Glosse

Der Rest der Welt

Das British Museum in London Foto: imago images / robertharding

Irgendwann sah ich sie doch. Wenn man dieser Tage nach London reist und dort britische Geldscheine oder Münzen zu Gesicht bekommen will, dann sollte man am besten ins Museum gehen.

Im British Museum, dem sehr großen, an einem Tag kaum zu bewältigenden Haus, stieß ich in einer historischen Überblicksausstellung über Geld neben allerlei antiken und mittelalterlichen Münzen auf aktuelle Pfund-Banknoten, auf denen unter anderem der Informatik-Pionier Alan Turing zu sehen ist.

Bargeld Ansonsten aber hatte ich in diesen fünf Frühlingstagen keinerlei Umgang mit Bargeld: In London wird nämlich alles per Karte oder Mobiltelefon bezahlt!

Trifft man bei uns in Frankfurt des Öfteren auf den Hinweis »Nur Barzahlung«, so begegnet man in Großbritanniens Hauptstadt ebenso oft dem Aushang »No Cash«. Sogar Londons Straßenmusiker haben sich pragmatisch den bargeldlosen Zeiten angepasst – und stellen anstatt eines Huts ein Kartenleseterminal hin, vor welches die Fußgänger bloß kurz ihr Smartphone halten müssen, um den schon vorgegebenen Pfund-Betrag zu spenden.

Problematisch ist die Abkehr vom Bargeld allerdings für Londons Obdachlose und Bedürftige, die sich noch nicht recht auf die neue Lage einstellen konnten. So gehen sie durch die Wagen der Underground-Linien und wundern sich über die kaum noch vorhandene Hilfsbereitschaft der Passagiere.

Masken Wundern kann man sich auch über die Abkehr vom Mund-Nasen-Schutz: Die Londoner haben ihn trotz der vor allem in den Underground-Stationen häufig plakatierten nachdrücklichen Empfehlung, weiter Masken zu tragen, in überwältigender Mehrheit abgelegt.

Die verbleibenden, vereinzelten Mas­kenträger scheinen sich mitunter still zuzuzwinkern, um einander ihrer unverdrossenen Covid-Schutzmission zu versichern. Fast gänzlich maskenlos präsentieren sich auch Londons Museumsbesucher, die wegen des gängigen freien Eintritts in die Dauerausstellungen wesentlich diverser erscheinen, als es hierzulande der Fall ist.

Ob Geschäftsleute in der Mittagspause, Familien aus Vororten, Touristen oder Jungscliquen: Die Museen dieser großen Stadt können manchmal überfüllt erscheinen, denn sie sind kein exklusiver Klub für Bildungsbürger, Wohlhabende und Eingeweihte. Doch nirgendwo sonst lassen sich so viele Kuriositäten aus vergangenen Zeiten bestaunen, wie etwa Papier- und Metallstücke, die sich einst Geld nannten.

Filmfestspiele

Was die Berlinale diesmal bietet

Wieder läuft keine israelische Produktion im Wettbewerb. Dafür finden sich viele jüdische und israelische Perspektiven im gesamten Programm

von Sophie Albers Ben Chamo  11.02.2026

Berlinale

»Wir wollen die Komplexität aushalten«

Wenn die Welt um einen herum verrücktspielt, helfen nur Offenheit und Dialog, sagt Festivalchefin Tricia Tuttle

von Sophie Albers Ben Chamo  11.02.2026

Meinung

Oliver Pochers geschmacklose Witze über Gil Ofarim

Der Comedian verkleidet sich auf Instagram als Ofarim und reißt Witzchen über die Schoa. Während echte Komiker Humor stets als ein Mittel nutzen, um sich mit den Schrecken und Abgründen dieses Verbrechens auseinanderzusetzen, tritt Pocher nur nach unten

von Ralf Balke  11.02.2026

Nachruf

Israels verkanntes Musikgenie

Unser Autor hörte Matti Caspi schon als Kind bei einem Konzert im Kibbuz. Eine persönliche Erinnerung an den Sänger und Komponisten, der mit 76 Jahren an Krebs gestorben ist

von Assaf Levitin  11.02.2026

Kultur

Ensemble, Schmäh und Chalamet: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 12. Februar bis zum 18. Februar

 11.02.2026

»Imanuels Interpreten« (18)

Clive Davis: Der Produzent

Ohne die lebende Legende wäre die Welt um viele umwerfende Songs ärmer. Von Chicago über Whitney Houston bis hin zu Santana: Alle arbeiteten mit ihm

von Imanuel Marcus  11.02.2026

Beverly Hills

Mit Hudson, Chalamet, Spielberg: Hollywood-Größen feiern Oscar-Nominierungen beim Lunch

Dieses Mittagessen gehört in Hollywood zur Oscar-Tradition: Beim traditionellen Oscar-Lunch treffen die Nominierten zusammen. Auch Deutsche sind dabei

 11.02.2026

Leipzig

Fall Gil Ofarim: Behörde sieht keinen Anlass für Ermittlungen

Im RTL-Dschungelcamp äußert sich der Sänger überraschend zu seinem damaligen Verfahren um angebliche antisemitische Äußerungen. Zu neuen Ermittlungen führen seine Mutmaßungen aber nicht

 11.02.2026

Leipzig

Hotelmitarbeiter: Gil Ofarim inszeniert sich wie ein Opfer

Vor vier Jahren warf der Musiker dem Hotelmitarbeiter Markus W. vor, ihn aus antisemitischen Gründen nicht einchecken lassen zu haben. Die Vorwürfe waren erfunden. Nun äußert sich der Mitarbeiter erstmals

 10.02.2026