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Florian Henckel von Donnersmarck, Tom Schilling, Paula Beer und Sebastian Koch (v.l.) am Dienstagabend bei der Präsentation ihres Films Foto: dpa

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Florian Henckel von Donnersmarck stellt seinen Film »Werk ohne Autor« im Wettbewerb von Venedig vor

von Barbara Schweizerhof  05.09.2018 13:13 Uhr

Der neue Film von Florian Henckel von Donnersmarck kommt auf den ersten Blick gewichtig daher: drei Jahrzehnte deutsche Geschichte, inspiriert von Ereignissen aus dem Leben eines der wichtigsten deutschen Künstler, gedreht von einem deutschen Oscar-Preisträger und über drei Stunden lang.

So gewichtig gar, dass das Gremium, das über den deutschen Vorschlag zum Auslands-Oscar entscheidet, schon vor der Premiere auf dem Filmfestival von Venedig entschieden hat, den Film Werk ohne Autor einzureichen.

ns-zeit Ob Henckel von Donnersmarck tatsächlich Chancen hat, damit den Erfolg seines Films Das Leben der Anderen zu wiederholen? Die Reaktionen in Venedig lassen keinen eindeutigen Schluss zu: Werk ohne Autor ist ein Film, der sein Publikum schnell erreicht und berührt, nicht nur weil er von Leid, schicksalhaften Verstrickungen der NS-Zeit und Triumph über Widrigkeiten erzählt, sondern weil er dies auf konventionelle, vertraute Weise tut. Letzteres macht ihn zu einem populären, aber eben nicht unbedingt zu einem wertgeschätzten Film.

Die Lebensdaten des Künstlers Gerhard Richter geben Werk ohne Autor die grobe Struktur vor, wobei der Film kein Biopic sein will. Alle Akteure, auch die gut wiedererkennbaren, sind umbenannt. Die Handlung beginnt in den 30er-Jahren in und bei Dresden, wo ein Junge namens Kurt von seiner emotional instabilen Tante zu Ausflügen und Ausstellungen mitgenommen wird.

Sie lehrt ihn, »nicht wegzuschauen«, woher der Film seinen englischen Titel Never Look Away nimmt. Die Tante, wie tatsächlich in Richters Familie geschehen, wird in der NS-Zeit später von den Nationalsozialisten als »unwertes Leben« umgebracht.

»Euthanasie« Im Dresden der Nachkriegszeit wird Kurt, nun gespielt von Tom Schilling, an der Kunstakademie aufgenommen. Obwohl, oder auch gerade weil er die Vorgaben des sozialistischen Realismus mit Ironie und Distanz behandelt, steigt er mit staatlichen Aufträgen zum angesehenen jungen DDR-Künstler auf. Gleichzeitig findet er in Elisabeth (Paula Beer) seine große Liebe, nicht wissend, dass ihr Vater zu den Verantwortlichen für den »Euthanasie«-Mord an seiner Tante gehört.

Kurz vor dem Mauerfall flieht Kurt mit seiner nun Angetrauten in den Westen, wo er in Düsseldorf erneut Kunst studiert. Im Wildwuchs der modernen Kunstformen des »Alles ist möglich« verliert er dort zunächst die Orientierung. Die Verachtung des Schwiegervaters für ihn und sein Tun in Kombination mit alten Familienfotos weisen ihm schließlich den Weg: Mit abgemalten, überblendeten und ins Unscharfe verwischten Fotos bestreitet er seine erste erfolgreiche Ausstellung.

Tom Schilling ist der Glücksfall dieses Films: Mit dem ihm eigenen passiv-lasziven Charme unterspielt der Darsteller von Oh Boy jede Pathos-Falle, die ihm das Drehbuch stellt. Die bedeutungsschweren Konfrontationen mit dem Nazi-Schwiegervater lässt Kurt gleichsam von sich abgleiten. Er wirkt nie so richtig involviert.

Ironie Genau das aber macht seine Figur interessant: Er bleibt ein Beobachter der Spannungen um sich herum. Dass einer wie er seine Handschrift in der Kunst wie als Medium findet, vermittelt Schilling glaubhaft, ebenso die Ironie, dass sein Werk ohne Autor mehr Autobiografisches enthält, als seine frühen Zuschauer und vielleicht er selbst wahrnehmen wollen.

Die Schwäche von Werk ohne Autor hat mit dem gewollt epischen Zugriff zu tun: Von der Nazi-Zeit über den Aufbau des Sozialismus in der DDR bis zur freien Kunstszene in Düsseldorf bebildert Henckel von Donnersmarck brav und bieder das, was der Zuschauer heute für typisch hält: böse blickende Faschisten, das brennende Dresden und ein exzentrischer Kunstprofessor mit Hut und Weste, der kiloweise Fett in eine Ecke schmiert. Manche Geschmacklosigkeit passiert ihm dabei, etwa wenn er die Gaskammern und ihre Opfer nachstellt.

Paula Beer als Kurts große Liebe bekommt trotz drei Stunden Filmlänge herzlich wenig zu tun und wird fast nur als dekoratives Beiwerk eingesetzt, das allerdings enervierend oft nackt. Man sieht in jeder Szene, dass hier kein Aufwand gescheut wurde, um die schwierige deutsche Vergangenheit lebendig werden zu lassen. Aber über dem Hang zum Illustrativen geraten die eigentlich spannenden Brüche der Künstlerbiografie, die Donnersmarck erzählen will, zur bloßen Anspielung.

Die Debatte um die Widersprüche und die Zusammenhänge von Nazi-Kunst, sozialistischem Realismus und Moderne, die Kurts beziehungsweise Gerhard Richters Werk durchziehen, etwa hätte einen weniger gefälligen, dafür aber ungleich aufregenderen Film ergeben.

www.youtube.com/watch?v=vfUK_adu26g

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