Podcast

Ben Salomo im Gespräch

FDP-Chef Christian Lindner stellt dem Rapper Fragen über jüdisches Leben, Israel und Judenhass im Hip-Hop

 31.10.2019 12:05 Uhr

Rapper und Autor: Ben Salomo Foto: dpa

FDP-Chef Christian Lindner stellt dem Rapper Fragen über jüdisches Leben, Israel und Judenhass im Hip-Hop

 31.10.2019 12:05 Uhr

Nach dem Anschlag auf die Jüdische Gemeinde von Halle waren sie wieder allerorten zu hören, die vielen gut gemeinten, aber oft ohne politische Folgen bleibenden Versicherungen von Politikern, dass jüdisches Leben zu Deutschland gehöre, der Angriff ein »Warnsignal« gewesen sei und Antisemitismus ohnehin keinen Platz in diesem Land habe.

Inmitten dieser leider nur allzu häufig eingeübten Choreografie, die zu den Reaktionen auf Terror in Deutschland mindestens so stark gehört wie die Anschläge selbst, ging eine sehr beachtliche Reaktion auf Halle weitgehend unter: In Christian Lindners neuem Podcast 1 Thema, 2 Farben antwortete vergangene Woche der deutsch-israelische Rapper Ben Salomo eine Stunde lang auf die Fragen des FDP-Parteivorsitzenden.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die Versuchsanordnung macht Lindner gleich zu Beginn des Gesprächs klar: Der Podcast soll ein ernst zu nehmender Versuch sein, sich dem Thema Antisemitismus in Deutschland gründlicher zu widmen als mit ein paar Lippenbekenntnissen, die fünf Tage später im nachrichtlichen Grundrauschen untergehen – und es sollen auch Menschen erreicht werden, in deren Alltag Judenhass maximal in einer Meldung vorkommt, die sie gerade (über-)lesen.

BDS Ben Salomo geht durchaus ans Eingemachte. Angefangen bei seinen Erfahrungen als Fünfjähriger, der sich wundert, dass sein jüdischer Kindergarten von Polizisten bewacht wird, über den besten Freund, der seine großen Brüder holt, als er erfährt, dass der elfjährige Jonathan gar nicht Muslim, sondern Jude ist, bis zu dem Moment, als sich Puzzleteile wie diese mit den Schicksalen in seiner Familie zusammenfügen und ein Bild entsteht, »das erklärt, warum in Deutschland jüdische Kindergärten bewacht werden müssen«.

Natürlich geht es auch um den offenen Judenhass im Rap-Geschäft und BDS, Kausalitäten und Doppelstandards, wobei Ben Salomo beeindruckend sachlich und präzise analysiert, wann und warum bestimmte Äußerungen nichts mehr mit Kritik zu tun haben, sondern in irrationaler Ablehnung, wenn nicht sogar Hass begründet liegen. Es geht um die »Grenzverschiebungen des Sag- und Machbaren« in der deutschen Gesellschaft und die »Heuchelei« von Regierungsrepräsentanten, die »Nie wieder!« beteuern und gleichzeitig Glückwünsche nach Teheran schicken. Lindner pflichtet dem Berliner Rapper immer wieder bei und bestärkt ihn.

Ein Streitgespräch ist der Podcast nicht. Stattdessen ein immer wieder notwendiges Frage-und-Antwort-Interview, und endlich wird auch mal ein Jude gefragt. Der ist sogar Rapper, sodass er junge Menschen erreicht, die für die alten Parteien längst unerreichbar sind. Zu diesem Zweck tourt Ben Salomo übrigens gerade durch Deutschland und steht an Schulen und Universitäten Frage und Antwort. Damit es in Deutschland eben nicht so wird »wie in Frankreich« oder in Halle. bch

»1 Thema. 2 Farben«. Auf Spotify, iTunes und YouTube

»The Wanderers«

Auf der Suche nach Freiheit

Das Hamburger Ernst Deutsch Theater bringt ein Stück über die Ehe zweier junger Satmarer auf die Bühne

von Daniel Killy  03.02.2023

Rezension

Vom Hass zum Völkermord

Nach sieben Jahrzehnten erscheint Léon Poliakovs Meisterwerk auch in deutscher Sprache

von Holger Böning  03.02.2023

Sehen!

»Fritz Bauers Erbe«

Ein beeindruckender Dokumentarfilm über die wahrscheinlich letzten NS-Prozesse

von Ralf Balke  02.02.2023

Netflix

Zur richtigen Zeit ein falscher Film

In »You People« liebt ein weißer Jude eine schwarze Muslimin, deren Vater Antisemit ist

von Joshua Schultheis  02.02.2023

Literatur

Die koschere Zimtschnecke

Über den Reiz des Jüdischen im Roman »Blutbuch« von Kim de l’Horizon

von Naomi Lubrich  02.02.2023

»Concerned Citizen«

Gentrifizierer wider Willen

In dem Film zieht ein linksliberales Pärchen in ein raues Viertel von Tel Aviv – und wird mit eigenen Vorurteilen konfrontiert

von Thomas Abeltshauser  02.02.2023

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter  02.02.2023

Kulturstaatsministerin

Unklarheit über Neuaufstellung bei Antisemitismus-Prävention

Claudia Roth plant Umstrukturierungen im Kampf gegen Judenhass

 01.02.2023

Mainz

Würdigung des jüdischen Erbes am Rhein

2021 nahm die Unesco die SchUM-Gemeinden als erstes jüdisches Welterbe in Deutschland auf. Zum Festakt gibt es viel Lob - aber auch eindringliche Mahnungen

 01.02.2023