Finale

Benis Welt

Donnerstag voriger Woche war ein brutal heißer Sommertag. Keine einzige Wolke am Himmel, die Sonne schien erbarmungslos nieder. Zur Hitze kam noch die Peinlichkeit hinzu. Ich schwitze sehr leicht. Rinnsale aus Körperflüssigkeit bilden sich auf meinem Resthaar und fließen nach wenigen Minuten meinen Hals und den restlichen Körper herunter. Mir ist das sehr unangenehm. Um mich und meine Mitmenschen vor unangenehmen Gerüchen zu schützen, laufe ich im Sommer deshalb oft mit weit ausgebreiteten Armen herum, wie ein gekreuzigter Jesus.

Ausgerechnet an diesem heißen Tag musste ich im Koscherladen Besorgungen erledigen. Das tue ich normalerweise gern. Das Geschäft ist sehr gut sortiert. Es gibt drei verschiedene Sorten Gefillte Fisch in der Dose, jede Menge koscher Süßigkeiten und Käse in zwei Preisklassen: teuer und unverschämt teuer.

biergarten Was der Laden leider nicht hat, ist eine Klimaanlage. Dafür aber einen Biergarten ein Haus weiter. Als ich nass geschwitzt mit meiner Einkaufstüte aus dem Geschäft kam, sah ich dort fröhliche Männer (Frauen waren nicht zu erblicken), die gut gelaunt ihre Biergläser zum Mund führten. Das brauchte ich jetzt auch. Ich setzte ich mich zu den glücklichen Menschen und bestellte ein kühles Bier. Es schmeckte vorzüglich.

Es heißt, dass ein schöner Schabbat ein Sechzigstel der künftigen Welt sei. Mir würde es reichen, wenn ich mich in der nächsten Welt so toll fühlen würde wie bei diesem eiskalten Bier an einem brütend heißen Tag. Auch das zweite Bier und das dritte schmeckten herrlich!

gesang Beim vierten Bier begann ich zu singen. Ich weiß nicht mehr, welche Melodie es war. Aber sie muss schön geklungen haben. Sonst wären nicht Kunden aus dem Koscherladen in den Biergarten gekommen, um mich anzuschauen und anzuhören. Darunter ein Junge, der mich mit offenem Mund angaffte und dann ansprach. Er heiße Menachem und sei ein Schüler von mir. Mir sagte das nichts. Außerdem wollte ich mich jetzt nicht über die Arbeit unterhalten. Es gab Wichtigeres. Ich bestellte noch ein Bier und prostete dem Jungen und seiner attraktiven Mutter zu. Dann sang ich weiter.

Gestern habe ich eine E‐Mail vom Rektor unserer Schule bekommen. Er will mit mir über eine, wie er schreibt, »sehr ernsthafte Angelegenheit« sprechen. Ich habe ihm vorgeschlagen, dass wir uns im Biergarten treffen.

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