Hochschule

Akademischer Austausch

Bei der Eröffnung: Winfried Schumacher, DAAD-Lektor in Haifa, Margret Wintermantel, Präsidentin des DAAD, und Verena Shifferman, Leiterin des Tel-Aviv-Büros (v.l.) Foto: Felix Rettberg

Der Hype um Berlin nimmt kein Ende. Immer mehr Israelis pilgern in die Hauptstadt – für eine Woche, mehrere Monate oder gleich für ein paar Jahre. Auch als Studienort gewinnt Deutschland für junge Leute aus Tel Aviv, Haifa oder Netanja an Bedeutung. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) trägt dem nun Rechnung und hat an der Tel Aviver Universität seine erste ständige Niederlassung eröffnet.

Schon jetzt entscheidet sich fast jeder zehnte israelische Student, der im Ausland studiert, für ein Studium in Deutschland – das zeigt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). »Diesem Trend folgt der DAAD mit seinem neuen Beratungsangebot und setzt damit vor dem 50. Jubiläum der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen 2015 ein deutliches Zeichen«, heißt es in der Presseerklärung.

Schwerpunkte der Arbeit sind die Hochschulzusammenarbeit mit akademischen Partnern vor Ort sowie die Werbung für den Studien- und Forschungsstandort Deutschland. Obwohl die Anlaufstelle für Studierende und Wissenschaftler in der Tel Aviver Uni untergebracht ist, ist sie für ganz Israel zuständig. Die DAAD-Präsidentin Margret Wintermantel betont: »Israel ist ein außerordentlich wichtiger Partner für Deutschland. Das gilt insbesondere für Studium und Forschung. Mit unserem neuen Informationszentrum werden wir diese langjährige und fruchtbare Zusammenarbeit weiter stärken.«

kostenfrage Benjamin Levy studiert Wirtschaft in Tel Aviv. Die Studiengebühren sind hoch – einige Tausend Schekel pro Semester. »Glücklicherweise werde ich von meinen Eltern unterstützt«, gibt der 25-Jährige zu. Ob er sich vorstellen könnte, in Deutschland zu studieren? »Klar, warum denn nicht«, meint er, »Deutschland ist ein cooles Land.« Allerdings halten ihn seine langjährige Freundin und die Familie in Israel davon ab, für längere Zeit ins Ausland zu gehen.

Zusammen mit sieben Gastdozenten an den wichtigsten israelischen Universitäten und zwei Zentren für Deutschlandstudien (in Haifa und Jerusalem) kann sich der DAAD in Israel auf ein gut ausgebautes Netzwerk der Hochschul- und Wissenschaftskooperation quer durch alle Fachrichtungen stützen.

Die Leiterin des Informationszentrums, Verena Shifferman, lebt seit 2008 in Tel Aviv und hat in Freiburg Politik, Germanistik und Gender Studies studiert. Sie betont, dass sie in ihrem Job nicht in einem Elfenbeinturm sitze, sondern als Teil der Sprachabteilung in die Universität integriert ist. Hauptsächlich bietet sie Beratungen für Studenten an und informiert via Goethe-Institut in regelmäßigen Vorträgen über Themenschwerpunkte wie Numerus clausus, Kunststudium oder Ingenieurwesen. Auch berät sie ganz generell über die Forschungslandschaft in Deutschland oder die Voraussetzungen für ein Studium dort. »Wir wollen dabei helfen, dass die Interessierten im Dschungel der Informationen den Überblick behalten«, sagt sie. »Und unser Angebot wird sehr gut aufgenommen.«

reisedauer Die Gründe, warum immer mehr junge Leute Deutschland als Studienort auswählen, kennt die Leiterin des Zentrums aus vielen persönlichen Gesprächen. »Meist ist es eine Mischung aus Pragmatismus und einem guten Gefühl.« Zum einen spiele es eine große Rolle, dass es an deutschen Hochschulen keine Studiengebühren gibt, die Lebenshaltungskosten, vor allem im Vergleich zu Tel Aviv, niedriger sind und die Reisedauer nach Europa so viel kürzer ist als etwa in die USA. Natürlich sei auch ein Faktor, dass viele Israelis jetzt über europäische Pässe verfügen.

»Deutschland hat heute zudem einen anderen Stellenwert in Israel. Durch das große Interesse an Berlin haben die Leute mittlerweile das ganze Land auf dem Schirm.« Für Shifferman persönlich, die mit einem Israeli verheiratet ist und »jeden Tag die Bi-Nationalität lebt«, ist es eine Herzensangelegenheit, den Studenten mitzuteilen, wie bereichernd es ist, im Ausland zu leben. »Und sei es nur für ein, zwei Semester.«

»Man lernt nicht nur etwas über die andere Kultur, sondern auch immer mehr über seine eigene hinzu«, weiß sie aus Erfahrung. »Ein Studium im Ausland ist eine Riesenchance und ein echtes Geschenk an einen selbst.«

Sprache Weltweit unterhält der DAAD 55 Informationszentren. Sie sind Teil eines Auslandsnetzwerks, zu dem außerdem 15 Außenstellen und mehr als 500 Lektoren sowie Sprachassistenten gehören.

Inbal Mosche wäre Feuer und Flamme für ein Studium in Deutschland – wäre da nicht die Sprache. »Deutsch ist so schwer«, findet sie, »das schreckt mich schon ab.« Sie hat sich im ersten Semester an der Hochschule in Tel Aviv eingeschrieben, sorgt sich allerdings um die Studiengebühren. »Ich muss dafür arbeiten gehen und weiß, dass das nicht leicht werden wird.« So ist Deutschland als Studienort verlockend. »Auch die Atmosphäre mag ich, alles ist ruhig und strukturiert.« Wenn sie wählen könnte, würde sie »natürlich nach Berlin gehen«, wegen der israelischen Freunde, die schon dort leben. »Dann wäre ich ja noch nicht einmal allein.«

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist eine Gemeinschaftseinrichtung der deutschen Hochschulen und Studierendenschaften zur Pflege ihrer internationalen Beziehungen. Er wurde 1925 in Heidelberg gegründet, 1945 aufgelöst und im Jahr 1950 neugegründet. Hauptsitz ist Bonn. Der DAAD ist nach eigenen Angaben die weltweit größte Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern. Ziele des DAAD sind unter anderem die Förderung die Internationalität der deutschen Hochschulen sowie die Stärkung der deutschen Sprache und der Germanistik im Ausland.

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