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Wer wird Kandidat?

Vergangenen Sonntag in Florida: Michael Bloomberg, der die Nominierung als Präsidentschaftskandidat anstrebt, spricht vor jüdischen Wählern. Foto: imago images/ZUMA Press

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Wer wird Kandidat?

Am 3. Februar beginnen in Iowa die Primaries. Die wenigen Juden in dem Bundesstaat im Mittleren Westen wählen vor allem die Demokraten

von Daniel Killy  30.01.2020 13:55 Uhr

Als erster Jude in Iowa gilt der Franzose Alexander Levi aus New Orleans. Er ließ sich 1833 in Dubuque nieder, dem Jahr, in dem die Stadt gegründet wurde. Vier Jahre später wurde er als erster Ausländer in Iowa eingebürgert und half dabei, die Bleiminen von Julien Dubuque, dem Namensgeber der Stadt, weiterzuentwickeln.

In den 1840er-Jahren setzte dann eine jüdische Einwanderungswelle aus Deutschland und Polen nach Iowa ein. So richtig gewaltig wurde sie dann aber doch nicht, denn heute leben in dem Bundesstaat im Mittleren Westen, der für den Anbau von Mais und seine weiten Landschaften bekannt ist, nur rund 5200 Juden – weniger als ein Prozent der Gesamtbevölkerung.

Ihr Einfluss auf den legendären ersten Caucus am 3. Februar, dem Startschuss eines jeden Präsidentschaftswahlkampfes, ist also nicht so groß. Doch die Menschen in Iowa nehmen es sehr ernst, die landesweit Ersten zu sein, die über die Präsidentschaftskandidaten ihrer Parteien abstimmen. Für Juden gilt das umso mehr.

wahlkampfhelfer »Wir nehmen diese Wahlen wirklich sehr ernst – ob es darum geht, bei den Kampagnen als Freiwillige mitzuarbeiten, für bedürftige Kinder zu backen oder Wahlkampfhelfern ein Quartier zu geben«, sagt Will Rogers, ehemaliger Sekretär der Jewish Federation und vormaliger Executive Director der Republikanischen Partei in Polk County.

Iowas konservativere Juden folgen nicht still und brav der Parteilinie.

Dabei wählen Iowas Juden eigentlich fast ausschließlich demokratisch. Die Themen der jüdischen Demokraten im Bundesstaat sind keine anderen als bei anderen Gruppen: Gesundheit, Wirtschaft, Abtreibung und Immigration.

Israel scheint für Iowas Juden keine sonderlich große Rolle zu spielen. »Wenn man sich mit ein paar Juden aus der Hauptstadt Des Moines zusammensetzt«, sagte Professor Dennis Goldford, der an der Drake University Politikwissenschaft lehrt, kürzlich dem »Jewish Star«, »dann drehen sich die Gespräche in Sachen Caucus um das Übliche.« Die jüdische Gemeinschaft in Iowa sei »einfach zu klein, als dass Meinungsunterschiede und politische Differenzen die gemeinsamen Bedürfnisse der hiesigen Juden überschatten könnten«.

Harlan »Bud« Hockenberg, langjähriger republikanischer Funktionär und einer der führenden Köpfe in Iowas jüdischer Gemeinschaft, sagte – ebenfalls im »Jewish Star« –, er habe sein Leben lang als Minderheit in einer Minderheit verbracht. »Meine Haltung dabei war immer, dass ein Freund andere politische Ansichten haben kann, aber das sollte niemals die persönlichen Beziehungen beeinträchtigen.«

Das klingt harmonischer, als es in Wahrheit ist. Denn weder sind Iowas (konservativere) Juden besonders glücklich mit ihrem Poltergeist im Weißen Haus, noch haben die demokratischen Wähler große Freude an Parteifreunden wie Ilhan Omar, Rashida Tlaib und Co., die ihren Hass auf Juden und Israel völlig ungeniert von sich geben.

Gerade hat Tlaib wieder Ärger, weil sie einen gefälschten Hass-Post gegen Israel weiterverbreitete. Selbst die palästinensische Politikerin Hanan Aschrawi entschuldigte sich auf Twitter dafür, die erfundene antisemitische Tirade vom entführten und hingerichteten palästinensischen Jungen verschickt und kommentiert zu haben, den israelische Siedler ermordet hätten.

Iowas Juden haben es derzeit also nicht leicht mit ihren Parteipräferenzen. Damit sind sie ein Spiegelbild des Zustands im ganzen Land.

konkurrenten Bei den Demokraten liegt Bernie Sanders mit 22 Prozent knapp vor Pete Buttigieg, dem Bürgermeister der Stadt South Bend in Indiana (18,5 Prozent) und seiner wohl schärfsten Konkurrentin Elizabeth Warren (14,8).

Während viele republikanische Partei­gliederungen in Staaten wie South Carolina oder Nevada ihre Vorwahlen aus Solidarität mit Donald Trump abgesagt haben, findet die Kandidatenkür in Iowa selbstverständlich statt.

In der 2020er Caucus-Runde wird Trump von Bill Weld, dem früheren Gouverneur von Massachusetts, und dem ehemaligen Abgeordneten Joe Walsh aus Illinois, der heute rechte Parolen im Radio verbreitet, herausgefordert.

Trump dürfte keine Probleme haben, sich durchzusetzen. Doch wie das Votum von Iowas Juden ausgeht, ist offen. Viele machen nicht den Eindruck, brav und still der Parteilinie zu folgen – zumal der bei jüdischen Wählern sehr populäre frühere Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, seinen Hut für die Demokraten in den Ring geworfen und rechtzeitig alle Unterlagen für die Teilnahme am Iowa-Caucus eingereicht hat.

Bloomberg, der viele Jahre bei den Republikanern war, ist unter vielen eher wertkonservativen Republikanern immer noch sehr beliebt.

New Yorks früherer Bürgermeister Michael Bloomberg ist bei Juden sehr populär.

dissonanzen Ein Selbstläufer wird Iowa also wohl für keinen Kandidaten. Und wie stark die Verdrängungsarbeit in Bezug auf die innerparteilichen politischen Dissonanzen in Iowa gehen muss, zeigt die Führung von Bernie Sanders deutlich. Man scheint ihm die Anti-Israel-Eskapaden zugunsten einer Einheit bei den Demokraten zu verzeihen – zugunsten eines, wenn auch nach heutigem Stand der Dinge recht unwahrscheinlichen, Machtwechsels in Washington.

Es wird also spannend am 3. Februar, wenn in Iowa Kandidaten gemacht – oder von der Bühne der großen Politik vertrieben werden.

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