Comedy

50 Jahre Saturday Night Live im US-TV: Frecher Humor in einst toter Fernsehzeit

Ein halbes Jahrhundert: So außerordentlich lang unterhält im US-amerikanischen Fernsehen die wöchentliche Comedy Sendung »Saturday Night Live«. »Samstagnacht Live« hat den Fernsehhumor zugespitzt, den Zeitgeist reflektiert, Politiker auf die Schippe genommen, und manche Politiker mitmachen lassen. Donald Trump, heute US-Präsident, ist vor zehn Jahren als Gastgeber aufgetreten. Er sei gekommen, um zu zeigen, dass er Spaß verstehe, sagte er. Die Show habe sich oft über ihn lustig gemacht.

Die Zukunft von »Saturday Night Live« ist ungewiss, genauso wie die anderer Late-Night-Talkshows. Junge Menschen, die Zielgruppe bei der Erstausstrahlung am 11. Oktober 1975, gucken eher soziale Medien auf dem Handy. Und Trump im Weißen Haus gibt sich heute wesentlich weniger tolerant als damals.

Erstausstrahlung am 11. Oktober 1975 war noch kein Hit

Das 90 Minuten lange Programm läuft im NBC-Fernsehen an Samstagen um 23.30 Uhr live, Ostküstenzeit. Es geht los mit dem Monolog des jeweiligen Gastgebers, Stars aus dem Musik- und Unterhaltungsgeschäft, gelegentlich Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, gefolgt von komödiantischen Szenen, dem satirischen »Nachrichtenprogramm« Weekend Update, und aktueller Musik. 2025 waren als Gastgeber schon Lady Gaga, Dave Chappelle, Scarlett Johansson und Shane Gilles dran.

Manche Stars kamen über die Jahre mehrmals zum Zug, Männer häufiger als Frauen. Mehrere Auftritte als Gastgeber hatten unter anderen die Schauspieler Steve Martin, Tom Hanks, Chevy Chase und Tina Fey, deren unvergesslicher Imitationssketch Sarah Palin auf den Arm nahm, Gouverneurin von Alaska und 2008 republikanische Vizepräsidentschaftskandidatin. Sie könne Russland von ihrem Haus aus sehen, sagte Fey als Palin, als es um diplomatische Qualifikationen ging.

Die späte Sendezeit gab der Sendung Freiheit

Am häufigsten Gastgeber war laut NBC Schauspieler Alec Baldwin, der als Imitator Trumps auftritt. Als Trump schimpfte Baldwin, die Medien stellten ihn schlecht dar, indem sie alle seine Reden und alles, was er tue, im Fernsehen ausstrahlten. Einmal wurde Baldwin als Präsidentschaftskandidat Trump gefragt, ob seine geplanten Kürzungen im Gesundheitsbereich nicht viele Menschenleben gefährden: »Ich werde bald Präsident sein, wir alle werden sterben, nächste Frage.«

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Samstag Mitternacht war vor »Saturday Night Live« eine tote Zeit im Fernsehen. Die späte Sendezeit hat der Sendung Freiheit gegeben. Sie konnte »kantiger« sein als Primetime-Programme, sagt Soziologe Dustin Kidd von der Temple-Universität in Philadelphia (Pennsylvania), ein Experte für Pop-Kultur. Die erste Episode wurde rund ein halbes Jahr nach Ende des Vietnamkriegs ausgestrahlt. Gerald Ford war eine Art Interimspräsident nach Richard Nixons Watergate-Rücktritt im August 1974. Im Rundfunk spielten Elton John, Olivia Newton-John, Stevie Wonder, die Bee Gees. Die 1960er Jahre mit Jimi Hendrix und Janis Joplin waren im Rückspiegel, frecher Humor lag anscheinend näher als linke Politik und gesellschaftlicher Umbruch.

Der Komiker George Carlin moderierte die erste Show. Das setzte Zeichen. Carlin war erfolgreich und zugleich »enfant terrible«. Er wagte sich Anfang der 1970er Jahre auf Neuland mit Monologen über »schmutzige Wörter«, die man unter den Auflagen der Kommunikationsbehörde FCC im Rundfunk nicht sagen durfte. Carlin sagte sie, darunter »shit« und »fuck«, und der New Yorker Radiosender WBAI sendete 1973 einen der schmutzigen Monologe. Der Oberste Gerichtshof befasste sich mit der Sache. Im Urteil stand, dass die FCC unanständige Wörter im Rundfunk nicht verbieten darf, allerdings dürfe sie die Wörter auf bestimmte Tageszeiten begrenzen.

Das erste »Saturday Night Live« war nach Ansicht der Kritik noch kein großer Hit. Der Start sei nicht eben vielversprechend gewesen, bemängelte der Fachdienst »The Hollywood Reporter«, keine aufregenden Gäste und keine innovativen Texte. Der Erfolg des Programms, anfangs bekannt als »Saturday Night«, hänge ab von Producer Lorne Michaels‘ künftiger »Mischung aus Gästen und Gastgebern« und einem »sofortigen Aufbessern« des Comedy-Materials.

Sprungbrett für Stars wie Eddie Murphy, Billy Crystal, Chris Rock und John Belushi

Irgendwie hat das geklappt. Der heute 80-jährige Michaels ist noch immer »Saturday Night Live«-Chef. Er hat durchgehalten mit einer mehrjährigen Pause Anfang der 1980er Jahre. Die bekanntesten Comedians der USA haben unter Michaels bei der Sendung mitgemischt, darunter Eddie Murphy, Billy Crystal, Chris Rock, und der 1982 verstorbene John Belushi. Für manche war es ein Sprungbrett. Die Show habe eine »Transformation« erlebt, sagt Soziologe Kidd. Sie sei diverser geworden mit schwarzen, Latino- und mehr schwulen und lesbischen Stimmen. Doch Kidd sagt, seine Studenten schauten die Sendung kaum, höchstens Clips auf Tiktok.

Und inzwischen kann niemand mehr glauben, dass Trump Spaß versteht bei Witzen über ihn und dass er nicht nachtragend sei, wie er seinerzeit in »Saturday Night Live« versicherte. Inzwischen droht er unliebsamen Sendern mit Lizenzentzug. Zwei der großen Late-Night-Kritiker, Jimmy Kimmel und Stephen Colbert, wurden kürzlich zum Frohlocken des Präsidenten vor die Tür gesetzt worden.

Zwar ist Kimmel mittlerweile wieder auf die Bildschirme zurückgekehrt. Dennoch ist es schwer vorstellbar, dass die Autoren kantiger Shows den Rauswurf von Trump-Kritikern nicht im Kopf haben bei ihrer Arbeit.

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