Finale

Der Rest der Welt

Schalom! Foto: Daniel R. Burch

Ich habe eine Nachbarin, die hasst Juden. So explizit hat sie das nie ausgedrückt. Aber wie sie mich anguckt und behandelt, kann sie nur eine Judenhasserin sein. Am Anfang war sie sehr lieb. Ich stellte mich ihr vor, als ich neben ihrer Wohnung einzog.

Kaffee Ich lud sie zu einer Tasse Kaffee ein, und wir lachten. Leider habe ich die Angewohnheit, allen Menschen spätestens nach drei Minuten meine Reli-gionszugehörigkeit zu offenbaren. Beim Ticketkontrolleur, beim Friseur, in der Warteschlange vor der Kasse. Ich kann nicht anders.

Meine Nachbarin stellte die Tasse Kaffee hin und lächelte ein letztes Mal. Seitdem habe ich nur Zores mit ihr. Sie verpetzt mich an die Hausverwaltung, weil Schuhe vor unserer Haustür stehen, und streicht meinen Namen von der Waschliste im Keller.

»Das ist der Preis meiner wunderschönen Religion«, dachte ich mir jahrelang. Nicht jeder fällt mir um den Hals, nur weil ich Jude bin.
Natürlich, ich versuchte alles. Da unsere Küche an ihr Schlafzimmer grenzte, spielte ich laut israelische Musik ab. Mit den Klassikern aus den 70er-Jahren (»Halleluja«) hoffte ich, eine Trendwende bei ihr einzuläuten.

Zettel Und vor Pessach, Purim, Chanukka und allen anderen Feiertagen legte ich vor ihrer Türe einen Zettel hin: »Liebe Nachbarin, heute könnte es leider sehr laut werden.« Es half nichts. Die Feindschaft wuchs sogar. Wenn sie mich auf der Straße sieht, wechselt sie demonstrativ die Seite. Ihr Blick wurde immer grimmiger. Sogar unser Kater fürchtet sich vor ihr.

Ich bin persönlich ein friedliebender Mensch. Liebe ist besser als Hass. Das ist mein Motto. Nicht sehr originell, ich weiß. Aber was soll ich mit dieser negativen Energie nebenan machen? Meine Frau hatte es leicht, sie guckte die Nachbarin ebenfalls böse an. Frauen können das besser. Irgendwann beschloss ich, mich damit geschlagen zu geben. Es gab, gibt und es wird Judenfeinde geben. So what? Das beruhigte mich irgendwie.

Marokko In letzter Zeit bekommt mein Weltbild ziemlich viele Kratzer: Israel schließt so etwas wie Frieden mit Bahrain und den Arabischen Emiraten. Und mit Marokko sollen die Beziehungen normalisiert werden. Frieden muss es mit der bösen Nachbarin ja nicht gleich geben. Aber Normalisierung? Das wäre schon schön. Donald Trump wird für seine Friedensbemühungen für den Nobelpreis gehandelt. So viel Geld habe ich nicht.

Doch wer Ähnliches zwischen der Judenfeindin und mir schafft, der kriegt die »Halleluja«-CD. Peace!

Philadelphia

Erstes Konzert nach Macklemore-Aus: Sheeran äußert sich

Wegen israelfeindlichen Äußerungen und einer antisemitischen Vorgeschichte wurde US-Rapper Macklemore aus dem Vorprogramm von Popstar Ed Sheeran gestrichen. Jetzt ist Sheeran erstmals wieder aufgetreten

 20.09.2026

Musik

Biermann mit neuen Liedern: »Mensch, misch’ dich ein«

Der Liedermacher Wolf Biermann präsentiert auf einem neuen Album Unveröffentlichtes - manches neu, manches auch noch aus DDR-Zeiten. Die Themen hätten sich kaum verändert, sagt der Künstler

 20.09.2026

Fernsehen

»Zu Asche, zu Staub«

»Babylon Berlin« endet düster: Die fünfte Staffel spielt in der Zeit um Hitlers Machtergreifung 1933

von Julia Kilian  19.09.2026

Kommentar

Die Schatten der Vergangenheit sind lang

Wie der Hessische Rundfunk über jüdische Grundstücke stolpert

von Daniel Neumann  18.09.2026

Zahl der Woche

5 Dinge

Fun Facts und Wissenswertes

 18.09.2026

Social Media

Nach weltweiten viralen Song: Hasswelle gegen israelische Band Temper City

Der Song der israelischen Band wird zum Welthit – bis die Herkunft der Musiker bekannt wird. Dann beginnt im Netz der Boykott

von Sabine Brandes  18.09.2026

Noah Bendix-Balgley

»Musikalisches Risiko ist wichtiger als absolute Perfektion«

Der Erste Konzertmeister der Berliner Philharmoniker über seine Philosophie beim Spiel, Kritik an Boykotten gegen Künstler und sein erstes Klezmer-Album

von Christine Schmitt  18.09.2026

Bewusstsein

Pause!

Warum wir unser Leben und unseren Alltag immer wieder gezielt entschleunigen sollten. Eine Hymne auf die Langsamkeit

von Sophie Albers Ben Chamo  18.09.2026

New York

Künstlerin macht New Yorker Guggenheim Museum zur Murmelbahn

Taryn Simon ist für ihre Foto-Reportagen berühmt. Für eine große Ausstellung im Guggenheim Museum hat sie sich dazu noch etwas ganz anderes einfallen lassen

 18.09.2026