Georgien

Zwischen Tel Aviv und Tiflis

Der Laufsteg ist ihre Bühne: Tammy Aligo Foto: Katrini Model Agency

Georgien

Zwischen Tel Aviv und Tiflis

In Israel geboren, kaukasische Wurzeln und in Mailand entdeckt: Tammy Aligo ist als Top-Model überall zu Hause

von Mikheil Khachidze  25.01.2026 17:06 Uhr

Sie arbeitete bereits mit Michael Lombard, Michael Cinco und Victoria Beckham zusammen, war auf den Laufstegen von Paris, Mailand und Cannes – und jetzt auch in Tiflis: Tammy Aligo, Israelin mit georgischen Wurzeln, zählt zu den aufstrebenden Gesichtern der internationalen Modewelt. Bei der von Tinatin Magalashvili gegründeten »Georgia Fashion Week« stand sie in diesem Jahr erstmals in ihrem Herkunftsland auf dem Catwalk und fühlte sich sofort zu Hause.

»Ich wurde in Israel geboren, aber meine Seele ist auch georgisch«, sagt Aligo. »Meine Mutter stammt aus der Kleinstadt Kutaissi, mein Vater aus Poti am Schwarzen Meer. Zu Hause haben wir Georgisch gesprochen, wir sind mit georgischer Musik, Tänzen und Traditionen aufgewachsen.« Schon als Kind trat Tammy im georgischen Nationalballett auf. Der Zufall führte sie dann zur Mode: Während eines Aufenthalts in Mailand wurde sie auf der Straße entdeckt. »Ein Fotograf bat mich, spontan bei einem Shooting mitzumachen – das war der Anfang meiner Karriere.«

»Die Modewoche in Tiflis hat mich überwältigt«

Heute gehört Aligo zu den Größen der Modelwelt. Und doch war es die Rückkehr nach Georgien, die sie am meisten bewegte. »Die Modewoche in Tiflis hat mich überwältigt«, erzählt sie. »Das Niveau war unglaublich hoch. Die Designer sind kreativ, mutig und weiblich. Ich habe mich entschieden, nach Georgien zu ziehen und hier zu leben.« Gemeinsam mit der Agenturleiterin Eka Mgaloblishvili plant sie, in Tiflis eine Modeschule zu gründen.

Parallel möchte Tammy Medizin studieren. »Ich interessiere mich für Plastische Chirurgie.« Sie wolle zwar weiter modeln, aber nicht hauptberuflich. »Ich sehe meine jüdische Identität in der Modewelt als ein Leuchtfeuer für Vielfalt und Authentizität«, sagt sie. »Ich bin stolz, Jüdin zu sein, stolz auf Israel und stolz auf meine georgischen Wurzeln. Diese Mischung ist mein Fundament.« Diskriminierung aufgrund ihrer Identität habe sie nie erfahren – ganz im Gegenteil. »Ich erlebe die Modewelt als offen, progressiv und integrativ. Sie ist ein Ort, an dem Emotionen, Individualität und Wandel gefeiert werden. Mode meidet politische Polarisierung und lebt von Akzeptanz und Liebe zum Besonderen.«

Ihr Beispiel zeigt, dass Zusammenarbeit über Grenzen hinweg funktioniert.

Ihr Beispiel zeige, dass Zusammenarbeit über Grenzen hinweg funktioniert: »Ich arbeite mit Designerinnen und Designern aller Religionen und Nationalitäten – mit Christen, Muslimen, Juden. Ich bin sogar das Gesicht der Marke SMG, deren Gründer Muslim ist. Unsere Unterschiede spielen keine Rolle, weil Mode uns verbindet.« Besonders eng ist ihre Beziehung zur georgischen Designerin Eka, die sie vor sechs Jahren während der »Paris Fashion Week« kennengelernt hatte. »Sie ist wie eine Mutterfigur für mich. Das zeigt mir: Identität ist kein Limit, sondern ein Schlüssel.«

Auf die Frage, worauf sie sich im Alltag stützt, antwortet sie ohne Zögern: auf jüdische Werte. »Judentum bedeutet für mich universelle Prinzipien, also Ahavat Chinam, bedingungslose Liebe, Zedaka, Hilfsbereitschaft. Und natürlich Respekt vor anderen.«

»Ralph Lauren beeindruckt mich durch seine Beständigkeit und klassische Eleganz«

Inspiration findet sie in erfolgreichen jüdischen Persönlichkeiten der Mode- und Unterhaltungswelt. »Ralph Lauren beeindruckt mich durch seine Beständigkeit und klassische Eleganz. Donna Karan ist ein Symbol dafür, wie man Erfolg und Tradition verbinden kann. Und Gal Gadot, obwohl sie aus der Filmwelt kommt, ist ein Beispiel für Stärke, Stolz und Treue zu den eigenen Wurzeln. Sie zeigt, dass man international glänzen kann, ohne sich selbst zu verlieren.«

»Ich möchte als internationale Stimme gehört werden, deren Stärke aus der jüdisch-israelisch-georgischen Identität er­wächst«, betont sie. »Ich trage die Offenheit Israels, die Wärme Georgiens und die universellen Werte des Judentums in mir. Ich stehe für Authentizität, Vielfalt und die Schönheit kultureller Verschmelzung.« Tammy Aligo verkörpert in vielerlei Hinsicht das, was nicht nur die Modewelt heute braucht: Echtheit in einer Ära der Oberflächlichkeit. Ihr Herz schlägt für zwei Orte, die für sie Heimat sind. Und vielleicht ist genau das ihr Erfolgsgeheimnis: Eleganz aus Tel Aviv, Leidenschaft aus Tiflis.

USA

Wanderer zwischen Ostküste und Oregon

Howard Rossbach ist eine feste Größe im Weinhandel, liebt Anekdoten und prophezeit seiner schwächelnden Branche trotz allem eine gute Zukunft

von Michael Thaidigsmann  17.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Herkunft und Sympathien der Spielerikone kursieren, erzählen die Söhne eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine andere, besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  16.07.2026 Aktualisiert

Justiz

Schweizer Comedian Hamza Raya wegen Rassismus angezeigt

Ein muslimischer Comedian und ein jüdischer Gastronom loten die Grenzen der Satire aus. Nun droht dem einen von beiden eine juristische Auseinandersetzung

von Nicole Dreyfus  15.07.2026

Jahrhundertzeugin

Wie eine Sintiza die Nazizeit überlebte und ihre Heiterkeit rettete

Frieda Daniels ist Hochseilartistin. Sie floh als Sintiza vor der Vernichtung durch die Nationalsozialisten. Als 93-jährige Zeitzeugin war sie nun in Heidelberg zu Gast. Eine außergewöhnliche Lebensgeschichte

von Stefanie Ball  15.07.2026

Verschwörungsmythen

Messi: Im Visier von Antisemiten

Eine NGO, die in den sozialen Medien antisemitische Inhalte aufspürt, berichtet, dass Argentiniens Starspieler immer wieder Ziel von judenfeindlichen Verschwörungsmythen wird

 15.07.2026

New York

Ronald Lauder sucht Nachfolger

Der WJC-Präsident, Unternehmer und Philanthrop wirbt außerdem dafür, dass sich eine neue Generation wohlhabender Juden stärker für jüdisches Leben engagiert – durch Investitionen in Bildung

 15.07.2026

David Baddiel

»Inzwischen kann man Messi in den Griff bekommen«

Der britische Autor über das Halbfinale England vs Argentinien, seinen legendären Fußball-Song »Three Lions« und warum er immer noch glaubt, dass England gegen Argentinien gewinnen wird

von Katrin Richter  15.07.2026

Schweiz

Die gegen den Hass sprüht

Inna E. fühlt sich dem jüdischen Volk verbunden und macht gegen anti-israelische Graffitis mobil. Wenn die Behörden nicht reagieren, auch mit Farbe

von Peter Bollag  14.07.2026

Monaco

Zweitjüdischste Nation der Welt

Die kleine jüdische Gemeinschaft im Stadtstaat wächst. Immer mehr Jüdinnen und Juden entscheiden sich für das luxuriöse und sichere Fürstentum

von Mark Feldon  13.07.2026