Berlin

Das Beste aus zwei Welten

Kühle Köpfe in Jaffa: In Israel war es im September noch heißer als sonst. Foto: dpa

Synergie lag in der Luft. »Jeder bringt etwas von dem mit ein, was der andere nicht hat oder nicht so gut kann«, sagte Jeremy Issacharoff, Israels Botschafter in Berlin, und brachte damit das Thema des Abends auf den Punkt. »Denn zwischen Tel Aviv, Haifa und Jerusalem entstehen innovative Hightech-Produkte, nirgendwo sonst dürfte es so viele Start-ups auf so kleiner Fläche geben, und das Risikokapital pro Kopf gerechnet ist wohl das höchste der Welt.«

Aber wenn es um Start-ups und die Entwicklung von einer Geschäftsidee bis zu einem marktfähigen Produkt geht, herrschen in Deutschland und in Israel doch recht unterschiedliche Mentalitäten vor. »Angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Kooperationsvorhaben und gemeinsamen Projekte zwischen beiden Ländern in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen ist, sollte man diese gut kennen.«

Europa Genau deswegen kamen in der Residenz des Botschafters junge Start-up-Talente aus Israel und Deutschland zusammen, um über ihre Erfahrungen zu berichten, sich auszutauschen und natürlich zum Networking. Organisiert wurde das lockere Get-together von Ron Alpar, Initiator des »Jewish Start-Up Network«, das mittlerweile rund 800 Mitglieder nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa zählt. »Mindestens 100 von ihnen dürften heute Abend hier sein«, berichtet er nicht ohne Stolz.

In der Tat versammelten sich auf dem Podium junge Experten aus Israel, die hierzulande bei einigen Schwergewichten der Szene angeheuert hatten. Zum Beispiel Yonatan Goldwasser, der für APX, einem gemeinsam vom Axel-Springer-Verlag und Porsche betriebenen sogenannten Accelerator, der Start-ups durch Coaching begleitend unterstützt, als Director of Venture Development unterwegs ist. »Wir beobachten diese jungen Unternehmen in einer sehr frühen Phase ihrer Entwicklung«, skizziert er seine Arbeit.

Zuvor war er für The Boston Consulting Group und den Pharmagiganten Teva tätig; studiert hat Goldwasser unter anderem in Harvard, Princeton und am renommierten Massachusetts Institute of Technology. Sein Entschluss, ausgerechnet nach Berlin zu gehen, wurde von seinem Umfeld mit einiger Verwunderung zur Kenntnis genommen. »›Das ist ja wie Tel Aviv vor über 15 Jahren‹, hieß es immer etwas abwertend«, erinnert er sich. »Aber weil das hiesige Eco-System noch so unreif ist und genau deshalb viel Potenzial beinhaltet, das entdeckt werden will, finde ich es hier so spannend.«

Tellerrand »Israelis sind absolute Meister darin, über den Tellerrand hinauszublicken und aus einer Idee ein Produkt zu machen«, erklärt auch Dor Isseroff, Regionalmanager von Ironsource, einem israelischen Dienstleister für App- und Software-Entwickler. »Aber wenn es darum geht, als Unternehmen zu denken und zu handeln, dann wird es oft problematisch.«

Genau das aber sei die Stärke deutscher Firmen. Zudem würden sie alle Disziplinen der klassischen Ingenieurskunst beherrschen. Israelis können dagegen mit ihrer Expertise bei Software-Entwicklung, Cybersecurity und Digitalisierung punkten. Sie haben viel Know-how im Gepäck, das angesichts der dramatischen Entwicklung in einigen Schlüsselindustrien in Deutschland heiß begehrt ist.

»Der Trend zum autonomen Fahren beispielsweise zwingt die großen Autohersteller hierzulande, nach technischen Lösungen zu suchen«, so Doron Abrahami, Handelsattaché der Botschaft. »Und da kommen israelische Anbieter ins Spiel.« Als weiteres Interessensgebiet für deutsch-israelische Kooperationsvorhaben nennt er den Bereich Medizintechnik, in dem die Israelis ebenfalls oft die Nase vorn haben.

Unterschiede Start-ups in Israel sind im Unterschied zu denen in Deutschland aufgrund der beschränkten Aufnahmefähigkeit des Heimatmarktes gezwungen, sich schneller zu internationalisieren. Von den Talenten auf dem Podium wurde bemängelt, dass dabei der Blick viel zu stark auf die Vereinigten Staaten oder Asien gerichtet sei und Europa, allen voran Deutschland, ein wenig im Schatten steht.

Aber eine Geschäftsidee stieß auf allgemeinen Zuspruch. »Wenn ich in Berlin ein Unternehmen gründen würde, dann garantiert eines, das mit Klimaanlagen zu tun hat«, so Dor Isseroff. »Denn in diesem Bereich kann Deutschland noch eine ganze Menge von Israel lernen.«

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