Stockholm

Chemie, Physik und Medizin

Bei der Nobelpreisverleihung in Stockholm. Foto: dpa

In Stockholm sind am Dienstagabend die Nobelpreise für Literatur, Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaft überreicht worden. Schwedens König Carl XVI. Gustaf überreichte die Preise, die jeweils mit acht Millionen Kronen (rund 900.000 Euro) dotiert sind. Der Israeli Arieh Warshel, der Österreicher Martin Karplus und der Südafrikaner Michael Levitt erhielten gemeinsam den Nobelpreis für Chemie.

Alle drei sind Juden, Warshel und Levitt haben die israelische Staatsbürgerschaft. Ausgezeichnet wurden sie für ihre Forschung, die Grundlage für Computermodelle ist, um komplexe chemische Prozesse vorauszusehen und zu verstehen.

Der im Kibbuz Sde Nachum geborene Warshel studierte am Technion in Haifa und am Weizmann-Institut in Rechovot, seit den 70er-Jahren unterrichtet er als Professor Chemie und Biochemie an der Universität von Südkalifornien in Los Angeles. Levitt, geboren in Südafrika, unterrichtete in den 80er-Jahren am Weizmann-Institut, damals nahm er die israelische Staatsbürgerschaft an. Der Chemiker Karplus flüchtete 1938 als Kind vor den Nazis aus Österreich in die USA.

Gottesteilchen Der Nobelpreis für Physik ging an den Belgier Francois Englert und den Briten Peter Higgs. Die Arbeit der beiden theoretischen Physiker beschäftigt sich mit dem Higgs-Boson (auch »Gottesteilchen« genannt). Das Partikel verleiht allen anderen Teilchen Masse und erklärt, wie Sterne und Planeten geformt werden.

Der 80-jährige Englert ist Schoa-Überlebender. Während der Besetzung Belgiens durch die Nazis verbarg er seine jüdische Identität und lebte in Kinderheimen und Waisenhäusern. Englert lehrte und forschte bis zu seiner Emeritierung 1998 an der Université libre de Bruxelles. Seit 1984 hat Englert zudem die Sackler-Professur an der School of Physics and Astronomy an der Universität Tel Aviv inne.

Zellforschung Den Nobelpreis für Medizin bekamen die Biochemiker James Rothman, Randy Schekman und der in Göttingen geborene Thomas Südhof. Sie wurden für ihre Entdeckungen zu Transportprozessen in Zellen ausgezeichnet. Die drei Forscher haben gemeinsam die molekularen Prinzipien aufgedeckt, nach denen das zu transportierende Gut in einer Zelle zur richtigen Zeit zum richtigen Ort geliefert wird. Rothman und Schekman sind ebenfalls Juden.

Keinen jüdischen Gewinner hatte in diesem Jahr der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Ebensowenig der für Literatur. Die Laureatin, die kanadische Schriftstellerin Alice Munro, konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich in Stockholm erscheinen. ja

Berlin

Tricia Tuttle pocht auf Unabhängigkeit der Berlinale

Die Festival-Intendantin bleibt - und hat Empfehlungen für die weitere Arbeit des Filmfestivals auf den Weg bekommen. Wie schaut sie darauf?

 06.03.2026

Erfurt

Jüdisch-Israelische Kulturtage in Thüringen eröffnet

Die diesjährigen Jüdisch-Israelischen Kulturtage bringen israelische Kultur nach Thüringen und setzen mit Konzerten, Lesungen und Debatten ein Zeichen gegen Antisemitismus. Die Eröffnung stand im Zeichen der aktuellen Kämpfe im Nahen Osten

 06.03.2026

Forschungsprojekt

Hochschule für Jüdische Studien will Schüler handlungsfähig machen

Antisemitischer Hass ist im Netz allgegenwärtig. Ein neues Projekt erforscht jetzt linken Judenhass - und befähigt Schüler, der Hetze entgegenzutreten. Entscheidend dabei: Medienkompetenz und historisches Wissen

von Volker Hasenauer  06.03.2026

Medien

»Unverhohlen antisemitisch«: Scharfe Kritik an »taz«-Kommentar zu Josef Schuster

Eine Redakteurin der linken Tageszeitung schreibt, der Zentralratspräsident solle zum Irankrieg »einfach mal die Klappe halten«. Vertreter der jüdischen Gemeinschaft reagieren mit schweren Vorwürfen

von Joshua Schultheis  06.03.2026

Tel Aviv

»Michelle«: Israel stellt seinen Eurovision-Song 2026 vor

Das von Noam Bettan gesungene Lied kann man nun auch hören

 06.03.2026

8. März

Zurück an den Herd? Kommt nicht infrage!

Femizide erreichen Rekordzahlen, narzisstische Männer regieren die Welt. Liebe Frauen, steht dagegen auf, anstatt euch ins Privatleben zurückzuziehen! Ein Appell von Adriana Altaras

von Adriana Altaras  06.03.2026

Interview

»Der Kampf gegen Antisemitismus ist nicht die Aufgabe jüdischer Filme«

In Potsdam wurde das deutschlandweit erste universitäre Zentrum für jüdischen Film gegründet. Ein Gespräch mit der Leiterin Lea Wohl von Haselberg über schwierige Definitionen, kommende Projekte und eine zunehmend polarisierte Debatte

von Joshua Schultheis  05.03.2026

Berlin

»Nicht länger tragbar«: Rauswurf von Berlinale-Chefin Tricia Tuttle gefordert

»Das internationale Filmfestival in Berlin hat sich in den letzten drei Jahren in ein Antisemitismus-Festival verwandelt«, heißt es in einer Petition. Diese fordert zwei bestimmte Konsequenzen

 05.03.2026 Aktualisiert

Zahl der Woche

8,90 Euro

Funfacts & Wissenswertes

 05.03.2026