Nachruf

Afrikanerin am Main

Stefanie Zweig (1932-2014) Foto: dpa

Sie war Deutschlands erfolgreichste jüdische Gegenwartsautorin. Ihre Bücher erreichten eine Gesamtauflage von rund 7,5 Millionen. Doch in den Feuilletons kam Stefanie Zweig selten vor. Das lag daran, dass sie Unterhaltungsbücher schrieb, im Jargon der Kritiker »Trivialliteratur«. Unterhaltung aber hat in Deutschland traditionell einen unseriösen Beigeschmack.

Dabei war Stefanie Zeig alles andere als eine jüdische Utta Danella. In ihren handwerklich gut gemachten Bestsellern tappte sie nur sehr selten in die Kitschfalle. Und das, obwohl die Versuchung nahelag.

Kenia Denn was Stefanie Zweig in vielen ihrer Bücher spannend erzählte, war im Grunde ihre eigene Lebensgeschichte.
Geboren 1932 als Tochter einer jüdischen Juristenfamilie in Oberschlesien, floh sie 1938 mit ihrer Familie vor den Nazis nach Kenia, wo der Vater eine Farm betrieb, die Mutter unter den primitiven Lebensumständen litt und die heranwachsende Tochter die Welt entdeckte.

In dem Roman Nirgendwo in Afrika (1995) hat Stefanie Zweig diesen Abschnitt ihres Lebens literarisch verarbeitet. Charlotte Links Verfilmung des Buchs erhielt 2003 einen Oscar.

1947 kehrte die Familie Zweig nach Deutschland zurück. Der Vater wurde Richter in Frankfurt/Main. Die damals 15-jährige Stefanie tat sich schwer mit der fremden Heimat, wie man in ihrem Roman Irgendwo in Deutschland (1998) nachlesen kann. Später wurde sie Journalistin, veröffentlichte preisgekrönte Kinder- und Jugendbücher, erreichte mit ihren autobiografischen Romanen ein Millionenpublikum.

Aufarbeitung Ganz nebenbei trug sie mit ihren Büchern auf ihre Art zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus bei, wahrscheinlich nachhaltiger als viele offizielle wissenschaftliche und pädagogische Projekte. Zuletzt erschien 2013 ihr Roman Neubeginn in der Rothschildallee (Langen Müller) über die Rückkehr einer Frankfurter jüdischen Bürgerfamilie nach der Schoa.

Am Freitag vergangener Woche ist Stefanie Zweig, wie jetzt bekannt wurde, im Alter von 81 Jahren gestorben.

TV-Tipp

Der neue Polizeiruf, Israel und die deutsche Schuld

In der neuen Folge spielt »Shtisel«-Star Dov Glickman einen israelischen Vater, der des Mordes verdächtigt wird

von Silke Nauschütz  03.12.2021

Medien

Antisemitismusvorwürfe: DW stellt Mitarbeiter während Prüfung frei

Geprüft werden die Anschuldigungen von Ahmad Mansour und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

 03.12.2021

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter  02.12.2021

Nachruf

»Somewhere ...«

Zum Tod des Broadway-Komponisten und Musicaltexters Stephen Sondheim

von Axel Brüggemann  02.12.2021

Bildungsabteilung im Zentralrat

Erinnerung auf der Leinwand

Der Film als Medium des kulturellen Gedächtnisses. Zum Auftakt der Tagung wurde der Klassiker »Exodus« gezeigt

von Jens Balkenborg  02.12.2021

Finale

Der Rest der Welt

Adventskalender mit Chanukkaleuchter oder Es lebe die WIZO!

von Ayala Goldmann  02.12.2021

Chanukka

Dankbarkeit statt Frust

Dauer-Zoom und immer wieder verschobene Israel-Reisen – wie ein alter Segensspruch bei Corona-Missmut hilft

von Sophie Albers Ben Chamo  02.12.2021

TV-Doku

Wer kann uns schützen?

Richard C. Schneider geht den vielfältigen Formen des Antisemitismus nach

von Julia Bernstein  02.12.2021

Literatur

Dichterin und Salonière

Die Aufklärerin Esther Gad (1767–1836) aus Breslau war die erste deutsch-jüdische Schriftstellerin. In ihrem Werk offenbart sie sich als selbstbewusste Frau, die dem Rollenbild der Zeit kaum entsprach

von Christoph Schulte  01.12.2021