Redezeit

»Berlin war die erste Wahl«

Matan Porat Foto: Micha Kirshner

Redezeit

»Berlin war die erste Wahl«

Der Pianist Matan Porat über Freunde, Flugverspätung und das »Intonations«-Festival

von Jonathan Scheiner  23.04.2012 09:34 Uhr

Herr Porat, für das Musikfestival »Intonations« haben Sie ein prestigeträchtiges Auftragswerk komponiert. Wie kam es dazu?
Der Auftrag stammt von der Pianistin Elena Bashkirova, die das Festival seit numehr 15 Jahren in Jerusalem leitet. Elena und ich arbeiten schon länger zusammen. Ich bin seit acht Jahren regelmäßiger Teilnehmer des Jerusalem Chamber Music Festival und habe schon zwei Auftragswerke dafür geschrieben, das letzte vor zwei Jahren. Dieses Jahr, da »Intonations« zum ersten Mal in Berlin stattfindet, bat mich Elena, ein neues Werk zu komponieren. Das war eine einzigartige Chance für mich, weil ich etwas versuchte, was ich mich normalerweise nicht traue.

Worum geht es bei Ihrer Komposition?
Das Stück, das ich geschrieben habe, ist ein Requiem, das man mehr oder weniger auch als ein Musiktheaterstück begreifen kann. Es wurde für fünf Spieler und ein Klavier notiert, aber nur einer ist Pianist. Die ganze Zeit spielen zwei Menschen mit vier Händen, und die drei anderen Musiker spielen sozusagen »mit« dem Klavier. Mal dient es als Perkussionsinstrument, mal als Streichinstrument, das mit dem Bogen zum Klingen gebracht wird. Oder die Musiker singen und sprechen beim Spielen. Sie kreieren eine Zeremonie, die von den Zuhörern als etwas sehr Rituelles und zugleich Fremdes angesehen wird. Elena Bashkirova hat eine wunderbare Auswahl an Musikern getroffen, zwei Blasinstrumente, einen Streicher, einen Sänger und mich.

Viele der Musiker des Festivals stammen aus Israel, leben aber wie Sie in Berlin. Warum ist die Stadt ein solcher Magnet geworden?
Nach dem Ende meines Studiums war Berlin die erste Wahl für mich als Musiker. Viele meiner Freunde wohnen hier. So wie der Mandoline-Spieler Avi Avital, mit dem ich sehr eng befreundet bin. Die Verbindung ist kurioserweise nicht in Berlin, sondern auf einem Flughafen entstanden. Wir wussten, wer wir sind, weil wir unsere Gesichter erkannten. Während dieser sechs Stunden, in denen wir auf unseren Flug warten mussten, sind wir sehr gute Freunde geworden.

Wie entstand der Kontakt mit der Festival-Leiterin Elena Bashkirova?
Oh, das ist schon lange her. Ich habe Elena kennengelernt, nachdem ich Maestro Daniel Barenboim, ihren Ehemann, getroffen hatte, für den ich gespielt hatte. Kurz darauf hat er mich ihr empfohlen. Über die Jahre ist das Festival in Jerusalem für mich zu einer Art Heimat geworden, in die ich jedes Jahr im September zurückkehre. Es besteht aus eine Reihe von einzigartigen Musikern. Es hat sich sowohl bei den Musikern untereinander als auch zu den Zuhörern eine ganz besondere Beziehung entwickelt.

Elene Bashkirova ist jüdisch, aber sie definiert sich primär nicht als Jüdin, sondern als Musikerin. Wie ist das bei Ihnen?
Meine Mutter ist irakischer und mein Vater russischer Abstammung, also bin ich aschkenasisch-sefardisch. Ich bin der einzige Musiker in meiner Familie. Schon in sehr jungen Jahren habe ich gesungen und auf dem Tisch mit kleinen Spielzeug-Instrumenten musiziert. Also haben meine Eltern entschieden, ich solle ein richtiges Instrument lernen. Und das erste Instrument, das ich in einem Laden gesehen habe, war ein Klavier. Ich habe mich sofort darin verliebt. Da war ich gerade mal sechs Jahre alt.

Mit dem Musiker sprach Jonathan Scheiner.

Matan Porat studierte an der Rubin Academy Tel Aviv und absolvierte die Juilliard School of Music, bevor er 2006 für zwei Jahre nach London ging.

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