Finale

Der Rest der Welt

Ich wollte schon vieles werden in meinem Leben: Rabbiner, Schauspieler, Dichter, Hugo Egon Balder (der Moderator von Tutti Frutti). Wahrscheinlich wäre ich auch alles geworden, wenn ich mich nur ein bisschen mehr angestrengt hätte. Leider aber bin ich von Natur aus faul. Nach dem Abitur überlegte ich lange, was ich studieren soll. Nichts Anstrengendes, nichts Schwieriges. Die Wahl fiel auf Primarschullehrer.

Als Lehrer bin ich fast alles: Rabbiner, Schauspieler, Dichter. Leider bin ich irgendwie auch Medizindoktor. Ich dummer Kerl habe nämlich mal erwähnt, ich wäre in der Schweizer Armee Zugsanitäter gewesen. Alle Rekruten wollten zu meiner Zeit Zugsanitäter werden. Man darf nämlich eine Woche lang Verbände anlegen üben, während die Kollegen sich im Dreck suhlen. Die Wahl fiel auf mich, weil ich wahrscheinlich so hübsch ausgesehen habe. Keine Ahnung. Und unter uns: Ich habe in dieser Woche nichts gelernt, wirklich nichts!

Luft Aber in meiner Schule gelte ich als Mediziner. Alle medizinischen Notfälle werden leider immer an mich delegiert. Das Einzige, was ich beherrsche sind allerdings nur zwei Medikamente: »Trink mal Wasser« und »Geh für fünf Minuten an die frische Luft«. In den allermeisten Fällen helfen diese zwei Rezepturen. Die Schüler sind danach geheilt. Wenn alles nichts nutzt, krame ich professionell im Arzneischrank herum und verabreiche ein Pflaster.

Kürzlich aber saß ich im Lehrerzimmer und stopfte ein langes Brot in mich hinein. Ein Junge klopfte Sturm. Ich fluchte leise vor mich hin und öffnete widerwillig die Tür. Zwei Zehnjährige standen vor der Tür. Der eine schrie, der andere heulte. Was war geschehen? Der Schreijunge gab dem Heuljungen einen Tritt, wobei der Heuljunge so unglücklich auf den Rücken fiel, dass ihm eine Warze platzte.

Warze Der Schreijunge zog dem Kameraden das Hemd hoch, sodass ich die Bescherung sehen konnte. Aus der Warze tropfte Blut. Ziemlich konstant, ziemlich eklig. Was jetzt? Ich ging mein Repertoire durch: Wasser trinken, frische Luft schnappen, Pflaster verabreichen. Ich war etwas ratlos. Die Mediziner unter den Lesern kennen das vielleicht von ihrem Berufsalltag. Ich guckte mir die Warze nochmals an. Könnte doch sein, dass ein Wunder plötzlich alles verheilte und der Heuljunge wieder lacht. Das Wunder trat nicht ein. Mist, mein Patient haut jetzt sogar dem Kameraden eine runter. Eine Keilerei beginnt. Ruhig Blut.

Ich brüllte: »Ich rufe jetzt meine Kollegen von der Hazole an. Ihr zwei geht raus an die frische Luft, trinkt meinetwegen etwas und wartet auf die Sanitäter!« Die Hazole kam in fünf Minuten angebraust. Übrigens: Der Junge konnte gerettet werden. Dafür ist mein Nimbus als Medizinprofessor dahin. Niemand kommt mehr für eine Stippvisite. Toll! Ich kann wieder mein Sandwich in mich hineinstopfen.

Philadelphia

Erstes Konzert nach Macklemore-Aus: Sheeran äußert sich

Wegen israelfeindlichen Äußerungen und einer antisemitischen Vorgeschichte wurde US-Rapper Macklemore aus dem Vorprogramm von Popstar Ed Sheeran gestrichen. Jetzt ist Sheeran erstmals wieder aufgetreten

 20.09.2026

Musik

Biermann mit neuen Liedern: »Mensch, misch’ dich ein«

Der Liedermacher Wolf Biermann präsentiert auf einem neuen Album Unveröffentlichtes - manches neu, manches auch noch aus DDR-Zeiten. Die Themen hätten sich kaum verändert, sagt der Künstler

 20.09.2026

Fernsehen

»Zu Asche, zu Staub«

»Babylon Berlin« endet düster: Die fünfte Staffel spielt in der Zeit um Hitlers Machtergreifung 1933

von Julia Kilian  19.09.2026

Kommentar

Die Schatten der Vergangenheit sind lang

Wie der Hessische Rundfunk über jüdische Grundstücke stolpert

von Daniel Neumann  18.09.2026

Zahl der Woche

5 Dinge

Fun Facts und Wissenswertes

 18.09.2026

Social Media

Nach weltweiten viralen Song: Hasswelle gegen israelische Band Temper City

Der Song der israelischen Band wird zum Welthit – bis die Herkunft der Musiker bekannt wird. Dann beginnt im Netz der Boykott

von Sabine Brandes  18.09.2026

Noah Bendix-Balgley

»Musikalisches Risiko ist wichtiger als absolute Perfektion«

Der Erste Konzertmeister der Berliner Philharmoniker über seine Philosophie beim Spiel, Kritik an Boykotten gegen Künstler und sein erstes Klezmer-Album

von Christine Schmitt  18.09.2026

Bewusstsein

Pause!

Warum wir unser Leben und unseren Alltag immer wieder gezielt entschleunigen sollten. Eine Hymne auf die Langsamkeit

von Sophie Albers Ben Chamo  18.09.2026

New York

Künstlerin macht New Yorker Guggenheim Museum zur Murmelbahn

Taryn Simon ist für ihre Foto-Reportagen berühmt. Für eine große Ausstellung im Guggenheim Museum hat sie sich dazu noch etwas ganz anderes einfallen lassen

 18.09.2026