Finale

Der Rest der Welt

Seit drei Monaten habe ich ein Abonnement in einem Fitnessstudio. Bei der Anmeldung wog ich 107 Kilogramm und hatte bereits Mühe, die Treppe zum Fitnessraum hochzukommen. Ich wiege so viel, weil ich in der Nacht immer Chips esse. Manchmal gleich zwei Familien-Packungen. Früher, da sah ich auch nicht gut aus. Aber immerhin musste ich mich im Freibad nicht schämen. Jetzt bin ich 36 Jahre alt und will wieder fit aussehen.

Im Fitnessstudio meldet man sich nicht einfach an. Eine Angestellte, die sehr russisch aussah, ging mit mir an drei Tagen die verschiedenen Geräte-Stationen durch. Jede Maschine hat natürlich eine Bedeutung.

Kilogramm Die eine stärkt die Nackenmuskeln, die andere das Gesäß. Bei der B3-Maschine motivierte mich die Russin: »Kommen Sie, noch eine halbe Minute, dann haben Sie einen Waschbrettbauch.« Ich keuchte und betrachtete ihre Oberweite. Noch waren meine Brüste größer als ihre. Ich keuchte weiter. Mir gegenüber saß eine junge Frau, die genauso viele Kilogramm hochstemmte wie ich. Bei ihr jedoch sahen die Übungen so grazil aus. Ich dachte an meine großen Brüste und dann an Rocky I bis VI. Das half.

Eigentlich müsste ich nun zweimal in der Woche beim Training erscheinen. Nur so wirkt die Kräftigungstherapie. Richtig Lust auf die Übungen verspüre ich aber selten. Ich gehe etwa zweimal im Monat und weiß natürlich nie, was ich machen muss bei den Maschinen. Dabei gucke ich den anderen Besuchern zu. Die meisten sind Fettklöße wie ich. Auch sie kratzen sich am Kopf und lesen ausführlich die Bedienungsanleitung für die verschiedenen Geräte.

106 Mittlerweile wiege ich 106 Kilogramm. Ich finde, ich sehe jetzt besser aus. Manchmal stehe ich am Morgen so lange nackt vor meiner Frau, bis sie endlich weich wird: »Ja, du hast tatsächlich ein bisschen abgenommen!« Andererseits bin ich natürlich nicht dämlich. Ich weiß, dass ich viel zu viel wiege.

Meine Tochter hat unsere Kamera entdeckt und damit ein neues Hobby. Sie fotografiert uns aus allen Winkeln. Wenn der digitale Speicher voll ist und sie zu weinen beginnt, dann lösche ich die Fotos. Die Bilder, die sie von mir gemacht hat, geben Anlass zum Nachdenken. Normalerweise ziehe ich den Bauch ein, wenn ich fotografiert werde. Bei meiner Tochter ist das nicht möglich. Und so sehe ich, wie ich wirklich aussehe. Und so versuche ich wieder einmal abzunehmen. In den Ferien.

Mein Ziel: Unter 100 Kilogramm zu rutschen. Bitte beten Sie für mich und füttern Sie mich nicht mit Erdnüsschen. Danke.

Interview

»Putin hat einen riesigen Repressionsapparat aufgebaut«

»Memorial«-Mitgründerin Irina Scherbakowa über vier Jahre Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Folgen für die russische Gesellschaft

von Ralf Balke  22.02.2026

Kino

Wegen israelfeindlicher Propaganda-Rede bei Berlinale: SPD-Minister verlässt die Preisverleihung 

 21.02.2026

Berlinale

»Free Palestine« auf der Bühne

Filmemacher Abdallah Alkhatib wirft der Bundesregierung vor: »Sie machen mit beim Genozid Israels in Gaza«

von Katrin Richter  21.02.2026

Berlinale

David Cunio: »Als ich nicht sprechen konnte, habt ihr mir eine Stimme gegeben«

Die israelische Ex-Hamas-Geisel bedankte sich an einem ebenso denkwürdigen wie emotionalen Abend im Babylon-Kino bei Regisseur Tom Shoval für den Film »A Letter To David«

von Ayala Goldmann  21.02.2026

Hollywood

Mikey Madison und Adrien Brody als Oscar-»Presenter« benannt

Bald werden die Academy Awards verliehen. Nun benennt die Filmakademie die ersten Stars, die bei der Gala als »Presenter« auf der Bühne stehen. Den Auftakt machen vier Oscar-Preisträger

 20.02.2026

Berlinale Shorts

In der Kürze ...

»Les Juifs Riches« und »Plan Contraplan« erzählen aus jüdischen Leben

von Katrin Richter  20.02.2026

Berlin

Offener Brief zu Gaza: Berlinale-Chefin weist Zensurvorwürfe zurück

»Es stimmt nicht, dass wir Filmemacher zum Schweigen gebracht hätten«: Festivalchefin Tricia Tuttle reagiert auf harsche Kritik aus einem offenen Brief aus dem Branchenblatt »Variety«

 20.02.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  20.02.2026 Aktualisiert

Leipzig

Nach Ofarims Dschungel-Triumph: Influencer sammelt Spenden für Markus W.

Der Mann, den der Musiker 2021 fälschlicherweise des Antisemitismus beschuldigt hatte, bedankt sich und plädiert für Transparenz

 19.02.2026