Finale

Der Rest der Welt

Mit dem Internet verhält es sich wie bei einer Packung Chips. Wenn man einmal begonnen hat, kann man nur schlecht damit aufhören. Ein Stück, noch eins, bis man 100 Kilogramm wiegt. Leider klicken wir (Männer) nicht nur interessante Wikipedia-Artikel an, sondern auch schmutzige verderbliche und frevelhafte Seiten. Also ich nicht, aber alle anderen (Männer).

Ein Rabbi war kürzlich in Zürich und hat noch auf einen anderen Punkt hingewiesen: Bedauerlicherweise straucheln auch viele Standhafte, die dreimal pro Woche in der Synagoge beten. Niemals würden sie den Computer starten, um willentlich Frauen zuzusehen, wie sie in einem Schaumbecken gegeneinander kämpfen und sich dabei die Kleider vom Leib reißen. Der Quell dieses Übels liegt in den Links. Überall findet man sie. Auf Nachrichtenseiten und Wegweisern für das fromme Leben. Man drückt arglos auf so einen Link und plötzlich ist man in Runde vier bei einem Kampf unter Emanzen gelandet.

Das ist ein großes Problem. Nicht unbedingt für mich, aber für alle anderen Männer, die nicht so willensstark sind. Heute möchte ich aber auf ein anderes Phänomen hinweisen. Interessanterweise verhält es sich mit der Wegverirrung auch umgekehrt. Man befindet sich zum Beispiel auf einer sündigen Seite und klickt sich durch die enorm lange Linkleiste durch, bis man bei einem rabbinischen Vortrag landet. Wie so etwas entstehen kann, lässt sich leicht erklären. Das Judentum ist sexy, prickelnd und atemberaubend. Der Weg von »Black Emanuelle« zu Rabbi Kostrovskys Vortrag über die fünf biblischen Getreidearten ist sehr kurz.

engelsgesang Vielleicht glauben Sie mir das nicht. Ich auch nicht. Ich habe nämlich ein Video auf YouTube gestellt. Es heißt »Frenkel singt«. Darauf singe ich eine Passage aus dem Hallel-Gebet. Ich habe mir sehr viel Mühe gegeben und unzählige Male am Lied gefeilt. Es hört sich an wie Engelsgesang, aber noch viel frommer und toller. Seit einem Monat steht der Kurzfilm nun im Web. Mein ursprünglicher Plan war eigentlich, dass ich die gleiche Karriere wie Justin Bieber einschlage – 100.000 Besucher pro Tag und Plattenverträge. Doch bislang haben erst 20 Leute mein schönes Liedchen angeklickt. 19-mal war ich das selbst. Wo sind all die Judenliebhaber, aber auch die Lesbenfans, die bei meinem Engelsgesang hängen geblieben sind?

Ich bin ziemlich enttäuscht. Früher war das Internet irgendwie besser. Aber heute? Warum wollen 120 Millionen Menschen einem Krokodil zugucken, wie es eine Antilope frisst, aber erst ein einziger Musikfreund meinem schönen Liedchen lauschen? Ich finde, das Internet sollte großflächig verboten werden. Die Menschen haben es in der Hand. Entweder klicken sie jetzt verdammt nochmal mein Video 100 Millionen Mal an, oder ich nehme es wieder raus. Die Welt würde viel verlieren.

Potsdam

Forschung zu NS-Geschichte von Naturwissenschaften

International bekannte Forschungsinstitute haben ihren Sitz auf dem Potsdamer Telegrafenberg. Ihre Vorgeschichte insbesondere in der NS-Zeit wird nun Thema eines Wissenschaftsprojekts

 04.08.2026

Film-Klassiker

So wurde »Stand by Me« der beste Jugendfilm der Geschichte

Vier Jungs suchen Ende der 50er in der US-Provinz eine im Wald liegende Leiche. Der Kult-Film ist zum 40. Jubiläum nun etwa auch beim ZDF im Stream. Mit welchen Tricks Regisseur Rob Reiner arbeitete

von Gregor Tholl  04.08.2026

London

Bandcamp wirft Pro-Israel-Song von Boy George von der Plattform

Der Sänger bleibt standhaft und überwindet erneut eine Hürde. »We Will Dance Again« kann wieder heruntergeladen werden

von Imanuel Marcus  04.08.2026

Paris

Berührend: Was seine Tochter dem »Asterix«-Schöpfer schreibt

Millionen kennen René Goscinny wegen »Asterix«. In »Das Klimpern der Schlüssel« schreibt ihm seine Tochter Anne als Erwachsene einen Brief. Daraus entstand ein berührendes Buch, nun auch auf Deutsch

von Sabine Glaubitz  03.08.2026

Singapur

»Massive Attack« bekommt wegen Palästina-Flagge ein Einreiseverbot

Die Frontmänner der britischen Band hatten die Fahne bei einem Konzert hochgehalten

 03.08.2026

Social Media

Wegen eines hebräischen Wortes: Ronaldo-Partnerin bekommt unzählige Hass-Kommentare

Georgina Rodríguez postete ein Bild von ihr und Ronaldo auf Mallorca und benutzte dabei ein einziges Wort Hebräisch. Die hämischen Kommentare ließen nicht lange auf sich warten

 03.08.2026

London

Nach Pro-Israel-Song: Boy George kündigt seinem Plattenlabel-Manager

Die Hintergründe

 03.08.2026 Aktualisiert

Programm

Kultursommer, Führungen und Einstein vs. Hawking: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 31. Juli bis zum 6. August

 02.08.2026

Gesprächsband

Jenseits der Dogmen

Daniel Cohn-Bendit, säkularer und linker Jude, blickt in »Erinnerungen eines Vaterlandslosen« auf ein spannendes Leben

von Marko Martin  01.08.2026