Medizin

Der Heilung auf der Spur

Neuronale Netze sind hochkomplex. Foto: Getty Images/iStockphoto

Wieso erkranken Menschen an Amyotropher Lateralsklerose (ALS)? Obwohl diese äußerst schwere degenerative Erkrankung des Nervensystems seit mehr als 100 Jahren bekannt ist, gilt die Frage nach dem Krankheitsauslöser in der Medizin bis heute als Rätsel.

Wissenschaftler der Universität Tel Aviv sind in Sachen Ursachenforschung nun ein großes Stück weitergekommen: Erstmals ist es gelungen, den biologischen Mechanismus aufzudecken, der bei der Erkrankung zur Nervenzerstörung führt. In der Studie, die in der Fachzeitschrift »Nature Communications« veröffentlicht wurde, legen die Tel Aviver Forscher um Professor Eran Perlson zusammen mit internationalen Kollegen aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich und den Vereinigten Staaten nahe, dass der Verlauf der tödlichen Krankheit verzögert und in einem frühen Stadium sogar rückgängig gemacht werden kann.

ANHÄUFUNG Für ihre Studie konzentrierten sich die Forscher auf ein Protein namens TDP-43, das sich in den Gehirnen der übergroßen Mehrheit der ALS-Patienten ansammelt. Dabei entdeckten die Wissenschaftler einen bis dato unbekannten biologischen Zusammenhang zwischen der Anhäufung des Proteins und der Degeneration der neuromuskulären Verbindungsstellen, die neuronale Befehle in körperliche Bewegungen umsetzen.

Um ihre Ergebnisse zu bestätigen, verwendeten die Wissenschafter ein experimentelles Molekül.

Das Forscherteam entdeckte, dass die Ansammlungen des TDP-43-Proteins in neuromuskulären Verbindungen RNA-Moleküle einfangen und die Synthese von Proteinen für die mitochondriale (unter anderem energieerzeugende) Funktion verhindern. Das verursachte einen starken Energiemangel, verhinderte die mitochondriale Reparatur und führte zur Unterbrechung dieser Verbindungen und in der Folge zum Absterben von Motoneuronen im Rückenmark.

»Die Motoneuronen befinden sich im Rückenmark und müssen jeden Muskel im Körper erreichen, um ihn zu bedienen«, erklärt Perlson. Frühere Studien hätten gezeigt, dass die Axone von Motoneuronen – diese Fortsätze leiten die Signale weiter –, um diese komplexe Organisation aufrechtzuerhalten, eine erhöhte Energiemenge benötigten, insbesondere in den entlegensten Teilen, den neuromuskulären Verbindungen.

PRODUKTION Um ihre Ergebnisse zu bestätigen, verwendeten die Wissenschaftler ein experimentelles Molekül, das ursprünglich entwickelt worden ist, um die neurale Regeneration nach einer Verletzung durch den Abbau von Proteinkondensaten in neuronalen Erwei­terungen zu verbessern. So konnten die Forscher zeigen, dass dieses Molekül auch die axonalen TDP-43-Proteinkondensate in Zellen von ALS-Patienten zerlegen kann. Dieser Prozess verbesserte die Fähigkeit zur Produktion essenzieller Proteine, steigerte die mitochondriale Aktivität und verhinderte die Degeneration der neuromuskulären Verbindung.

ALS ist die häufigste Form der Motoneuronen-Erkrankungen mit einer Lebenserwartung von etwa drei Jahren.

»Diese Entdeckung kann zur Entwicklung neuer Therapien führen, die entweder die TDP-43-Proteinkondensate auflösen oder die Produktion von Proteinen steigern könnten, die für die mitochondriale Funktion essenziell sind, und dadurch die Nervenzellen heilen, bevor die irreversiblen Schäden im Rückenmark auftreten«, sagt Perlson. »Wenn wir in Zukunft früh genug diagnostizieren und eingreifen, wird es vielleicht möglich sein, die zerstörerische Degeneration in den Muskeln von ALS-Patienten zu verhindern.«

ALS ist die häufigste Form der Motoneuronen-Erkrankungen mit einer Lebenserwartung von etwa drei Jahren. Die Krankheit führt zu Lähmungen, Muskelschwund und schließlich zum Verlust der selbstständigen Atmung. Weltweit erkranken jährlich etwa ein bis zwei von 100.000 Menschen daran, die meisten von ihnen zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr.

Be'eri

Nach dem 7. Oktober

Daniel Neumann hat den Kibbuz Be’eri besucht und fragt sich, wie es nach all dem Hass und Horror weitergehen kann. Er weiß, wenn überhaupt, dann nur in Israel

von Daniel Neumann  31.12.2025

Sehen!

Fast alles über Johann Strauss

Eine Ausstellung im Jüdischen Museum Wien

von Tobias Kühn  31.12.2025

Shkoyach! Die Kulturkolumne

Der »Seinfeld«-Effekt oder: Curb your Antisemitism!

2026 kann ja heiter werden

von Sophie Albers Ben Chamo  31.12.2025

Sprachgeschichte

Rutsch, Rosch und Rausch

Hat der deutsche Neujahrsglückwunsch wirklich hebräische Wurzeln?

von Christoph Gutknecht  31.12.2025 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 31.12.2025

Programm

Götter, Märchen und Le Chaim: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 31. Dezember bis zum 13. Januar

 31.12.2025

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Themen der Jüdischen Allgemeinen

 28.12.2025

Film

Spannend, sinnlich, anspruchsvoll: »Der Medicus 2«

Nach zwölf Jahren kommt nun die Fortsetzung des Weltbestsellers ins Kino

von Peter Claus  25.12.2025

ANU-Museum Tel Aviv

Jüdische Kultobjekte unterm Hammer

Stan Lees Autogramm, Herzls Foto, das Programm von Bernsteins erstem Israel-Konzert und viele andere Originale werden in diesen Tagen versteigert

von Sabine Brandes  25.12.2025