Finale

Der Rest der Welt

Flechten kann auch nicht jeder ... Foto: Getty Images

Was ist wichtiger: Kochen oder Staubsaugen? Darüber streiten meine Frau und ich seit bald 20 Jahren. Es geht um den Schabbat und die Feiertage. Beziehungsweise um die Vorbereitungen. Also, was ist wichtiger? Backen, Kochen oder Geschirrspüler ausräumen und Biomüll raustragen?

Schon früh hat meine Frau meine Kenntnisse eingeschätzt und mir Hilfsarbeiten zugewiesen. Ich darf Möhren schneiden, aber kein Dressing zubereiten. Kartoffeln schälen, das mutet sie mir zu, aber eine Suppe daraus machen? Natürlich nicht.

Geschir Gäste kommen und gehen. Sie loben die drei Gänge. Ich darf das Geschirr raustragen. Wenn ich ein Lied anstimmen oder etwas Gescheites erzählen will, unterbricht mich meine Frau: »Schatz, könntest du vielleicht jetzt den Tscholent aus der Küche bringen?«

Das Ungleichgewicht stört mich immer mehr. Ich höre nie ein Lob, dass ich den Teppich so schön gesaugt habe oder genügend Schabbat-Toilettenpapier gerissen habe.

Eigentlich sind wir beide aufgeklärt. Wir glauben an eine gerechte Arbeitsaufteilung innerhalb der Familie. Dass sie mehr Geld nach Hause bringt, ist kein Thema für Zwist oder Neid. Dass sie in der Karriereleiter höher aufgestiegen ist als ich – das erfüllt mich mit Stolz. Ehrlich.
Andererseits: Wo wäre sie, wenn ich nicht zu Hause Staub saugen würde? Nirgends! Und was mich auch stört: Wenn wir gemeinsam in der Küche arbeiten, darf natürlich sie den Radiosender aussuchen. Ich muss ja nur Möhren schneiden.

Schabbat Manchmal frage ich sie, ob sie mir nicht zeigen will, wie man Challe macht. Also, wie man die komplizierten Schabbatbrote flechtet. »Zu kompliziert«, meint sie dann nur lachend. »Kannst du auch noch die anderen Möhren schneiden, Schatz?«

Das ist natürlich Strategie. Viele Frauen ticken so, das behaupte ich jetzt einmal frech. Sollen Gäste etwa die Challe ihrer Männer loben? Wie steht sie dann da? Nun, ich habe schon viele Videos auf YouTube angeguckt. Da stehen immer fröhliche Frauen in der Küche und flechten die Teigstränge in einer Geschwindigkeit, dass mir schlecht wird. Und überhaupt: Wie macht man einen Teigstrang?

Dann aber entdeckte ich, natürlich zufällig, im Internet eine Challa-Brot-Backform aus Silikon. »Einfach den Teig in die Backform geben und backen.« Das schaffe sogar ich, wahrscheinlich. Ein Rezensent gab der Backform fünf Sterne und lud auch gleich ein Beweisfoto hoch. So richtig lecker sah die Challe nicht aus. Aber sie würde mich endlich unabhängiger machen von meiner Frau. Das Problem: Unsere einzige Kreditkarte läuft über sie.

Berlin

Dieter Nuhr erhält Leo-Baeck-Preis 2026 des Zentralrats der Juden

Mit der höchsten Auszeichnung des Zentralrats würdigt die Organisation insbesondere Nuhrs Engagement gegen Antisemitismus in der deutschen Medienlandschaft

 11.05.2026

Monacensia

Münchner Schau zum Archiv von Rachel Salamander

Dem Jüdischen wieder Präsenz geben in der Gesellschaft: Das war das Ziel, das die Literaturwissenschaftlerin Rachel Salamander mit ihrer Buchhandlung erreichen wollte. Nun wird ihr Archiv nach und nach erschlossen

von Barbara Just  11.05.2026

TV-Tipp

Vieldiskutierter Blockbuster »Barbie« bei RTL - Komödie um die legendäre Puppe und eine irrwitzige Identitätskrise

Greta Gerwigs Erfolgsfilm um die berühmte Puppe Barbie, deren sorgenfreies Leben durch dunkle Gedanken gestört wird, so dass sie sich mit ihrem Verehrer Ken in die Welt der Menschen aufmacht, um die Krise zu überwinden

von Michael Kienzl  11.05.2026

ESC-Kolumne

Israel beim ESC: Gesungene Geschichte

Viermal hat Israel den Europäischen Gesangswettbewerb gewonnen. Wie sieht es wohl diesmal aus?

von Martin Krauss  11.05.2026

Wien

Israels ESC-Fans: Sind keine Repräsentanten für Politik des Landes

Sie sind stolz, Israels Interpreten anzufeuern und die Landesflagge zu schwingen. Eines wollen die Fans aus Nahost beim ESC aber nicht sein: politische Vertreter

 10.05.2026

Italien

Überschattet von Skandalen: Kunstbiennale Venedig beginnt

Die Jury tritt zurück, die große Feier fällt aus und ein israelischer Künstler sieht sich »völlig isoliert« – die 61. Kunstbiennale in Venedig war schon vor Beginn beschädigt. Nun hat sie ihre Tore offiziell geöffnet

 10.05.2026

Eurovision

Noam Bettan probt mit Buhrufen

Mehrere Länder boykottieren den Eurovision Song Contest 2026 wegen der Teilnahme Israels. Wie geht der Kandidat des Landes damit um, dass er in Wien zudem mit Störaktionen und Buhrufen rechnen muss?

 10.05.2026

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Aufgegabelt

Geburtstagskuchen

Rezepte und Leckeres

 10.05.2026