand – Geburt einer Diva«. arte, Freitag, 6. Juli, 21.55 Uhr

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