Glosse

Der Rest der Welt

Nomen est omen Foto: Getty Images/iStockl

Meine Frau haderte lange mit meinem Vornamen: Beni. Eigentlich heiße ich Benjamin. Doch niemand nennt mich so. Außer meine Mutter. Aber nur, wenn sie früher wütend auf mich war und mich anschrie: »Ben-ja-min«. Meine Frau fand »Beni« als Männername peinlich. So wie Bambi. Ich bin für sie der Benjamin, für alle anderen aber immer noch der Beni.

Xaver Aber ich gebe zu, besonders maskulin hört sich die Kurzform von Benjamin tatsächlich nicht an. Richard, Thomas oder Xaver. Das wären maskuline Namen. Aber Beni? Es gibt keinen Weltliteraten namens Beni. Und: »keine Ergebnisse«, wenn man die Liste sämtlicher Nobelpreisträger mit dem Vornamen Beni kombinieren will.

Wenn ich so nachdenke, setzt mir das mehr und mehr zu. Zum Glück bin ich wenigstens nicht der einzige Mann mit niedlichem Vornamen. Ich habe lange an einer orthodoxen Schule unterrichtet. Daher weiß ich, dass ich in guter Gesellschaft bin mit meinem Kosenamen. Meine Schüler hießen: Moischi, Arumi, Janki, Jossi, Kiwi (von Akiwa) oder Pini.

Pini Das letzte Mal, dass ich die Jungs gesehen habe, liegt schon viele Jahre zurück. Manchmal erhalte ich eine Hochzeitseinladung meiner früheren Eleven. Da steht dann schwarz auf weiß: »Masel Tov! Pini und Ruchi heiraten« oder »Janki und Riwki«, »Herschi und Gitty«, »Uschi und Muschi«, »Nussi und Frummi«. Zum Glück weiß ich immer, wer der glückliche Bräutigam ist und wie die aufgeregte Braut heißt.

Früher fand ich das affig. Irgendwann muss man doch seinen Spitznamen abstreifen und wenigstens so tun, als wäre man erwachsen. Ich wurde aber auch älter und milder im Urteil. Heute ist es mir doch egal, wie der oder die heißt. Sollen sie doch.

Meine Gleichgültigkeit geht sogar so weit, dass ich mir auch eine neu übersetzte Bibel kaufen würde, in der der Stammvater Abraham halt Awrumi genannt wird und seine Frau statt Sarah Surele. Das hört sich viel vertrauter an. Und wie hieß der bärtige Mann, der uns die Tora vom Berg Sinai brachte? Mojschele, natürlich.

Schmuli Wer so einen ulkigen Namen hat, wird bestimmt auch niemals eines Verbrechens beschuldigt. Wer hat die Alte abgeknallt? Sicher nicht Schmuli! Wer hat die Bude abgefackelt? Auf keinen Fall Jossele!

Vielleicht sollten manche Politiker ihre Namen nicht ändern, aber zumindest etwas chassidisch aufpimpen. Duvidele Trump, Arele Gauland, Welwel Putin ... Nein, das würde ihnen doch nicht helfen. Hoffentlich nicht.

Muttertag

Moja Mama!

Die jiddische Mamme ist Motiv in etlichen Witzen. Dabei ist sie ist so viel mehr. Eine Würdigung aus der Perspektive eines Sohnes

von Jan Feldmann  08.05.2026

Kulturkolumne

Heißt David demnächst »Dschihad«?

Warum Michelangelo heute nie den Goldenen Löwen der Kunstbiennale-Jury von Venedig bekommen hätte

von Ayala Goldmann  08.05.2026

Meinung

LMU München: Ein Abschiedsbrief an meine geliebte Alma Mater

Ein Liebesbrief aus Enttäuschung an eine Universität, die sich selbst zu verlieren droht

von Guy Katz  08.05.2026

Meinung

Warum Erwin Rommel kein Vorbild für die Bundeswehr sein kann

Der Mythos vom ritterlichen »Wüstenfuchs« überlagert bis heute die wahre Geschichte hinter dem Nazi-General. Umso dringender ist eine Beschäftigung mit seiner Biografie

von Benjamin Ortmeyer  07.05.2026

Kino

Historiendrama: »Andor Hirsch« - Ein jüdischer Junge im Nachkriegs-Ungarn

»Andor Hirsch« ist ein Historiendrama um einen jüdischen Jungen, der im Ungarn der 1950er Jahre mitten in den Nachwehen des gescheiterten Volksaufstands in eine Identitätskrise gerät - als er erfährt, wer sein Vater ist

von Kira Taszman  07.05.2026

Zahl der Woche

60 bis 75 Minuten

Fun Facts und Wissenswertes

 07.05.2026

Satire

Wie die Jüdische Allgemeine in 80 Jahren entsteht

Die KI braucht keinen Urlaub und macht nie Fehler: Eine Vorausschau

von Ralf Balke  07.05.2026

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 18 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026

Presse

Laut und deutlich

Jüdische Zeitungen verstanden sich stets als Stimme ihrer Leserschaft. Daran hat sich auch in Deutschland bis heute wenig geändert

von Philipp Lenhard  07.05.2026