Nano-Technologie

Der Nase nach

Bekommt bald Konkurrenz durch Riech-Technologie: die olfaktorische Partnersuche Foto: Getty Images

Dass sie mit Mobiltelefonen eines Tages weit mehr anfangen könnten als telefonieren und Snake spielen, hätten sich die ersten stolzen Handy‐Besitzer sicher nicht einmal in ihren verwegensten Träumen ausmalen können.

Mittlerweile ist es zur Selbstverständlichkeit geworden, dass die kleinen Geräte Fotoapparate, Home‐Computer, die guten alten Telefonzellen, Einkaufslisten und vieles mehr ersetzt haben – und wenn es nach den Vorstellungen internationaler Forscher geht, soll das noch lange nicht alles gewesen sein.

Software Bald wird das Handy beispielsweise auch riechen können. Israelische Wissenschaftler stellten jetzt einen entsprechenden Sensor namens »NanoScent« vor. Das dahinter stehende gleichnamige Start‐up ist von dem Ingenieur Oren Gavriely und dem Software‐Entwickler Eran Rom in Haifa gegründet worden, beide haben reichlich Erfahrung mit der erfolgreichen Umsetzung innovativer Projekte vor allem im Biotech‐Bereich.

Dritter im Bunde ist der arabisch‐israelische Chemiker Hossam Haick, der am renommierten Technion lehrt und die Idee zu NanoScent hatte und die Technologie entwickelte. »Wir sind als eine Art Gehirn‐Kollektiv zusammengekommen, um diese Idee wahr werden zu lassen, indem wir unsere Fähigkeiten und unser Wissen bündeln und etwas erschaffen, das großes Potenzial hat«, sagt Oren Gavriely.

Gemeinsam hat man große Pläne: Der künstliche Geruchssinn, der derzeit lediglich als Chip existiert, soll zur Handy‐App weiterentwickelt werden und dann den Nutzern eine Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten bieten. Denkbar sei es zum Beispiel, den jedem Menschen eigenen Grundgeruch zu identifizieren und auf dieser Basis dann ein besonders gut dazu passendes Parfum, Duschgel oder Deodorant zu empfehlen, sagten die Forscher bei der Vorstellung von NanoScent.

Auch die Partnersuche könne entscheidend verbessert werden, denn jeder Mensch fühlt sich von einem bestimmten Geruch angezogen. Wenn dieser automatisch analysiert werden würde, könnte die Suche nach der verwandten Seele künftig wesentlich einfacher sein – und die israelische Erfindung auch für Dating‐Webseiten sehr interessant werden.

Die Technologie hinter dem, was vielleicht schon bald das Leben vieler verändern könnte, ist eigentlich von bestechender Einfachheit: Gerüche werden von dem Sensor aufgenommen und in einem bis zu 60 Sekunden dauernden Prozess analysiert, so dass eine Art Geruchs‐Fingerabdruck entsteht.

Kühe Erfolgreich eingesetzt wurde das Verfahren in Israel bereits: NanoScent konnte trächtige Kühe fehlerfrei aufgrund ihres durch Hormone veränderten typischen Geruchs identifizieren.

Das war ein wichtiger Meilenstein, denn neben den eher spielerischen Verwendungsmöglichkeiten soll die Riech‐Technologie später auch Leben retten oder Krankheiten verhindern können. Dass manche Hunde Krebserkrankungen am für Menschen nicht wahrnehmbaren spezifischen Geruch buchstäblich erschnüffeln können, ist beispielsweise schon länger bekannt. Wenn der Sensor diese Fähigkeit ebenfalls hätte, könnte dies die traditionellen Früherkennungsprogramme entscheidend ergänzen und dazu führen, dass Tumore bereits im Frühstadium behandelt werden können.

Auch folgenreiche Diätfehler zum Beispiel bei Diabetes oder Lebererkrankungen könnten von dem kleinen Sensor sofort erkannt werden. Ganz allgemein »ist es sehr wahrscheinlich, dass Nano‐Scent medizinische Diagnosen anhand des Geruchs erstellen kann. Damit eröffnet unser Produkt dem Verbraucher eine Menge Optionen, wie zum Beispiel das Erkennen von entzündlichen Prozessen im Körper oder einer beginnenden Grippe«.

Urin Bereits die Ärzte im antiken Griechenland benutzten für ihre Diagnosen auch ihren Geruchs‐ und Geschmackssinn, wissend, dass manche Krankheiten eine bestimmte Art von Mundgeruch oder anders als normal riechenden Urin bewirken.

Denkbar sei es jedoch auch, ganz profan Menschen, die im Großen und Ganzen gesund sind und sich lediglich optimal ernähren wollen, zu helfen, sagte Gavriely: Die Analyse der Körpergerüche könne in solchen Fällen in Verbindung mit anderen Daten wie Größe, Gewicht und Geschlecht auf fehlende Mineralstoffe hinweisen.

Diese vielen Möglichkeiten sind das ganz Neue an NanoScent: Während künstlicher Geruchssinn in den USA unter anderem von der Homeland Security eingesetzt wird oder in CSI‐Laboren Verwendung findet, kann zum ersten Mal auch das breite Publikum davon profitieren. »Hossams Lösung ist skalierbar, also anpassbar, und kann dazu eine große Masse Daten verarbeiten, mit der die künstliche Intelligenz dahinter gefüttert werden und weiter lernen kann – alle anderen Techniken haben diesen Anspruch nicht.«

Fitness Zunächst wolle man sich auf den Gesundheits‐ und Fitnessmarkt konzentrieren, fügte Gavriely hinzu. Die Aussichten für das 2017 gegründete Unternehmen NanoScent seien bereits glänzend, man verfügt bereits über zehn Mitarbeiter und hatte schon vor der offiziellen Vorstellung des Geruchs‐Chips Funding‐Kapital in Höhe von mehreren Millionen Dollar gesichert. Außerdem ist man momentan auf der Suche nach strategischen Partnerschaften mit großen Unternehmen, die eine der vielen Möglichkeiten der Geruchserkennung nutzen wollen. Dabei legt man allerdings Wert darauf, Kooperationen nur mit seriösen Firmen einzugehen.

Derzeit arbeiten die Forscher intensiv an einer Handy‐App, die in Verbindung mit dem Chip angeboten werden soll. Der Preis des Gesamtpakets soll, das ist den drei Israelis allerdings ganz wichtig, für möglichst viele Menschen erschwinglich sein und unbedingt unter 100 Dollar liegen. Wie die Kunden dann den Nano‐Scent nutzen, ob als Gesundheitsprogramm oder als Suchfunktion nach dem idealen Partner (oder dem optimalen Parfum), bleibt allerdings jedem selbst überlassen.

Israel

Hatari, Madonna und der BDS

Für ihre Auftritte beim ESC ernten die isländische Band und die Queen of Pop viel Häme

 19.05.2019

Lesen!

Mein Leben als Tochter

Die Schriftstellerin Barbara Honigmann setzt ihrem Vater mit »Georg« ein literarisches Denkmal

von Amir Wechsler  19.05.2019

Lexikon

Jüdischer Olymp

Der Physiker Mario Markus hat die Biografien von 222 Persönlichkeiten aufgeschrieben

von Ralf Balke  19.05.2019