Kino

Aldens Solo

Alden Ehrenreich als Han Solo (l.) neben seinem Sidekick Chewbacca, gespielt von Joonas Suotamo Foto: 2017 Lucasfilm Ltd. & ™, All Rights Reserved.

Harrison Fords Han Solo gehört zu den Star Wars-Charakteren, ohne die die nun über vier Jahrzehnte fortdauernde Popularität von George Lucas’ »Weltraumoper« nicht vorstellbar wäre.

Trotzdem ist der erkennbar als eine Art Westernheld konzipierte Solo wohl die Figur, die am wenigsten eine »Origin Story« gebraucht hätte, war er als charmanter Draufgänger und »Space Cowboy« doch stets genug. Welchen Beruf sein Vater hatte, wo er aufgewachsen ist und woher sein Name kommt – all das waren keine Fragen, die die Fans über die Jahre nachts nicht hätten schlafen lassen.

Trotzdem werden sie nun sämtlich beantwortet im neuen Film, mehr oder weniger befriedigend, einschließlich natürlich der Geschichte jener großen Freundschaft, die Han Solo mit seinem hochgewachsenen Wuscheltier Chewbacca verbindet. Und selbst wenn auch daran nichts wirklich überrascht, gehört der Wookie noch zu den Highlights des neuen Films, dessen unglückliche Produktionsgeschichte – die ursprünglich eingesetzten, aber relativ unerfahrenen Regisseure Phil Lord und Christopher Miller waren inmitten der Dreharbeiten durch Veteran Ron Howard ersetzt worden – sich als Schatten über die Erwartungen gelegt hatte.

Batmizwa Anders als befürchtet, schlägt sich auch Alden Ehrenreich wacker in der undankbaren Rolle, die jüngere Version eines ikonografischen Schauspielauftritts erfinden zu müssen. Der 28-jährige Schauspieler, der einst von Steven Spielberg bei der Batmizwa einer Freundin entdeckt wurde, dürfte jüngst in Cannes endgültig zum Top-Star Hollywoods geworden sein. Schließlich spielt er als Nachfolger (beziehungsweise Vorgänger) von Harrison Ford die Rolle des Han Solo in Solo: A Star Wars Story, der in Cannes außer Konkurrenz lief.

Ehrenreichs Han Solo ist unschuldiger und gutmütiger als Harrison Fords Variante, dafür eben auch etwas langweiliger. Emilia Clarke als sein romantisches Gegenüber kann ihre »Drachenmutter«-Aura aus Game of Thrones kaum entfalten, weil ihre Figur ganz besonders vom Prequel-Sparzwang betroffen ist: Um Stoff für die offenbar unvermeidlichen Sequels zu lassen, wird hier möglichst wenig definiert.

Die interessanteren Gestalten in Solo: A Star Wars Story sind Woody Harrelsons Freibeuter Tobias Beckett und Donald Glover als Lando Calrissian. Der Erstere spielt mit überraschender Zurückhaltung den kaltschnäuzigen alten Haudegen, der weiß, wann seine Stunde geschlagen hat, der Letztere gibt eine so verspielte, idiosynkratische Variante des Weltall-Dandys, dass sie das enge Konzept des Franchise fast sprengt.

Rebellion Die vielleicht originellste Idee des Films besteht darin, Lando als »love interest« keine Frau, sondern eine Maschine an die Seite zu stellen: »L3-37« ist ein selbstbewusster Droid mit Frauenstimme und gleichzeitig eine Karikatur auf die moderne Aktivistin. Wo auch immer sie hinkommt, fordert sie die Roboter zur Rebellion auf: »Denkt doch mal für euch selbst!«

Ausgefeilte Action, ab und zu eine Pointe und viel Liebe zum Detail machen einmal mehr die Erfolgsmischung aus. Wer Freude an der oft absurden Kombination von Westernmotiven und Alien-Monstern hat, etwa an der x-ten »Kantinenszene«, in der Aliens Bossanova singen und sich verhalten wie Bogart und Konsorten in Ricks Casablanca-Café – der kommt auch hier auf seine Kosten. Wirklich aufregend und neu aber ist an Solo: A Star Wars Story nichts. Und das Problem dabei ist: Genau so sollte es wohl auch sein.

Ab heute im Kino

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« reagiert auf Rüge des Deutschen Presserats

19 Rügen verteilt der Presserat an die deutsche Medienlandschaft. Eine davon geht an die »Jüdische Allgemeine« - wegen angeblicher gravierender Ehrverletzung eines in Gaza getöteten Journalisten

 23.03.2026

Hollywood

»Enigma Variations«: Aaron Taylor-Johnson übernimmt Hauptrolle in neuer Serie

Im Zentrum der Handlung steht eine Figur namens Paul, deren Leben durch verschiedene Beziehungen geprägt wird. Die Geschichte beleuchtet Fragen von Identität, Begehren und Liebe

 23.03.2026

Filmklassiker auf der Bühne

Premiere in Hamburg: »Zurück in die Zukunft« als Musical

In den 1980er-Jahren war der Film ein Riesenerfolg. Als Musical feierte die Komödie am Wochenende in Hamburg Premiere. Bob Gale, der jüdische Co-Autor der Filmtriologie, schrieb das Musical

 23.03.2026

Jubilar

»Mikrofon für die Seele«: Klezmer-Musiker Giora Feidman wird 90

Giora Feidman hat die jüdische Klezmer-Tradition in den Konzertsaal gebracht. In einfachen Liedern findet er große spirituelle Tiefe. Mit seiner Musik will der Klarinettist Menschen verbinden – und pflegt bei seinen Konzerten ein bestimmtes Ritual

von Katharina Rögner  23.03.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Mit Fran Lebowitz und Larry David in der Ringbahn – ein Traum

von Katrin Richter  22.03.2026

Geburtstag

Für immer Captain Kirk: William Shatner wird 95

Mit der »Enterprise« brach er in den 60er Jahren in die »unendlichen Weiten« des Weltalls auf. »Star Trek« machte den jüdischen Schauspieler weltberühmt

von Holger Spierig  22.03.2026

Aufgegabelt

Tahini-Gugelhupf mit Kardamom und Orange

Rezept der Woche

von Katrin Richter  21.03.2026

Journalismus

Neuer Georg Stefan Troller Preis ehrt Beiträge über jüdisches Leben

Er hat einst das Interview-Format revolutioniert. Ein neuer Journalisten-Preis wird im Namen des im September 2025 gestorbenen Schoa-Überlebenden Georg Stefan Troller ausgeschrieben

 20.03.2026

Genuss

Koschere Frühlingsblumen

Warum der Sederabend für Weinliebhaber kein Albtraum mehr sein muss

von Jacques Abramowicz  20.03.2026