Raubkunst

Beratende Kommission gegen Restitution

Corinth malte das Porträt zum 40. Geburtstag des Journalisten und Theaterkritikers Kerr. Foto: picture alliance / akg-images

Raubkunst

Beratende Kommission gegen Restitution

»Portrait Alfred Kerr« von Lovis Corinth soll nicht an Erben des jüdischen Vorbesitzers zurückgegeben werden

 22.07.2021 16:59 Uhr

Die Beratende Kommission für NS-bedingt entzogenes Kulturgut hat sich gegen eine Restitution des Gemäldes »Portrait Alfred Kerr« von Lovis Corinth durch das Stadtmuseum Berlin an die Erben des jüdischen Vorbesitzers Robert Graetz ausgesprochen.

»Die Kommission geht zwar davon aus, dass Robert Graetz seine Kunstsammlung größtenteils NS-verfolgungsbedingt verloren hat«, heißt es in der am Donnerstag am Berliner Standort veröffentlichten Empfehlung der in Magdeburg sitzenden Einrichtung. Es sei allerdings »nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit« klar, dass auch das 1907 entstandene Gemälde Graetz verfolgungsbedingt entzogen wurde und er in dem komplizierten Fall »gegebenenfalls der Primärgeschädigte« war. Darüber hinaus stehe ein 1957 geschlossener Vergleich der Rückgabe entgegen.

eigentum Corinth (1858–1925) malte das Porträt zum 40. Geburtstag des Journalisten und Theaterkritikers Kerr (1867–1948). Das Bild war laut Kommission spätestens 1926 Eigentum des Architekten Leo Nachtlicht, von dem Graetz es erwarb. »Das weitere Schicksal des Bildnisses lässt sich hingegen kaum nachverfolgen«, heißt es.

Es sei »nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit« klar, dass das 1907 entstandene Gemälde Graetz verfolgungsbedingt entzogen wurde, urteilte die Kommission.

Dokumentiert ist eine Verbindung von Graetz zu Gertrud Kahle mit monatlichen Zahlungsverpflichtungen. Erben der ebenfalls von den Nazis verfolgten Kahle verkauften das Bild 1956/57 an das Schiller-Theater, nachdem sie einen Vergleich mit den Graetz-Erben geschlossen hatten. 1974 ging das Gemälde per Übertragung an das Stadtmuseum.

provenienz »In der Gesamtwürdigung« kam die Kommission zur Einschätzung, das Werk sei nicht zu restituieren. Das Gemälde sei allerdings »auf bedrückende Weise« mit vier Verfolgungsschicksalen verknüpft. »Die Familien von Alfred Kerr, Leo Nachtlicht, Robert Graetz und Gertrud Kahle waren sämtlich Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung«, heißt es. »Sie wurden unterdrückt, beraubt, deportiert, in die Flucht getrieben oder ermordet.« Die Kommission empfahl dem Stadtmuseum Berlin, diese Provenienz bei künftigen Umgang mit dem Porträt »auf angemessene Art und Weise« zu würdigen.

Die von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden eingesetzte Kommission kann bei umstrittenen Restitutionsfällen auf Wunsch der Beteiligten zur Mediation eingeschaltet werden. Dabei wird erwartet, dass sowohl öffentliche Einrichtungen wie auch Private diese Empfehlungen befolgen. dpa

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« reagiert auf Rüge des Deutschen Presserats

19 Rügen verteilt der Presserat an die deutsche Medienlandschaft. Eine davon geht an die »Jüdische Allgemeine« - wegen angeblicher gravierender Ehrverletzung eines in Gaza getöteten Journalisten

 23.03.2026

Hollywood

»Enigma Variations«: Aaron Taylor-Johnson übernimmt Hauptrolle in neuer Serie

Im Zentrum der Handlung steht eine Figur namens Paul, deren Leben durch verschiedene Beziehungen geprägt wird. Die Geschichte beleuchtet Fragen von Identität, Begehren und Liebe

 23.03.2026

Filmklassiker auf der Bühne

Premiere in Hamburg: »Zurück in die Zukunft« als Musical

In den 1980er-Jahren war der Film ein Riesenerfolg. Als Musical feierte die Komödie am Wochenende in Hamburg Premiere. Bob Gale, der jüdische Co-Autor der Filmtriologie, schrieb das Musical

 23.03.2026

Jubilar

»Mikrofon für die Seele«: Klezmer-Musiker Giora Feidman wird 90

Giora Feidman hat die jüdische Klezmer-Tradition in den Konzertsaal gebracht. In einfachen Liedern findet er große spirituelle Tiefe. Mit seiner Musik will der Klarinettist Menschen verbinden – und pflegt bei seinen Konzerten ein bestimmtes Ritual

von Katharina Rögner  23.03.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Mit Fran Lebowitz und Larry David in der Ringbahn – ein Traum

von Katrin Richter  22.03.2026

Geburtstag

Für immer Captain Kirk: William Shatner wird 95

Mit der »Enterprise« brach er in den 60er Jahren in die »unendlichen Weiten« des Weltalls auf. »Star Trek« machte den jüdischen Schauspieler weltberühmt

von Holger Spierig  22.03.2026

Aufgegabelt

Tahini-Gugelhupf mit Kardamom und Orange

Rezept der Woche

von Katrin Richter  21.03.2026

Journalismus

Neuer Georg Stefan Troller Preis ehrt Beiträge über jüdisches Leben

Er hat einst das Interview-Format revolutioniert. Ein neuer Journalisten-Preis wird im Namen des im September 2025 gestorbenen Schoa-Überlebenden Georg Stefan Troller ausgeschrieben

 20.03.2026

Genuss

Koschere Frühlingsblumen

Warum der Sederabend für Weinliebhaber kein Albtraum mehr sein muss

von Jacques Abramowicz  20.03.2026