Das Chemnitzer Schloßbergmuseum präsentiert von Sonntag an eine Ausstellung zu jüdischen Ritualbädern. Unter dem Titel »Ganz rein!« sind großformatige Fotografien von Peter Seidel zu sehen, teilten die Kunstsammlungen Chemnitz am Mittwoch mit. Anlass ist das »Jahr der jüdischen Kultur 2026« in Sachsen.
In Chemnitz waren 2022 bei archäologischen Ausgrabungen in der ehemaligen Johannisvorstadt die Überreste einer historischen jüdischen Mikwe entdeckt worden. Der Fund gilt sachsenweit bislang als einzigartig. Mikwen sind rituelle Tauchbäder, die nach klar definierten religiösen Vorschriften errichtet und genutzt werden. Sie dienen nicht der körperlichen Hygiene, sondern der spirituellen Reinigung.
Verborgene Orte
Fotograf Seidel aus Frankfurt am Main dokumentiert den Angaben zufolge seit 1987 solche Anlagen in Europa von der Antike bis zur Gegenwart. Eine repräsentative Auswahl seiner Werke ist bis zum 7. Juni im Schloßbergmuseum zu sehen.
Die Präsentation führe an verborgene Orte jüdischer Ritualpraxis und verbinde architektonische Dokumentation mit einer einfühlsamen Bildsprache, hieß es. Die Farbaufnahmen entstanden in Deutschland, Italien, Spanien, Österreich und Frankreich.
Seidels Arbeiten eröffneten »einen Zugang zu Räumen, die über Jahrhunderte hinweg zentrale Orte jüdischen Glaubenslebens waren und bis heute eine besondere Faszination ausüben«, hieß es. Der Künstler widme sich den meist unterirdisch gelegenen Anlagen mit »einem präzisen Blick für ihre bauliche Struktur und ihre besondere Atmosphäre«. Seit der Spätantike entstanden auch in Europa Mikwen. epd