Finale

Der Rest der Welt

»Huhuuuu..!«, klingt es von der anderen Straßenseite. Ein Grüppchen junger Mädels mit schwingenden Pferdeschwänzen und luftig bunten Sommerkleidern winkt zu uns herüber. Kennen wir uns? Da bemerke ich, dass keineswegs ICH gemeint bin, sondern mein Gatte, der ein paar Schritte vor mir geht, während ich mich im Schlepptau mit den Einkaufstüten abmühe.

Ich drücke Alain kurzerhand die Einkaufstüten in die Hände und winke den Mädels freundlich zurück. Das dämpft die Stimmung auf der anderen Seite doch erheblich. Betreten verschwinden die Groupies in einem Hauseingang. Gerade will ich Luft holen und Alain eine Standpauke halten, da kommt eine ausladende Gestalt mit Scheitel auf uns zugewatschelt. Sie steuert Alain an und verpasst ihm eine begeisterte Umarmung, die ihm beinahe die Wirbelsäule bricht. »Alain, mein Junge, brauchst du Hilfe? Suchst jemanden? Ich kann dir helfen, Shefele. Hier ist meine Karte. Und hier sind auch ein paar Fotos: blond oder braun?«, säuselt die Person. Alain starrt sie verständnislos an.

Heiratswütig Da fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Es ist eine Shadchanit. Sie will Alain verkuppeln! Auf einmal scheint mein Göttergatte in dieser Stadt wieder auf seinen Single-Status zurückgeschraubt zu sein! Heiratswütige Singles und zielstrebige Heiratsvermittlerinnen verfolgen ihn! Und ich? Empört schwinge ich meine Handtasche und vertreibe die unverschämte Person unter wüsten Beschimpfungen.

Aber der Albtraum geht weiter. Auf sämtlichen Hochzeiten und Bnei Mizwa der nächsten Wochen wird Alain von fülligen Damen mit knarzendem Korsett beiseitegenommen, die ich allesamt verscheuchen muss. Unser Briefkasten quillt über von rosa- und mauvefarbenen Zettelchen von »Reisis Heiratsbüro« und »Perlas Schadchen-Service«. Irgendwie scheint die ganze Stadt beschlossen zu haben, dass meine Ehe das Ende ihres Haltbarkeitsdatums erreicht hat, und Alain mich bald fallen lassen wird wie eine heiße Kartoffel, um sich nach einer neuen Braut umzusehen. Für mich wird es wohl langsam Zeit, sich in eine ausgedehnte Midlife-Crisis zu stürzen. Vielleicht beginnt wirklich bald mein neuer Lebensabschnitt als einsame heiße Kartoffel auf dem Trottoir.

Rache Moment mal: heiße Kartoffel? Ich habe einen Geistesblitz. Mir fällt ein, dass gerade ein ganz neues Schadchen-Büro in der Stadt aufgemacht hat. Leiterin ist niemand anderes als Zippora, die Ex von Alain, die er, als er mich kennenlernte, einfach abserviert hatte – wie eine heiße Kartoffel eben. Jetzt übt Zippora Rache und hetzt alle Heiratsvermittlerinnen und heiratswilligen Singles in Alains Richtung. Ich beginne, finstere Rachepläne zu schmieden, wie ich nachts in einem dunklen Hauseingang lauere und Zippora den Hals umdrehe.

Aber Alain hat eine bessere Idee. Ab sofort wird eine Honeymoon-Extrem-Traumpaar-Flirt-Offensive gestartet, wir sind nur noch Händchen haltend und süße Worte säuselnd unterwegs. Außerdem reserviert Alain regelmäßig die besten Tische in den gefragtesten Restaurants, wo man uns bei Kerzenlicht turtelnd antreffen kann. Diese Offensive werden wir knallhart durchziehen, bis auch die letzte Heiratsvermittlerin kapiert hat: Alain ist nicht mehr zu haben.

Die Träger des Georg-Stefan-Troller-Preises 2026

Frankfurt am Main

Auszeichnung für Journalisten und Buchautoren

Der Georg-Stefan-Troller-Preis für die Berichterstattung über jüdisches Leben wurde erstmals verliehen. Mit Mascha Malburg und Joshua Schultheis sind auch zwei JA-Journalisten unter den Ausgezeichneten

 11.10.2026

Frankfurt am Main

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Philippe Sands überreicht

Der Völkerrechtsanwalt forderte in seiner Rede ein Ende angeblicher »Debattenbeschränkungen« in Deutschland

 11.10.2026

Julia Franck

»Sie liebt, aber sie wird nicht geliebt«

Die Schriftstellerin über ihre literarische Biografie der Jüdin Baladine Klossowska und den Dichter Rainer Maria Rilke

von Knut Elstermann  11.10.2026

Aufgegabelt

Rote Bete mit Tahini

Rezepte und Leckeres

 11.10.2026

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Texten der Jüdischen Allgemeinen

 10.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

 10.10.2026

Kino

Ich habe »Naza« gesehen, und es ist ein übles Stück Propaganda

Es ist erschreckend zu sehen, wie große Teile der Filmwelt sich gerade selbst zu nützlichen Idioten der Hamas degradieren, indem sie ihr von Lügen und Blut getränktes Narrativ übernehmen

von Philipp Peyman Engel  10.10.2026

Berlin

733 Tage, 2 Stunden und 35 Minuten

Eine Ausstellung im Paul-Löbe-Haus erzählt von Verlust, Hoffnung und bleibenden Folgen in der Zeit zwischen dem 7. Oktober und dem Abkommen zur Freilassung der Geiseln

von Pascal Beck  09.10.2026

Essay

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Die Grenzen universitärer Selbstgewissheit

Antisemitismus ist an Universitäten längst kein Ausnahmeproblem mehr. Drei Jahre nach dem 7. Oktober stellt sich deshalb eine unangenehmere Frage: Was haben Universitäten über sich selbst gelernt?

von Frederek Musall  09.10.2026