Wiens Oberrabbiner Jaron Engelmayer beendet nach sechs Jahren seinen Dienst in der österreichischen Landeshauptstadt und wandert im Herbst mit seiner Familie nach Israel aus. Das kündigte der 49-Jährige am Mittwochabend in einer Videobotschaft an. Gründe oder künftige Aufgaben nannte der gebürtige Schweizer nicht. Engelmayer lehrte und arbeitete als Geistlicher auch viele Jahre in Frankfurt, Aachen und Köln.
Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Oskar Deutsch, sprach im Rückblick auf die Amtsjahre Engelmayers von einer »herausfordernden Zeit«. »Wenn die Familie nach Israel auswandern möchte, dann ist das zu akzeptieren«, sagte Deutsch. Die Suche nach einem Nachfolger solle demnächst beginnen.
Engelmayer, 1976 in Zürich geboren und in der Schweiz aufgewachsen, studierte in den USA und in Israel, wo er auch Militärdienst leistete. Nach der Ordination zum Rabbiner 2002 durch das Oberrabbinat in Israel arbeitete er seit 2003 am Lehrhaus Lauder-Chorev-Midrascha in Frankfurt, dann von 2005 bis 2008 als Gemeinderabbiner in Aachen und anschließend bis 2015 in Köln. Von 2008 bis 2015 war er zudem Mitglied im Vorstand und Beirat der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands. Von 2015 bis zur Berufung nach Wien war Engelmayer in Karmiel in Nordisrael tätig.