Mit einer Ausstellung erinnert das Museumsquartier Osnabrück an die erste jüdische Gemeinde in der Stadt im 13. bis 15. Jahrhundert und nimmt den damals herrschenden Antijudaismus in den Blick. Anlass ist das Ende dieser Gemeinde, das sich 2026 zum 600. Mal jährt, wie Museumsdirektor Nils-Arne Kässens am Donnerstag erläuterte. Auslöser für die Auslöschung der Gemeinde sei ein Wandel im Finanzwesen gewesen, in deren Folge Juden ausgegrenzt, verfolgt und ermordet wurden.
Die Originalquellen aus dem Spätmittelalter belegten weitverbreitete antijudaistische Vorurteile, die die Wurzel des heutigen Antisemitismus darstellten. Kässens betonte, in einer Zeit, in der das Wort Jude wieder als Schimpfwort missbraucht, jüdische Mitbürger angegriffen würden und Israel von einigen das Existenzrecht abgesprochen werde, sei diese Ausstellung auch über Osnabrück hinaus bedeutsam.
Aufhebung des Zinsverbotes für Christen
Die präsentierten Urkunden und Bücher belegten, dass Juden seit etwa 1260 als einzige Geldverleiher das wirtschaftliche, soziale und religiöse Leben in Osnabrück mitgeprägt hätten, erläuterte Kurator Thorsten Heese. Ebenso fänden sich schon im 13. Jahrhundert zahlreiche Hinweise auf Vorurteile und sogar Hass gegenüber Juden.
1424 sei nach der Aufhebung des kirchlichen Zinsverbotes für Christen auch deren Schutz aufgehoben und jüdische Mitbürger vertrieben worden. Schon 1426 seien kaum noch jüdische Spuren sichtbar gewesen. epd