Technik

Das fliegende Auto

Kann auch in dicht bebauten Gebieten landen: die Drohne »Cormorant« Foto: PR

Alle Welt redet vom autonomen Fahren. Die Entwicklung selbstfahrender Wagen gilt als das große Zukunftsthema in der Automobilindustrie. In Israel ist man aber offensichtlich schon ein ganzes Stück weiter und bereits beim autonomen Fliegen angelangt. Gemeint ist in diesem Fall kein gewöhnliches Unmanned Aerial Vehicle (UAV), gemeinhin als Drohne bekannt, sondern eine Art Kreuzung aus Helikopter und Hovercraft, die unter dem Namen »Cormorant« firmiert und ebenfalls ohne Piloten auskommt.

Rein optisch erinnert das Konzept eher an einen fliegenden Sarg mit Rotoren, aber diese Assoziation dürfte seinen Erfindern, dem israelischen Unternehmen Tactical Robotics aus Yavne, wohl wenig gefallen. »Schließlich soll der Cormorant Leben retten und Menschen an Bord nehmen können«, so Rafi Yoeli, CEO des Luftfahrzeugbauers Urban Aeronautics, zu dem auch Tactical Robotics gehört. Erste Testflüge absolvierte das Gerät Anfang 2015 auf einem Flugfeld bei Megiddo im Norden Israels. Nun wurde es einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Patent 39 Patentanmeldungen und 15 Jahre Entwicklungsarbeit liegen hinter dem fliegenden Auto, das aus der Not heraus geboren wurde. »Im letzten Libanonkrieg hat sich erneut die Verwundbarkeit von konventionellen Helikoptern gezeigt«, erklärt Rafi Yoeli die Idee dahinter. »Die ausladenden offenen Rotoren sind vom Gegner leicht zu treffen und stellen nicht selten auch am Boden eine Gefahr für Menschen dar.«

Deshalb sorgen beim Cormorant zwei geschützte, weil intern verbaute, waagerechte Hauptrotoren mit 180 Zentimetern Durchmesser für den Auftrieb. Zwei weitere kleine an den Seiten ermöglichen ein Fortkommen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 185 Kilometern in der Stunde. »Das Konzept erlaubt ein Starten und Landen selbst in sehr risikoreichen Zonen wie etwa zwischen Häuserschluchten in dicht bebauten Gebieten.«

Transportlast Mit einer Länge von nur sechs Metern sowie einer Breite von rund zwei Metern kann der Cormorant sich also genau dort fortbewegen, wo es für den Hubschrauber zu eng wird. Oder zu gefährlich. Kein Wunder, dass das israelische und das amerikanische Militär bereits großes Interesse an dem Projekt signalisiert haben. Denn mit dem Cormorant lassen sich zwei Verwundete bergen oder Nachschub mit einem Gewicht von bis zu 500 Kilo in ein problematisches Umfeld bringen. »Für die Zukunft ist eine Transportlast von 1,5 Tonnen anvisiert.«

Dank der maximalen Flughöhe von knapp 4000 Metern ist auch kein komplizierter Druckausgleich für mitfliegende Personen notwendig. »Der Cormorant hat das Potenzial, einige Aspekte der Kriegsführung zu revolutionieren«, lautet daher die Einschätzung von Tal Inbar. »Vor allem, was die Evakuierung von verletzten Soldaten auf dem Schlachtfeld betrifft«, so der Leiter des Drohnenforschungszentrums am Fisher Institute for Air and Space Strategic Studies der israelischen Luftwaffe in Herzlija.

Aber auch andere Einsätze sind denkbar. »Man stelle sich nur das Szenario eines Chemieunglücks oder einer von Terroristen zur Explosion gebrachten ›schmutzigen Bombe‹ vor«, erklärt Rafi Yoeli. »Dann lassen sich mit dem Cormorant erste Maßnahmen für eine Dekontaminierung einleiten.«

piloten Aufgrund der Tatsache, dass keine Piloten an Bord sind und der Cormorant autonom fliegt sowie mit zwei Roboterarmen ausgerüstet werden kann, eröffnen sich zahlreiche neue Perspektiven – beispielsweise bei der Versorgung von Ölförderplattformen oder bei schwierigen Wartungsarbeiten an Brücken oder Stromtrassen. Denn vollgestopft mit modernster Sensorik, Dopplerradar sowie Laserhöhenmesser und zahlreichen Kameras wird das rund eine Tonne schwere Luftfahrzeug, das aus Kohlenstofffaser-Verbundstoffen (CFK) besteht, aus sicherer Entfernung gesteuert.

Die Reichweite beträgt rund 50 Kilometer. Zwar entsprechen die Ausmaße des Cormorants so manchem SUV, das die Straßen verstopft. Doch wird er für die allerwenigsten eine Option sein, um dem täglichen Stau zu entkommen, indem man einfach nach oben in den Luftraum ausweicht. Das dürfte vor allem an dem stolzen Preis von rund 14 Millionen Dollar liegen. Amazon und ähnliche Anbieter, die alle nach Lösungen suchen, um Pakete via Drohnen auszuliefern, dürften daher ebenfalls als Kunden nicht in Betracht kommen. Dafür ist der Cormorant auch nicht gedacht.

produktpipeline Die Israelis sind nicht die Einzigen, die an dem Konzept der »Auto-Drohne« arbeiten. Vor einem Jahr bereits präsentierte der chinesische Luftfahrzeughersteller Ehang auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas sein profan »184« genanntes Fluggerät, mit dem eine Person für rund 23 Minuten abheben kann. Und auch Airbus hat mit dem CityAirbus ein fliegendes Auto, das Platz für vier Personen bietet, in der Produktpipeline.

Doch bevor Drohnen im militärischen und zivilen Bereich Passagiere an Bord nehmen können, gilt es noch einiges zu klären. Denn noch erlaubt keine Flugsicherungsbehörde auf der Welt den Betrieb von ferngesteuerten fliegenden Autos. Erst recht nicht in urbanen Ballungsräumen.

Programm

Kleine Großstadtdektive, ein musikalischer Golem und Gespräche: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 5. bis zum 12. März

 03.03.2026

Kult-Comics

80 Jahre Lucky Luke: Der Cowboy mit dem smarten Pferd

Zwar trägt Lucky Luke keinen Davidstern. Der jüdische Autor René Goscinny trug aber entscheidend zum Witz und dem großen Erfolg der Serie bei

 03.03.2026

Berlin

Tuttle will bei Berlinale bleiben - ist der Streit vorbei?

Die US-Amerikanerin Tricia Tuttle leitet das renommierte Filmfestival seit 2024. Nach Vorwürfen und Kontroversen legt sie sich fest: Sie will weitermachen. Aber längst nicht alle Fragen sind geklärt

von Verena Schmitt-Roschmann, Sabrina Szameitat  03.03.2026

Berlin

Weimer: »Auf gutem Weg« zu zukunftsfester Berlinale

Die US-Amerikanerin Tricia Tuttle will Leiterin des Filmfestivals bleiben. Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien reagiert knapp

 03.03.2026

Berlin

Tuttle: Will »in vollem Vertrauen« Berlinale-Chefin bleiben

Nach politischen Kontroversen wird lebhaft über die Zukunft der Berlinale diskutiert - und die ihrer Chefin. Im Interview erklärt Tricia Tuttle, wieso sie im Amt bleiben will

von Sabrina Szameitat  03.03.2026

Potsdam

Zentrum für jüdischen Film wird eröffnet

An der Filmuniversität Babelsberg soll Lea Wohl von Haselberg ein neues Zentrum für jüdischen Film und audiovisuelles Erinnern leiten

 03.03.2026

Doppel-Interview zu Holocaust-Forschung

»Wir streiten uns nicht über die Fakten«

Seit Wochen tobt im Feuilleton ein Streit über den Stellenwert der Kollaboration in den von Nazi-Deutschland besetzten Ländern. Erstmals diskutieren die Hauptprotagonisten, die Schoa-Historiker Jan Grabowski und Stephan Lehnstaedt, direkt miteinander

von Ayala Goldmann, Michael Thaidigsmann  03.03.2026

Berlin

Wirbel um Berlinale-Chefin: Tricia Tuttle hält an Amt fest

Wie geht es weiter bei der Berlinale? Es wurde lebhaft über die Zukunft des Filmfestivals und die Intendantin diskutiert. Nun äußert sie sich erstmals selbst dazu

 03.03.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Purim-Stress? Absolut zu empfehlen!

von Nicole Dreyfus  02.03.2026