Sehen!

Die gescheiterte Rache

August Diehl als Rächer Max im Spielplan »Plan A« über die Rächer-Organisation »Nakam« Foto: CAMINO FILMVERLEIH 2021

Sehen!

Die gescheiterte Rache

Als Holocaust-Überlebende das Trinkwasser in mehreren deutschen Großstädten vergiften wollten

von Ayala Goldmann  04.05.2025 18:45 Uhr Aktualisiert

»Lebet wohl (…) und wenn ihr könnt, dann nehmet einst Rache!« Diese Worte schrieb die Pianistin Salomea Ochs Luft im April 1943 in einem Brief aus dem Warschauer Ghetto. Der Ruf nach Rache für den Völkermord, die Schoa, findet sich immer wieder in Zeitzeugnissen. Bei den meisten Juden blieb es bei diesem Wunsch – weil sie keine Gelegenheit hatten, zu den Waffen zu greifen, oder weil sie ermordet wurden.

Doch das Gefühl, sich rächen zu wollen, ist zutiefst menschlich, auch wenn es dem Bedürfnis nach »Versöhnung« von nichtjüdischer Seite zuwiderläuft. Zu zeigen, dass Juden nicht die besseren Menschen mit den besseren Gefühlen sind, ist das Verdienst der israelischen Filmemacher Yoav und Doron Paz und ihres Spielfilms Plan A, der an diesem Sonntag um 23.35 Uhr in der ARD gezeigt wird.

KOLLEKTIVSCHULD Erzählt wird die wahre Geschichte der Gruppe »Nakam« (hebräisch für »Rache«). Nach dem Zweiten Weltkrieg schlossen sich ehemalige jüdische Partisanen zusammen. Ihr Ziel: Vergeltung. Ausgehend von einer Kollektivschuld der Deutschen verfolgte die Gruppe um Abba Kovner zwei Rachepläne.

Die Schoa-Überlebenden wollten das Trinkwasser in mehreren deutschen Großstädten vergiften.

Laut Plan A sollte das Trinkwasser in Nürnberg, Hamburg, Frankfurt am Main und München vergiftet werden; Plan B sah die Ermordung von SS-Angehörigen vor. Beide Pläne scheiterten kläglich, obwohl die Mitglieder der »Nakam« viel Arbeit in ihre Umsetzung investierten.

STARBESETZUNG Mit einer Starbesetzung führt Plan A die Folgen der Verfolgung vor Augen: Die Kinder von Max (August Diehl) und Anna (Sylvia Hoeks) wurden während der Schoa ermordet.

Traumatisiert und von Albträumen gequält, ist der Wunsch nach Rache zunächst alles, was beide am Leben hält. Sie lassen sich als Arbeiter in ein Nürnberger Wasserwerk einschleusen und warten auf Briefe von Abba Kovner, der ihnen aus Palästina das benötigte Gift schicken will: »Auge um Auge, sechs Millionen für sechs Millionen«.

Doch konfrontiert mit Zweifeln, dem immer noch virulenten Antisemitismus ihrer deutschen Nachbarn und dem Scheitern von Plan A kommen beide zu der Erkenntnis, dass eine Zukunft in einem jüdischen Staat die beste Rache ist. Die Erzählweise des aufwendig produzierten Films wirkt leider etwas hölzern, aber sehenswert ist Plan A als Einblick in dieses nicht oft erzählte Kapitel der Nachkriegsgeschichte allemal.

Der Film läuft am Sonntag um 23.35 Uhr in der ARD.

Block-Prozess

Verteidiger: Ermittlungen zum Fall Block waren zu einseitig

Die Chefermittlerin im Fall Block hat ihre Zeugenbefragung abgeschlossen. Nur einer, ein 37-Jähriger aus Israel, hat die Vorwürfe eingeräumt

 19.08.2026

Aktion

»Kunst, Gedichte, gute Wünsche«

Die Juristin Katya Assaf-Zakharov über das Projekt »Du bist am Zug«, Teilhabe und persönliche Botschaften im Stadtbild von Berlin

von Christine Schmitt  19.08.2026

Programm

Ein Moped-Gottesdienst, Kaffee, Kuchen und ein Zirkus-Koffer in Frankfurt: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 20. August bis zum 27. August

 19.08.2026

Berlin/München

Knobloch über AfD und NSDAP: »Vergleichen sollte man«

Die AfD bekommt Zulauf wie nie zuvor. Die ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden fühlt sich an dunkle Zeiten erinnert

 19.08.2026

Anoha

Mit allen Sinnen

Im Museum erleben Kinder die Geschichte der Arche Noah spielerisch – und lernen dabei etwas über Vielfalt, Respekt und ein gutes Miteinander

von Alicia Rust  18.08.2026

Berlin

Gedenkzeichen für erste Rabbinerin der Welt

Regina Jonas wurde 1942 in das KZ Theresienstadt verschleppt und 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet. Ende August wird ihrer mit einem Gedenkzeichen gedacht

 18.08.2026

Gespräch

Albrecht-Weinberg-Gefährtin: Erinnerung an Holocaust darf nicht enden

Im Mai starb der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg. Gerda Dänekas war bis zum Schluss an seiner Seite, Pflegerin und engste Freundin. Im Interview spricht sie über das Vermächtnis eines der letzten Zeitzeugen und einen Film über ihn - und sie

von Karen Miether  18.08.2026

Orthodoxie

»Koschere Haare sind teuer«

Chaya Chapoval über steigende Scheitelpreise, die Arbeit hinter einer Perücke und Rabbiner-geprüfte Haarteile

von Mascha Malburg  17.08.2026

Freiburg

Geschichten eines Onkels

Aviva Rabinovich recherchierte das Schicksal ihres Verwandten Konrad Goldmann – und widmet ihm zusammen mit dem Regisseur Nathan Lifschitz einen Dokumentarfilm

von Anja Bochtler  17.08.2026