»Shalom Italia«

Drei Brüder, ein Erinnern

Szene aus dem Kinofilm »Shalom Italia« Foto: Tamar Tal

Ich schrei hier zum ersten Mal, weil ich es darf. Die Deutschen können mich am Arsch lecken!» Als Akt der Befreiung holt der 74-jährige Bubi nach, was ihm als Kind an gleicher Stelle verboten war. Südlich von Florenz, irgendwo in den bewaldeten Hügeln der Toskana, ruft er mit erhobenen Armen lachend in die Stille. Bubi ist angekommen, hat sein Ziel erreicht. Zusammen mit seinen beiden Brüdern hatte er sich nach 70 Jahren zum Ziel gesetzt, jene Höhle wiederzufinden, in der sie die Schoa überlebten.

Die Regisseurin Tamar Tal Anati hat die israelischen Brüder für ihren Film Shalom Italia vergangenes Jahr auf ihrer Reise begleitet. Dabei setzt sie ganz auf die drei unterschiedlichen Charaktere – zum Glück. Denn durch die sympathischen Rentner erzählt der Film mehr als nur die dramatische Geschichte einer Familie; Lachen und Weinen wechseln sich in Shalom Italia permanent ab.

Nesthäkchen Fröhlich werden die Figuren in den ersten Minuten eingeführt: Bubi lebt nach seinem Job am Weizmann-Institut eine Jahreshälfte in Italien, die andere in Israel. Er richtet sein Haus her für die aus Israel anreisenden Brüder, die ihm als ewigem Nesthäkchen bei der Suche helfen wollen. Sein Bruder Emmanuel ist 84 und eher der phlegmatische Typ. Ganz anders der 82-jährige Andreas, der auch im Alter noch topfit ist.

Vor Ort in Italien bezieht der Film aus den unterschiedlichen Wahrnehmungen der Brüder seine Spannung. Während sich Emmanuel an die «sechs Jahre voller Leid» nicht wirklich erinnern will, lobt Bubi die schöne gemeinsame Zeit im Wald: «Ich hatte Spaß während der Schoa!» – «Tja, das ist der Unterschied», antwortet Emmanuel. «Du warst ein Kind, und ich wurde zu früh erwachsen.»

Asyl Dass das Trio die kleine Hütte aus aufgeschichteten Steinen, die acht Leuten für einen Winter Schutz bot, tatsächlich findet, gerät zur Nebenrolle. Schon dass sie das Asyl im Wald als Höhle erinnern, spricht Bände. Jeder hat sein eigenes Erleben, seine eigenen Gedächtnislücken und seine eigene Geschichte jenseits der wissenschaftlichen Geschichtsschreibung.

Wenn die Brüder vor wunderschönem Landschaftspanorama über ihre Perspektiven diskutieren, erreicht der Film eine universelle Dimension über das Gedenken an den Holocaust hinaus. Was heißt individuelles, was heißt kollektives Erinnern? Und vor allem: Welche Erinnerung überlebt?

Ausstellung

Landesmuseum Mainz zeigt jüdisches Erbe von Rheinland-Pfalz

Die erhaltenen Spuren der mittelalterlichen jüdischen Gemeinden von Speyer, Worms und Mainz sind schon seit 2021 offiziell Weltkulturerbe. Nun rückt auch das Landesmuseum Mainz das Judentum in Rheinland-Pfalz stärker in den Blickpunkt

 14.01.2026

Fernsehen

Dschungelcamp 2026: Gil Ofarim soll Rekord-Gage kassieren

Der 43-jährige Sänger bekommt laut »Schlager.de« für seine Teilnahme an der in Australien gedrehten Show mehr Geld als je ein Teilnehmer zuvor

 14.01.2026

Potsdam

Zentrum für Jüdischen Film geplant

Die Gründungsveranstaltung soll am 4. März dieses Jahres stattfinden

 14.01.2026

Programm

Lesung, Führung, Erinnerung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 15. Januar bis zum 22. Januar

 14.01.2026

Berlin

»Wie es wirklich war«: Schoa-Überlebende als Hologramme  

Wie es mit dem Erinnern an die NS-Verbrechen weitergeht, wenn diejenigen, die aus erster Hand berichten können, nicht mehr da sind, wird bei einer Konferenz in Berlin erörtert

von Leticia Witte  14.01.2026

Wissenschaft

Studie: Gedanken an andere Partner sind kein Treuebruch

Eine neue Studie der Universität Tel Aviv stellt gängige Vorstellungen von Monogamie und Treue grundsätzlich infrage

 14.01.2026

Comedy-Legende

Don Rickles: Meister der Beleidigungen

In diesem Jahr wäre der große Stand-Up-Comedian 100 Jahre alt geworden. Seine Spezialität: Er zog sein Publikum durch den Kakao

von Imanuel Marcus  14.01.2026

Zahl der Woche

Platz 28

Fun Facts und Wissenswertes

 13.01.2026

Erinnerungskultur

Bund fördert Projekte zu NS-Zeit und deutscher Teilung

Der Bund fördert in den kommenden Jahren neue Projekte in Gedenkstätten

 13.01.2026