Musik

Barenboim tritt als Generalmusikdirektor zurück

Geboren am 15. November 1942 in Argentinien: Daniel Barenboim Foto: picture alliance / Roman Zach-Kiesling / First Look / picturedesk.com

Daniel Barenboim tritt als Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden zurück. Das gab der 80-Jährige am Freitag in Berlin bekannt. Seit 1992 hatte er diese Position inne. Hintergrund der Entscheidung ist seine langjährige Erkrankung. Ursprünglich sollte Barenboim bis 2027 Generalmusikdirektor bleiben. Der argentinisch-israelische Pianist und Dirigent ist 80 Jahre alt.

»Leider hat sich mein Gesundheitszustand im letzten Jahr deutlich verschlechtert. Ich kann die Leistung nicht mehr erbringen, die zu Recht von einem Generalmusikdirektor verlangt wird«, hieß es in einer Erklärung Barenboims. »Deshalb bitte ich um Verständnis, dass ich zum 31. Januar 2023 diese Tätigkeit aufgebe.«

In den vergangenen Jahren hatte er mehr als einmal den Wunsch geäußert, an der Staatsoper zu bleiben, sollte seine Gesundheit mitspielen und sollten die Musiker einverstanden sein.

Daniel Barenboim, der sowohl Dirigent als auch Pianist ist, gilt als einer der prominentesten Klassikkünstler der Welt.

Im Alter von fünf Jahren begannen seine Eltern, ihm das Klavierspiel beizubringen. Nur zwei Jahre später gab er sein erstes Konzert in Buenos Aires. Im Jahr 1952 zog Barenboim mit seiner Familie nach Europa.

Früh, mit 11 Jahren, begann er ein Dirigierstudium bei Igor Markevitch und Wilhelm Furtwängler, bevor die Barenboims schließlich nach Israel zogen. Weitere zwei Jahre später, als er gerade einmal 13 war, wurde er in London und Paris als Pianist gefeiert. Es folgten viele Jahrzehnte der Kooperation mit vielen Orchestern.

Von 1991 bis 2006 war Daniel Barenboim als Chefdirigent des Chicago Symphony Orchestra tätig. Von 1992 an war er zugleich Künstlerischer Leiter und Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden, ursprünglich auf Lebenszeit.

Berlins Kultursenator Klaus Lederer hat Barenboims Ankündigung begrüßt. »Ich bin überzeugt, dass Daniel Barenboim die richtige Entscheidung getroffen hat, auch, wenn der Prozess und letztlich der Entschluss für ihn sicher nicht einfach waren«, sagte der Linke-Politiker in einer Mitteilung.

Die Entscheidung stelle das Wohl der Staatsoper und der Staatskapelle in den Vordergrund. »Dies alles verdient größten Respekt«, sagte Lederer. Neben dem Respekt empfinde er auch »eine gehörige Portion Bedauern«. Barenboim sei ein Jahrhundertkünstler und »eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten, die in Berlin wirken«.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth hat den Rücktritt ebenfalls bedauert. »Daniel Barenboim ist einer der bedeutendsten Pianisten und Dirigenten aller Zeiten, der jahrzehntelang auch das deutsche Musikleben entscheidend geprägt hat«, sagte die Grünen-Politikerin in einer Mitteilung. »Seine Zeit als Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden war ein Glücksfall für Berlin und Deutschland, denn er hat das Opernhaus und die Staatskapelle nach dem Fall der Mauer zu Weltruhm geführt.« Nun freue sie sich »auf hoffentlich viele weitere Konzerte und Opernaufführungen mit ihm«, sagte die Staatsministerin.

Der Intendant der Staatsoper Unter den Linden, Matthias Schulz, hat Daniel Barenboim nach dem angekündigten Rücktritt ebenfalls gewürdigt. »Die Staatsoper Unter den Linden ist Daniel Barenboim zu unendlichem Dank verpflichtet«, sagte Schulz in einer Mitteilung vom Freitag.

Seit mehr als 30 Jahren habe er »seine unerschöpfliche Kraft als Künstlerpersönlichkeit mit weltweiter Ausstrahlung« dem Haus und der Staatskapelle Berlin zugutekommen lassen. »Der Respekt ist groß, dass Daniel Barenboim nun im Sinne der Institution diesen Schritt geht und seine Aufgaben als Generalmusikdirektor zum Ende diesen Monats zurücklegt«. Es sei nur zu erahnen, »wie schwer Daniel Barenboim dieser Schritt gefallen sein muss«.

Erst Anfang Oktober hatte der Dirigent angekündigt, er müsse sich jetzt so weit wie möglich auf sein körperliches Wohlbefinden konzentrieren. »Mein Gesundheitszustand hat sich in den letzten Monaten verschlechtert und es wurde eine schwere neurologische Erkrankung bei mir diagnostiziert«, schrieb er dazu.

Die Staatsoper musste ein zum Geburtstag geplantes Konzert in der Berliner Philharmonie absagen, bei dem Barenboim Klavier spielen sollte. Zuvor musste Barenboim bereits das Dirigat für die zu seinem Geburtstag realisierte Neuinszenierung von Richard Wagners »Der Ring des Nibelungen« an der Staatsoper abgeben. Für ihn sprangen Christian Thielemann und Thomas Guggeis am Pult ein. Thielemann vertrat Barenboim auch während der Asientour mit der Staatskapelle.

In jüngster Zeit war Barenboim mehrmals ausgefallen. Im Februar musste er sich einem chirurgischen Eingriff an der Wirbelsäule unterziehen. dpa/im

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