Wonder Woman

»Ein Vorbild für alle Frauen«

Von Miss Israel zu einer der gefragtesten Schauspielerinnen Hollywoods: Gal Gadot Foto: dpa

Wonder Woman

»Ein Vorbild für alle Frauen«

Die israelische Schauspielerin Gal Gadot über ihre Rolle im Film »Batman v Superman«

von Richard Aldhous  21.03.2016 18:28 Uhr

Es gibt nicht viele Schauspielerinnen in Hollywood, die in ihrem früheren Leben sowohl Soldatin als auch Schönheitskönigin gewesen sind. Bei der israelischen Schauspielerin Gal Gadot aber fügen sich diese Punkte in ihrem Lebenslauf zu einem stimmigen Puzzle zusammen. Die Miss Israel 2004 und Martial-Arts-Expertin ist spätestens seit ihren Auftritten in der Actionfilmreihe Fast & Furious aus Hollywood nicht mehr wegzudenken. Im Interview spricht die 30-jährige Gadot nun über ihre Rolle als Wonder Woman im neuen Kinofilm Batman v Superman und berichtet darüber, wie schwierig es für Mütter ist, Kind und Karriere miteinander zu vereinen.

Frau Gadot, Sie waren zwei Jahre lang Soldatin beim israelischen Militär. Haben Sie von dieser Ausbildung bei Ihrer neuen Rolle als Wonder Woman in dem Film »Batman v Superman« profitiert, der heute in den deutschen Kinos anläuft?
Absolut! Meine Zeit in der IDF hat die Grundlage für all die Martial-Arts-Techniken gelegt, die ich als Wonder Woman unbedingt beherrschen musste. Generell war die Zeit in der IDF sehr prägend für mich, sowohl athletisch als auch persönlich. Aber ich war immer schon sehr sportlich, auch bevor ich in zur Armee ging. Ich liebe Basketball, Volleyball, Dodgeball und Tanzen. Und natürlich musste ich auch noch viel trainieren, um mich wirklich in Wonder Woman zu verwandeln. Wie man mit einem Schwert kämpft oder ein Lasso wirft, bringt einem das israelische Militär nicht bei (lacht).

Als Ihnen die Rolle der Wonder Woman angeboten wurde, haben Sie nicht lange gezögert, heißt es. Weshalb?
Ja, das war ein fantastischer Moment, ich wollte unbedingt in dem Film mitspielen. Als mein Manager schließlich anrief und bloß sagte: »Glückwunsch, Gal, du hast die Rolle!«, konnte ich es kaum glauben. Es hat mehrere Tage gebraucht, bis ich es wirklich verstanden habe.

Was macht die 1941 geschaffene Superheldin für Sie aus?
Sie ist die Personifikation von Stärke, Klugheit und Ernsthaftigkeit. Sie repräsentiert diejenige Art von Frauen, die wirklich unabhängig ist und keinen Mann braucht, um durchs Leben zu gehen. Wonder Woman rettet sich notfalls selbst, das gefällt mir. Es macht großen Spaß, eine Rolle zu spielen, die für alle Frauen ein Vorbild ist.

Mit Ihren Auftritten in »Fast & Furious« haben Sie sich in Hollywood bereits einen Namen als Action-Schauspielerin gemacht. Ist da Wonder Woman bloß der nächste logische Schritt für Sie gewesen?
In gewisser Weise schon. Mich reizen starke Frauenrollen – und ich versuche, die klassischen Rollen als liebreizende Freundin oder Frau in Not möglichst abzulehnen. Dahinter steckt nicht wirklich eine Strategie, es entspricht einfach meinen Vorstellungen. Ich möchte keine Dummchen spielen. Dass ich jetzt Wonder Woman spielen darf, damit habe ich aber nicht gerechnet.

In Ihrem ersten Leben waren Sie nicht Schauspielerin, sondern Model. 2004 wurden Sie sogar zur Miss Israel gekürt ...
... ein großer Gegensatz, ich weiß. Von dem Wettbewerb hatte ich nach meiner Schulzeit gehört, kurz bevor ich zum Militär ging. In Israel ist die Veranstaltung hoch angesehen – und wird nicht als etwas betrachtet, das Frauen nur aufs Aussehen reduziert. Probier’s doch einfach mal, dachte ich mir aus einer Laune heraus. Als ich tatsächlich gewählt wurde, war ich regelrecht geschockt.

Weshalb geschockt?
Weil es so überraschend kam. Ich hatte einfach nicht damit gerechnet. Aber es hat sich gelohnt. Der Miss-Israel-Wettbewerb hat mir viele Türen geöffnet. Er hat mir den Weg zu dem geebnet, was ich am liebsten mache: Schauspielerin zu sein.

In einem früheren Interview haben Sie einmal gesagt, dass Sie Ihre Mutter als eine Art Wonder Woman beschreiben würden. Inwiefern trifft das zu?
Auf jeden Fall. Für mich ist sie tatsächlich eine Wonder Woman. Sie hat einen großen Einfluss auf mein Leben und das meiner Schwester. Sie hat uns dazu erzogen, selbstbewusst, stark und lebensbejahend zu sein. Und sie hat uns mit auf dem Weg gegeben, dass wir unsere Wünsche selbst verwirklichen können. Diese Einstellung ist sehr wichtig, finde ich. Man sollte große Träume im Leben haben und den Alltag als eine Art Abenteuer sehen.

Seit einiger Zeit sind Sie selbst Mutter. Inwiefern hat sich Ihr Leben dadurch verändert?
Wie viele andere Frauen muss ich meinen Alltag gut organisieren. Ich stehe zum Beispiel sehr früh auf, um für meine Tochter Alma da zu sein. Und wenn ich auf Reisen bin, versuche ich, Alma immer mitzunehmen. Ohne die Hilfe meiner Mutter würde das alles nicht funktionieren.

In letzter Zeit wird immer offener darüber diskutiert, wie schwer es als Frau ist, Kind und Karriere miteinander zu verbinden. Wie empfinden Sie das?
Es ist nicht gerade einfach, als Mutter berufstätig zu sein. Zumal ich sehr hohe Ansprüche habe. Da ist es vorprogrammiert, dass man allem nicht immer gerecht wird. Manchmal denke ich, vielleicht baue ich zu starken Druck auf, verlange zu viel. Aber wie gesagt: Ich wurde dazu erzogen, im Leben viel zu erreichen. Und wenn ich mir die Biografien unserer Mütter anschaue, denke ich: Die haben ohne die große Unterstützung, die es heutzutage gibt, so viel mehr Schwierigkeiten bewältigt als wir. Dagegen sind unsere Probleme ein Witz.

Mit der israelischen Schauspielerin sprach Richard Aldhous.

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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