Wuligers Woche

Am Israel High!

Zion zugekifft: »Gepriesen seist du Ewiger, unser G’tt, Herr der Welt. Du hast wohlriechende Kräuter geschaffen.« Foto: Flash 90

Die Meldung passt in den jüdischen Kalender. Am kommenden Sonntag ist Purim, das einzige Fest, an dem die Kinder Israels nicht nur saufen dürfen, sondern müssen. Der Talmud schreibt vor, dass an diesem Tag Juden so viel Alkohol trinken sollen, bis sie die Ausrufe »Verflucht sei Haman« und »Gepriesen sei Mordechai« nicht mehr unterscheiden können.

Pünktlich zu diesem schönen Anlass hat die israelische Regierung vergangenen Sonntag beschlossen, den CannabisKonsum zu entkriminalisieren. Kiffen soll künftig nicht mehr als Straftat gelten, sondern nur noch als Ordnungswidrigkeit.

Gerichtsverfahren Allerdings hat die neue Freiheit ihren Preis: 1000 Schekel, umgerechnet rund 250 Euro. So viel muss zahlen, wer zum ersten Mal mit einem Joint erwischt wird. Beim zweiten Mal verdoppelt sich die Buße, beim dritten Mal kommt noch ein zeitweiser Eintrag ins Strafregister dazu. Erst die vierte Tüte ist dann strafbar und zieht eine Anklage plus Gerichtsverfahren nach sich. Die Bußgelder sollen in einen Fonds zur Drogenprävention fließen.

Die neue Regelung geht auf eine Initiative von Knessetabgeordneten fast aller Parteien von Rechts bis Links zurück. So viel Einigkeit ist in der ansonsten zerstrittenen israelischen Politik selten. Ob die Parlamentarier bei ihren Beratungen einen Joint haben herumgehen lassen? Cannabis stimmt bekanntlich milde und versöhnlich. Die Vorsitzende des Knessetausschusses für (oder muss es korrekt heißen, gegen?) Alkohol- und Drogenmissbrauch, Tamar Zandberg, jedenfalls will wachsam bleiben. Der Regierungsbeschluss könne, so die Politikerin der Meretz-Partei, nur ein erster Schritt auf dem Weg zur völligen Freigabe von Haschisch und Marihuana sein.

Die, haben manche Israelbesucher naiverweise angenommen, besteht im jüdischen Staat schon längst. Bei abendlichen Spaziergängen an der Tel Aviver Strandpromenade mischt sich von jeher der harzige Geruch von Cannabis in die Meeresbrise. Polizisten, die dem illegalen Treiben Einhalt gebieten, sah man bisher selten.

Bracha Die neue zivile Rechtslage stellt allerdings einige religionsgesetzliche Fragen. Eine rabbinische Erklärung muss her, die halachisch begründet, ob Haschisch und Marihuana auch bei religiösen Riten an die Stelle von Wein treten können. Eine passende Bracha gibt es bereits: »Gepriesen seist du Ewiger, unser G’tt, Herr der Welt. Du hast wohlriechende Kräuter geschaffen.«

Dürfen Kiffer jetzt an Purim den Alkohol durch Joints ersetzen und sich die Birne so lange zudröhnen, bis »Haman, hihihi« und »Mordechai, hihihi« zu einem einzigen Kichern verschmelzen? Und kommen in vier Wochen beim nächsten Feiertag, Pessach, Mazzeknödel mit Haschisch und in Marihuana geräucherter Lachs auf den Sedertisch? (Wer diese Delikatessen einmal kosten will, dem sei »Rosenberg’s Bagels« in Denver/Colorado empfohlen. Chefkoch Joshua Pollack hat auch ein leckeres Rezept für gehackte Leber mit Marihuana entwickelt.)

Ob mit Alkohol oder Cannabis: Chag Purim Sameach und L’Chaim!

Eurovision

»Das hat mir Kraft gegeben« - Noam Bettan suchte im Publikum nach Israelfahnen

Als der Israeli im Halbfinale antrat, gab es deutliche Buhrufe von Zuschauern, doch der Sänger ließ sich davon nicht aus dem Konzept bringen

 13.05.2026

Wien

Israel zieht ins Finale des ESC ein

Noam Bettan überzeugt mit seinem Lied »Michelle« Jury und Publikum

von Martin Krauß  12.05.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Warum ich die schlechte Antwerpener Luft so manchem Insekt vorziehe

von Margalit Edelstein  12.05.2026

Ausstellung

Zerstörung bauen

Das Jüdische Museum Berlin würdigt das Werk von Daniel Libeskind und feiert den 80. Geburtstag des Architekten

von Thomas Sparr  12.05.2026

Eurovision Song Contest

Irlands ESC-Boykott gegen Israel: Autor von Kultserie macht TV-Sender schwere Vorwürfe

Irlands Sender RTÉ boykottiert den diesjährigen ESC, weil Israel daran teilnimmt. Jetzt kommt Gegenwind: Drehbuchautor Graham Linehan will nicht, dass zeitgleich eine Episode der von ihm mitgeschaffenen Sitcom »Father Ted« ausgestrahlt wird

 12.05.2026

Serie

Filmemacher: Tagebuch von Etty Hillesum als Pflichtlektüre an Schulen

Die jüdische Autorin Etty Hillesum wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Eine Serie über den Holocaust ist »Etty« jedoch nicht: Es geht vielmehr um ihr Leben und ihre Ideen - die heute höchst aktuell erscheinen

von Paula Konersmann  12.05.2026

Eurovision

Weimer fährt für Israels ESC-Auftritt nach Wien

»Es ist kein Ort, wo politische Dinge in dieser Dimension eine Rolle spielen sollten«, sagt der Kulturstaatsminister

 12.05.2026

Filmfestivals

Regisseurin: Filmfeste müssen politische Debatten aushalten

Wird es in Cannes ähnlich politisch wie bei der Berlinale?

 12.05.2026

Fernsehen

»Etty«: Eine junge Frau umarmt das Leben und trotzt der Vernichtung

Amsterdam 1941: Die jüdische Intellektuelle Etty Hillesum besiegt ihre Ängste und erlebt eine große Liebe. Sie führt Tagebuch, das viele weltweit berührt. Nun ist es verfilmt worden

von Annette Birschel  12.05.2026