Interview

»Alles, was man wissen muss«

Herr Benz, wozu braucht man in Zeiten von Internet und Wikipedia überhaupt noch ein gedrucktes Personenlexikon zum Thema Antisemitismus?
Ich kann mir vorstellen, dass der Verlag das gesamte »Handbuch des Antisemitismus« irgendwann ins Netz stellt. Aber zunächst muss ja das Material gesammelt und aufbereitet werden. Ich glaube, ein Buch hat auch einen ganz anderen Wert als Referenz. Offenbar sieht auch der Verlag die Notwendigkeit, es in dieser traditionellen Form anzubieten.

Anders gefragt, was bietet dieser Band – das Personenlexikon –, das Interessierte sich nicht aus anderen Quellen erschließen können?
Diese Breite von Personen, die in irgendeiner Weise für das Thema Antisemitismus relevant sind, bietet sonst niemand. Die hier versammelten Biografien sind die Essenz dessen, was man zum Antisemitismus wissen muss.

Wann soll das gesamte siebenbändige Werk abgeschlossen sein?
In zwei Jahren wollen wir die Redaktion des sechsten und siebten Bandes abgeschlossen haben. Bis sie dann letztlich erscheinen, wird noch etwas mehr Zeit vergehen. Die Konzeption ist weit vorangeschritten. Wir bearbeiten ja nicht einen Band nach dem anderen. Derzeit arbeiten wir an der Drucklegung von Band drei, »Begriffe, Theorien, Ideologien«, und der Redaktion von Band vier, »Ereignisse, Dekrete, Kontroversen«. Band fünf befasst sich mit »Organisationen, Institutionen, Bewegungen«, Band sechs mit »Publikationen« und Band sieben mit Antisemitismus in Theater, Film, Literatur und Kunst.

Wie finanziert sich das Projekt?
Weder der Verlag noch das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) erhalten für das Handbuch Zuschüsse von der öffentlichen Hand. Wir haben hier am ZfA eine auf fünf Jahre befristete Stelle für eine Wissenschaftliche Mitarbeiterin, die ausschließlich mit der Redaktion des Handbuchs beschäftigt ist. Weiteres Personal gibt es nicht. Die Autoren, renommierte Fachleute aus aller Welt, schreiben ihre Beiträge, wie das so üblich ist, ohne Honorar. Das Handbuch ist eine Frucht, in der sehr viel Arbeit des ZfA steckt.

Mit dem Direktor des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin sprach Ingo Way.

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